„Völliger Unsinn“: Wetterforscher Habermehl rechnet ab – warum Murmeltier Phil angeblich Europas Winter bestimmt

Ein Murmeltier soll den Winter entlarven, Wetterforscher Habermehl winkt ab. Warum der 2. Februar trotzdem fasziniert und was wirklich dahintersteckt.

Jedes Jahr am 2. Februar richtet sich der Blick nach Punxsutawney in den USA. Dort wird der Murmeltiertag gefeiert, ein Ritual mit langer Geschichte und enormer medialer Wirkung. Im Mittelpunkt steht Murmeltier Phil, das angeblich vorhersagt, wie lange der Winter noch dauert.

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Sieht Phil am Morgen seinen Schatten, soll der Winter weitere sechs Wochen bleiben. Sieht er ihn nicht, steht ein früher Frühling bevor. Der Brauch geht auf europäische Bauernregeln rund um Lichtmess zurück und wurde von deutschen Einwanderern nach Amerika gebracht. Heute ist daraus ein Spektakel mit Kameras, Jubel und weltweiter Aufmerksamkeit geworden.

Was Phil angeblich vorhersagt und warum sein Schatten so viel Bedeutung bekommt

Die Regel ist einfach, fast schon brutal simpel. Sonne bedeutet Winter, Wolken bedeuten Frühling. Genau diese Klarheit macht den Murmeltiertag so boulevardtauglich. Während Wettermodelle Wahrscheinlichkeiten liefern, liefert Phil eine Schlagzeile.


Offiziell wird seine „Vorhersage“ vom sogenannten Inner Circle verkündet, einer Gruppe im Zylinder, die das Murmeltier symbolisch „übersetzt“. Ob Phil tatsächlich einen Schatten sieht, ist zweitrangig. Entscheidend ist das Narrativ: Ein Tier urteilt über den Winter.

Wie treffsicher das berühmteste Wetterorakel der Welt wirklich ist

Die nüchterne Bilanz ist ernüchternd. Die Trefferquote des Murmeltiertags liegt bei etwa 35 bis 40 Prozent. Damit liegt Phil schlechter als reiner Zufall. Wissenschaftlich ist das Ritual nicht haltbar. Wetterforscher Habermehl nennt das Orakel offen „völligen Unsinn“, weil ein einzelner sonniger Morgen keinerlei Aussage über die großräumige Atmosphäre zulässt. Trotzdem überlebt der Mythos, weil er ein menschliches Grundbedürfnis bedient: Hoffnung auf Kontrolle mitten im Winter.

weiß dieses Wollknäuel wie unser Winter in den kommenden Wochen weitergeht?
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Warum der Termin meteorologisch trotzdem kein Zufall ist

Ganz falsch liegt der Kalender dennoch nicht. Anfang Februar ist ein sensibler Wendepunkt im Winter. In dieser Phase zeigt sich oft, ob der Polarwirbel stabil bleibt oder ins Wanken gerät. Auch Muster wie die Nordatlantik-Oszillation beginnen sich abzuzeichnen. Der Murmeltiertag fällt also auf einen Zeitraum, in dem sich tatsächlich Weichen stellen. Phil erkennt das nicht, aber er steht zufällig am richtigen Datum für maximale Aufmerksamkeit.

Was Phils Schatten für Europa und Deutschland wirklich bedeutet

Für Europa und Deutschland hat das Murmeltier keine direkte Aussagekraft. Unser Wetter wird vom Atlantik, vom Jetstream und von der Kopplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre gesteuert.


Ob milde Westlagen dominieren oder späte Kälterückfälle drohen, entscheidet sich tausende Kilometer entfernt von Pennsylvania. Dennoch ist Anfang Februar auch hier eine Phase, in der sich Trends verdichten und Prognosen an Schärfe gewinnen.

Warum wir trotzdem jedes Jahr wieder hinschauen

Der Murmeltiertag ist kein Wetterdienst, sondern ein Medienphänomen. Phil liefert keine Prognose, aber eine Geschichte, die hängen bleibt. Er zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einfachen Antworten ist. Wer den Winter wirklich verstehen will, muss auf Modelle, Wahrscheinlichkeiten und physikalische Prozesse schauen. Doch solange ein Murmeltier Klicks bringt, wird sein Schatten größer bleiben als seine meteorologische Bedeutung.