Tierarzt verrät es: Warum Hunde ihren eigenen Schwanz jagen

Viele Hundebesitzer müssen schmunzeln, wenn ihr Vierbeiner sich im Kreis dreht und versucht, seinen eigenen Schwanz zu fangen. Doch was auf den ersten Blick niedlich wirkt, kann unterschiedliche Ursachen haben.

Hinter dem Verhalten von Hunden steckt eine einfach Erklärung (Foto: Adobe Stock)

Kaum entdeckt ein Welpe seinen eigenen Körper, beginnt für ihn ein spannendes Abenteuer. Dazu gehört auch die eigene Rute. Dass junge Hunde ihr hinterherjagen, ist deshalb zunächst kein Grund zur Sorge. "Wenn wir ein Tierverhalten betrachten, ist es wichtig, das Normalverhalten der Tierart zu kennen“, erklärt Tierarzt und Verhaltenstherapeut Ronald Lindner gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Gerade bei Welpen sei das Schwanzjagen häufig nichts anderes als spielerisches Erkunden. Sie lernen ihren Körper kennen und versuchen aus Neugier, die sich ständig bewegende Rute zu erwischen. Doch mit zunehmendem Alter kann sich die Bedeutung dieses Verhaltens verändern.

Genau hinschauen: Auch Stress kann eine Rolle spielen

Nicht immer steckt Spieltrieb hinter den schnellen Drehungen. Experten zufolge kann Schwanzjagen auch dazu dienen, innere Anspannung abzubauen oder als sogenanntes Beschwichtigungssignal auftreten. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Hund krank ist. Erst wenn das Verhalten auffällig häufig oder sehr intensiv auftritt, sollten Halter genauer hinschauen.

Wenn die Angewohnheit zum Problem wird

Verhaltensbiologin Stefanie Riemer weist darauf hin, dass Hundebesitzer das Verhalten unbewusst verstärken können. Bekommt ein Welpe jedes Mal Aufmerksamkeit, wenn er seinem Schwanz hinterherjagt, kann sich daraus eine feste Gewohnheit entwickeln.

Im schlimmsten Fall kann daraus sogar eine Zwangsstörung entstehen. Ronald Lindner berichtet von Hunden, die sich über Stunden im Kreis drehen und kaum noch andere Verhaltensweisen zeigen. Solche stereotypen Bewegungsabläufe gelten als ernsthafte Verhaltensauffälligkeit und sollten fachlich untersucht werden.

Auch bei Haustieren lohnt es sich, das Verhalten genau zu beobachten (Foto: Adobe Stock)

Körperliche Ursachen sind ebenfalls denkbar

Nicht immer liegen psychische Gründe vor. Parasiten wie Flöhe oder Würmer können ebenso Auslöser sein wie Verletzungen im Bereich des Schwanzes. Auch neurologische Erkrankungen oder eine genetische Veranlagung bestimmter Hunderassen kommen als Ursache infrage.

Schmerzen oder starker Juckreiz führen mitunter dazu, dass Hunde versuchen, die betroffene Stelle zu erreichen und deshalb immer wieder nach ihrer Rute schnappen.

Forschungsergebnisse liefern weitere Erkenntnisse

Forscher der Universität Helsinki untersuchten bereits 2012 insgesamt 368 Hunde, die regelmäßig ihrem Schwanz hinterherjagten. Dabei zeigte sich, dass dieses Verhalten meist zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat beginnt.

Fast die Hälfte der untersuchten Tiere zeigte zusätzlich weitere zwanghafte Verhaltensweisen. Außerdem fiel auf, dass Hunde, die Vitamin- und Mineralstoffpräparate erhielten, seltener betroffen waren. Auch kastrierte Hündinnen jagten ihrer Rute weniger häufig hinterher. Viele der sogenannten Schwanzjäger galten zudem als eher scheu und waren häufig vergleichsweise früh von ihrer Mutter getrennt worden.

So reagieren Hundebesitzer richtig

Bevor Halter selbst nach Erklärungen suchen, sollte zunächst ein Tierarzt mögliche Erkrankungen oder neurologische Ursachen ausschließen. Ist der Hund gesund, rät Ronald Lindner davon ab, das Verhalten durch Aufmerksamkeit zusätzlich zu fördern.

Statt mit Kommandos wie "Nein!" oder "Lass das!" einzugreifen, sei es oft sinnvoller, den Hund kurz zu ignorieren. Zeigt er anschließend ruhiges oder erwünschtes Verhalten, kann dieses gezielt belohnt werden. So lernt der Vierbeiner, dass nicht das Schwanzjagen, sondern entspanntes Verhalten Aufmerksamkeit und Lob einbringt.

Artikelreferenz

Bild.de. (2026). Darum jagen Hunde ihren eigenen Schwanz.