"95 Prozent sicher" Wetterforscher: Dieser Winter wird kein normaler – der Grund liegt 15.000 km entfernt
15.000 Kilometer entfernt läuft ein Wetter-Motor heiß. Sein Höhepunkt trifft ausgerechnet unsere Wintermonate – und niemand weiß, in welche Richtung er Deutschland kippt.

Während bei uns die Menschen im Freibad liegen und über die nächste Hitzewelle stöhnen, passiert auf der anderen Seite der Erde etwas, das kaum jemand auf dem Schirm hat. Weit draußen im tropischen Pazifik heizt sich das Meer immer weiter auf – und legt damit schon jetzt fest, wie unser Winter aussehen könnte.
Der unsichtbare Auslöser hat einen Namen, der harmlos klingt und es überhaupt nicht ist: Super-El-Niño. Er wirkt wie ein Fernzünder, der Tausende Kilometer entfernt gedrückt wird – und dessen Druckwelle Wochen später bei uns ankommt, mitten in der kalten Jahreszeit.
15.000 Kilometer entfernt läuft der Motor heiß
Im Kern ist El Niño ein gewaltiger Wärmestau im Pazifik, der die gesamte Wetterküche des Planeten aus dem Takt bringt. Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 95 Prozent, dass uns dieses Muster bis weit ins Frühjahr 2027 begleitet – so sicher ist so etwas nur ganz selten.
Und es kommt dicker: Mit etwa 65 Prozent steuert die Lage auf ein sehr starkes Ereignis zu, einen echten Super-El-Niño. Sein Maximum wird zwischen November und Januar erwartet. Also punktgenau dann, wenn bei uns Schal und Mütze wieder aus dem Schrank kommen.
Der Dominoeffekt bis nach Deutschland
Das Tückische: Was im Pazifik startet, bleibt nicht dort. Die zusätzliche Wärme kurbelt riesige Luftströmungen an, verschiebt Hoch- und Tiefdruckgebiete rund um den Globus – und am Ende dieser Kette steht auch das Strömungsmuster über Europa.
Genau dieser Motor entscheidet mit darüber, ob unsere Tiefs künftig milde Atlantikluft heranschaufeln oder ob sich der Weg frei macht für eisige Kälte aus dem Norden. Ein Phänomen, das gefühlt am anderen Ende der Welt tobt, greift so direkt nach unserem Wetter.
Frost-Alarm oder Weihnachten im Dauerregen?
Und jetzt wird es spannend, denn beide Extreme sind drin. Szenario eins: Ein aus dem Takt geratener Polarwirbel öffnet die Tür für arktische Luft, und Deutschland erlebt Wochen mit Dauerfrost, Schnee und klirrenden Nächten – vor allem der Spätwinter im Januar und Februar hat in solchen Jahren schon oft überrascht.
Szenario zwei klingt komplett anders: Ein starker El Niño heizt die Atmosphäre weltweit zusätzlich auf und spricht damit eher für einen viel zu milden, grauen und nassen Winter – so einen, wie wir ihn zuletzt viel zu oft hatten. Weiße Weihnachten? In vielen Regionen längst eine echte Rarität.
Das große Rätselraten der Meteorologen
Warum legt sich dann niemand fest? Weil El Niño unser Wetter nicht allein bestimmt. Über Europa mischen noch andere Schwergewichte mit: der Polarwirbel hoch über dem Nordpol, die Temperaturen im Nordatlantik und die großräumige Strömung, die unsere Tiefs lenkt.
Deshalb ist jede Schlagzeile à la „ab dem 15. Januar wird es eisig" im Moment reines Kaffeesatzlesen. Ehrlich sagen lässt sich nur eines: Die Zutaten für einen der überraschungsreichsten Winter seit Langem liegen schon jetzt bereit – gemischt wird erst in den kommenden Wochen.
Darauf sollten Sie sich jetzt einstellen
Eines ist sicher: Dieser Winter wird kein Winter von der Stange. Die Spanne zwischen eiskalt und ungewöhnlich mild ist so weit geöffnet wie selten – und welches Szenario gewinnt, hängt an einem Motor, der gerade Tausende Kilometer entfernt auf Hochtouren läuft.
Wer clever plant, bleibt flexibel und behält die Lage genau im Blick. Denn wenn ein Super-El-Niño seinen Höhepunkt ausgerechnet über unseren Wintermonaten erreicht, wird das eine wird garantiert nicht passieren: Langeweile.