Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich die globale Erwärmung schneller denn je beschleunigt
Einer neuen Studie zufolge erwärmt sich die Erde so schnell wie noch nie seit Beginn der Messungen vor mehr als einem Jahrhundert. Sollte sich diese Beschleunigung fortsetzen, könnte die 1,5-Grad-Grenze früher erreicht werden, als aktuelle Prognosen vermuten lassen.

Seit Jahrzehnten beobachten Wissenschaftler einen stetigen Anstieg der globalen Temperatur. Eine neue Analyse, die heute in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, zeigt, dass sich die globale Erwärmung deutlich beschleunigt.
Zwischen 1970 und 2015 erwärmte sich der Planet um etwa 0,2 °C pro Jahrzehnt. In den letzten zehn Jahren hat sich diese Rate jedoch fast verdoppelt und liegt nun bei etwa 0,35 °C pro Jahrzehnt. Mit anderen Worten: Die Erde erwärmt sich derzeit schneller als jemals zuvor seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1880.
Die Forscher analysierten fünf wichtige globale Klimadatensätze, darunter NASA, NOAA, HadCRU, Berkeley Earth und ERA5, um zu bestätigen, dass dieser Trend in allen verfügbaren Beobachtungen einheitlich auftritt.
Wie Wissenschaftler das Signal der Erwärmung isolierten
Das Klima wird naturgemäß von verschiedenen vorübergehenden Phänomenen wie El Niño, Vulkanausbrüchen und Schwankungen der Sonnenaktivität beeinflusst. Diese Faktoren können den Temperaturanstieg vorübergehend verstärken oder überdecken.
Um Verwirrung zu vermeiden, wandten die Forscher eine statistische Methode an, die den Einfluss dieser natürlichen Schwankungen aus den Klimadaten herausfiltert. Nachdem dieses „Rauschen“ entfernt worden war, wurde das Signal deutlich klarer. Die Beschleunigung der Erwärmung zeigte sich mit einer statistischen Sicherheit von über 98 Prozent.
Die Analysen zeigen zudem, dass sich um die Jahre 2013 bis 2014 herum eine Veränderung der Erwärmungsrate vollzog, als die Steigung der globalen Temperaturkurve deutlich anstieg.
Das bedeutet schlicht und einfach, dass sich die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung selbst beschleunigt.
Die 1,5-Grad-Grenze rückt gefährlich nahe
Um dies richtig zu verstehen: Der Schwellenwert bezieht sich nicht auf ein einzelnes, außergewöhnlich warmes Jahr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass er überschritten ist, wenn die globale Durchschnittstemperatur über einen Zeitraum von etwa zwanzig Jahren 1,5 °C übersteigt. Einige Analysen deuten darauf hin, dass sich die globalen Temperaturen diesem Wert bereits gefährlich nahe nähern.
Seit der vorindustriellen Zeit hat sich die Erde bereits um rund 1,4 °C erwärmt. Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf Kohlendioxidemissionen aus fossilen Brennstoffen zurückzuführen, die die Wärme in der Atmosphäre wie eine Wärmedecke um die Erde zurückhalten. Mit steigenden Temperaturen werden die Folgen immer deutlicher, darunter intensivere Hitzewellen, häufigere extreme Niederschläge und stärkere Stürme.
Eine besorgniserregende Beschleunigung, die jedoch noch umkehrbar ist
Warum kommt es zu dieser Beschleunigung? Wissenschaftler nennen mehrere mögliche Erklärungen. Eine davon hängt mit dem jüngsten Rückgang bestimmter industrieller Aerosole zusammen, also Partikel, die zuvor einen Teil des Sonnenlichts reflektierten und die Atmosphäre leicht abkühlten. Ihr Rückgang könnte diesen „Klimaschirm“-Effekt abgeschwächt haben.
Forscher betonen immer wieder, dass die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung direkt davon abhängt, wie schnell die Menschheit ihre CO₂-Emissionen reduziert. Der Verlauf des Klimawandels ist daher nicht vorbestimmt. Jede Tonne CO₂, die eingespart wird, verlangsamt den aktuellen Trend, und jede Entscheidung im Energiebereich hat das Potenzial, die Kurve zu beeinflussen.
Quellenhinweis:
Ajit Niranjan. (2026, 6 mars). Humanity heating planet faster than ever before, study finds. The Guardian.
Foster, G., & Rahmstorf, S. (2026). Global warming has accelerated significantly. Geophysical Research Letters, 53, https://doi.org/10.1029/2025GL118804