Mikroplastik fällt weltweit mit dem Regen
Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, dass Kunststoffpartikel in der Atmosphäre zirkulieren, bevor sie durch Niederschläge wieder auf Land und Wasser gelangen.

Winzige Plastikpartikel bewegen sich mittlerweile durch die Atmosphäre und fallen mit dem Regen wieder auf die Erde zurück. Studien zu Mikroplastik in der Luft deuten darauf hin, dass diese Partikel weite Strecken zurücklegen können, bevor sie durch Niederschläge in Ökosystemen abgelagert werden.
Die Erkenntnisse deuten auf einen grundlegenden Wandel im Verständnis der Wissenschaftler hinsichtlich der Plastikverschmutzung hin; statt auf Ozeane oder Böden beschränkt zu bleiben, scheinen Mikroplastikpartikel Teil eines globalen atmosphärischen Kreislaufs zu sein.
Mikroplastik – Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind und etwa die Größe eines Sesamkorns haben – gelangt in die Umwelt, wenn Kleidung synthetische Fasern abgibt, Reifen auf den Straßen abnutzen, Verpackungen zerfallen und größere Kunststoffabfälle langsam zerbrechen.
Sobald sie freigesetzt werden, schweben einige Partikel in der Luft, wo sie vom Wind über Kontinente und Ozeane hinweggetragen werden können.

Wissenschaftler haben zunehmend Mikroplastikpartikel in der Luft in abgelegenen Gebieten nachgewiesen, darunter Gebirgszüge, Polarregionen und offene Meeresgewässer. Ihr Vorkommen im Regenwasser lässt darauf schließen, dass Niederschläge eine wichtige Rolle dabei spielen, diese Partikel aus der Atmosphäre zu entfernen.
Wie gelangen Kunststoffpartikel in die Atmosphäre?
Mikroplastik kann auf verschiedenen Wegen in die Luft gelangen. Durch den mechanischen Abrieb von Fahrzeugreifen gelangen mikroskopisch kleine Partikel auf die Straßen, während der Wind leichte Kunststofffasern und -partikel von Böden, Deponien und städtischen Oberflächen aufwirbeln kann.
Auch industrielle Aktivitäten und städtischer Staub tragen dazu bei, dass Plastikpartikel in die Atmosphäre gelangen. Sobald sie sich in der Luft befinden, können Turbulenzen und großräumige Wettersysteme sie weit von ihren ursprünglichen Quellen wegtransportieren.

Studien zur Luftprobenahme und Modellierung deuten darauf hin, dass Mikroplastik tagelang oder sogar wochenlang in der Luft schweben kann. In dieser Zeit können Winde es über Hunderte oder Tausende von Kilometern transportieren.
Schließlich werden viele dieser Partikel durch Niederschläge aus der Luft entfernt. Wenn sich Regentropfen und Schneeflocken bilden und zu Boden fallen, nehmen sie die Schwebeteilchen auf und transportieren sie durch einen als nasse Ablagerung bezeichneten Prozess zurück an die Oberfläche.
Regen und Schnee verteilen Mikroplastik weltweit neu
Regen scheint einer der wichtigsten Mechanismen zu sein, durch die sich Mikroplastik in der Luft über den gesamten Planeten verteilt.
Forscher haben Plastikpartikel in Regenwasser nachgewiesen, das in Städten und in abgelegenen Gebieten fernab von größeren Verschmutzungsquellen gesammelt wurde. In einigen Fällen hat der atmosphärische Transport Partikel aus dicht besiedelten Regionen in geschützte Ökosysteme und Nationalparks getragen.
Dieses Muster deutet darauf hin, dass sich Plastikverschmutzung ähnlich wie andere Luftschadstoffe, beispielsweise Mineralstaub oder industrielle Aerosole, verhalten kann. Sobald die Partikel in die Atmosphäre gelangen, können sie weite Strecken zurücklegen, bevor sie durch Niederschläge aus der Luft gewaschen werden.
Infolgedessen können Regionen mit geringer direkter Kunststoffproduktion dennoch durch den Wind von weit entfernten Quellen herangetragene Mikroplastikablagerungen erhalten.
Wissenschaftler versuchen nach wie vor herauszufinden, wie häufig Mikroplastik aus der Atmosphäre herabfällt und wie viel Material auf diesem Weg in die Ökosysteme gelangt.

Anhaltende Unsicherheiten hinsichtlich der Umweltauswirkungen
Der Nachweis von Mikroplastik im Niederschlag wirft neue Fragen hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit auf.
Einmal abgelagert, können sich diese Partikel in Böden, Süßwassersystemen und Ozeanen ansammeln. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Mikroplastik auch als Träger für chemische Schadstoffe oder Mikroorganismen dienen könnte. Forscher untersuchen zudem, ob Mikroplastik in der Luft die Wolkenbildung oder die Chemie der Atmosphäre beeinflussen könnte, auch wenn diese Prozesse bislang noch kaum verstanden sind.
Zukünftige Beobachtungsmaßnahmen zielen darauf ab, besser zu erfassen, wie sich Plastikpartikel in der Atmosphäre ausbreiten und wie sie durch Niederschläge weltweit verteilt werden. Das Verständnis dieses Kreislaufs könnte entscheidend sein, um das volle Ausmaß der Plastikverschmutzung auf der Erde zu erfassen.