Polarfüchse, Schneehasen und die längste Eisbahn der Welt: So frostig kann Winter sein

Kanada bietet nicht nur im Sommer betörend schöne Wildnis und spektakuläre Naturerlebnisse. Der Winter gerät hier besonders eisig und stellt viele Rekorde auf. Vier kanadische Superlative in Sachen Kälte.

Jetzt bloß nicht aussteigen: Eisbar bei Churchill in der Provinz Manitoba. Foto: Adobe Stock
Jetzt bloß nicht aussteigen: Eisbar bei Churchill in der Provinz Manitoba. Foto: Adobe Stock

Die nördlichste Stadt: Inuvik, Northwestern Territories

In der nördlichsten Stadt im kanadischen Straßennetz wird es im Winter fast 30 Tage nicht hell. Das ist nicht verwunderlich, denn Inuvik liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Völlige Finsternis herrscht nicht; eine blasse Morgendämmerung geht unmittelbar in die Abenddämmerung über und zeichnet dabei wunderschöne Farbspiele an den Himmel.

Die 3500 Bewohner verbringen die Wintermonate mit ortstypischen Vergnügungen: Hundeschlitten- oder Schneemobilfahren, Iglus bauen und Polarlichterstürme beobachten. Auch sonst müssen sie wenig entbehren, denn Inuvik besitzt Flughafen, Theater und Hotels.

Die meisten Eisbären: Churchill, Manitoba

Rund 900 Menschen leben in Churchill an der Westküste der Hudson Bay. Im Spätherbst erhöht sich die Zahl der Bewohner, wenn zahlreiche Eisbären aus der Tundra in Richtung Küste ziehen. Dort warten sie darauf, dass sich das Meer der Hudson Bay in Packeis verwandelt und die Robbenjagd für sie eröffnet ist. Churchill liegt auf der Route der wandernden Bären und hat es so zum Titel der Eisbärenhauptstadt der Welt gebracht.

Für Zweibeiner bedeutet das, sich von nun an gründlich umzuschauen, wenn sie das Haus verlassen. Schilder warnen in Gegenden, in denen die Raubtiere sich bevorzugt aufhalten, vor Spaziergängen. Positiv betrachtet bedeutet all dies, dass Churchill eine der wenigen Orte ist, an denen sich Eisbären in freier Natur beobachten lassen - im eisbärensicheren Tundra-Fahrzeug oder in einer durch spezielle Zäune geschützten Lodge.

Die längste Eisbahn: Rideau Canal in Ottawa

Auf einer Länge von 7,8 Kilometern – was immerhin 90 olympischen Eisbahnen entspricht - wird der Rideau Kanal im Herz der kanadischen Bundeshauptstadt bei frostigen Temperaturen zur längsten natürlichen Eisbahn der Welt.

Auch abends wunderschön: Die längste natürliche Eisbahn der Welt. Foto: Adobe Stock
Auch abends wunderschön: Die längste natürliche Eisbahn der Welt. Foto: Adobe Stock

Noch schöner als die Länge des Eislaufs ist das Panorama: der historische Kanal verläuft durch die äußerst attraktive City Ottawas und den Dow’s Lake.

Frieren und forschen: Eureka, Nunavut

Winnipeg ist eine der kältesten Städte Kanadas, die über gut geheizte Hotels verfügt. Das ist trostreich, denn regelmäßig fällt das Thermometer im Winter auf unter minus 30 Grad. Gefühlt: noch kälter.

Die niedrigsten Durchschnittstemperaturen an einem bewohnten Ort –minus 19,7 Grad - werden jedoch in Eureka auf Ellesmere Island im Nunavut Territory gemessen. Im Januar beträgt die Temperatur hier, 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt, im Schnitt minus 33,5 Grad. Mitunter fällt sie auf 50 Grad unter null.

Moschusochsen und Lemminge

Was man da macht? Frieren - und forschen. Eureka ist eine ständig bewohnte Forschungsstation. Außerdem gibt es einen Stützpunkt der Armee und die nördlichste zivile Wetterstation der Welt. Meteorologen sammeln Klimadaten, im Labor untersuchen Wissenschaftler die Atmosphäre polarer Gebiete. Außer ihnen leben hier Moschusochsen, Polarfüchse, Schneehasen und Lemminge.