Das Geheimnis der größten Bäume der Welt: Wie sie die schlimmsten Dürren überstehen
Wie schafft es ein über 70 Meter hoher Baum, während einer Dürre Wasser bis in seine Blätter zu transportieren? Einige dieser Waldriesen verfügen über bemerkenswerte Geheimnisse, die ihnen helfen, zu überleben.

Stellen Sie sich einen Baum vor, der mehr als 70 Meter hoch ist – das entspricht in etwa der Höhe eines 20-stöckigen Gebäudes – und der vollständig aus Holz, Blättern und Wurzeln besteht. Einige dieser riesigen Bäume in tropischen Wäldern haben Jahrhunderte überdauert und Stürme, extreme Hitze und Dürre überstanden.
Diese enorme Größe bringt jedoch eine große Herausforderung mit sich: Jeden Tag müssen sie Wasser aus dem Boden zu den Blättern befördern, die sich Dutzende Meter über ihren Wurzeln befinden. Und wenn eine Dürre eintritt, wird diese Aufgabe noch schwieriger.
Wasser fließt nicht den Stamm hinauf, als gäbe es eine versteckte Pumpe zwischen den Wurzeln. Es bewegt sich durch Gefäße, die als Xylem bezeichnet werden. Man kann sich das so vorstellen, als würde man Wasser durch einen extrem langen Strohhalm trinken. Je größer die Entfernung ist, desto schwieriger wird es, das System ordnungsgemäß am Laufen zu halten, insbesondere wenn der Boden austrocknet.
Eine 2015 veröffentlichte Studie ergab, dass die größten Bäume bei Dürreperioden tendenziell stärker leiden. In 65 % der untersuchten Fälle waren hohe Bäume einem höheren Absterberisiko ausgesetzt. Die Erklärung dafür war recht einfach: Je höher der Baum, desto schwieriger ist es, Wasser von den Wurzeln zu den Blättern zu transportieren.
Wenn wenig Wasser im Boden vorhanden ist, fällt es dem Baum schwerer, es von den Wurzeln zu den Blättern zu transportieren. Dabei können sich im Xylem Luftblasen bilden. Diese Blasen können den Wasserfluss blockieren – ähnlich wie ein verstopftes Rohr –, sodass weniger Wasser zu den Blättern gelangt.

Interessant ist, dass nicht alle Bäume gleichermaßen betroffen sind. In Wäldern in ganz Amerika, Afrika und Asien haben Forscher riesige Bäume entdeckt, die besser mit Trockenheit zurechtkommen. Das Geheimnis scheint nicht nur in ihrer Größe zu liegen, sondern auch in ihrem Aufbau und darin, wie sie ihren Wassertransport und ihre Wasserspeicherung anpassen.
Wie riesige Bäume Dürreperioden überstehen
Während des El-Niño-Ereignisses 2015–2016 wurden viele tropische Wälder in Südamerika von Hitze und Niederschlagsmangel schwer getroffen. Überraschend war, dass auch einige Wälder, die bereits an Trockenperioden gewöhnt waren, stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Manche Riesenbäume verfügen über ausgeklügelte Mechanismen zur Steuerung ihres Wasserhaushalts. In den Wäldern Südostasiens erreichen einige Arten eine Höhe von mehr als 70 Metern und sind dennoch in der Lage, den Wasserfluss bis in die Blätter aufrechtzuerhalten, ohne ihr hydraulisches System bis an die Belastungsgrenze zu bringen.
Auch die Blätter spielen eine Rolle. Sie haben winzige Poren, sogenannte Stomata, die wie kleine Ventile funktionieren. Wenn Wasser knapp wird, kann der Baum sie schließen, um den Feuchtigkeitsverlust zu verringern.

Das Problem ist, dass Bäume diese Poren für die Photosynthese offen halten müssen. Das Überstehen einer Dürre wird daher zu einem Spagat zwischen Wassersparen und der weiteren Energieproduktion.
Die Größe erklärt nicht alles
Eine 2026 in Nature veröffentlichte Studie kam zu einem noch interessanteren Ergebnis. Nach der Analyse von 290 Bäumen aus 18 Arten in Puerto Rico stellten die Forscher fest, dass Bäume derselben Art je nach ihrem Standort unterschiedlich auf Trockenheit reagieren können.
Das bedeutet, dass es nicht ausreicht, lediglich die Baumart zu bestimmen. Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Klima, Niederschlagsmenge und die Umweltbedingungen, denen der Baum während seines Wachstums ausgesetzt war, müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Daher können zwei Bäume derselben Art sehr unterschiedlich auf Trockenheit reagieren. Der eine kann schon bald Probleme bekommen, während der andere viel länger durchhält.
Ähnliches gilt für Gärten und Nutzpflanzen. Eine Pflanze mit gesunden Wurzeln, die unter geeigneten Bedingungen gewachsen ist, ist möglicherweise besser in der Lage, Trockenperioden zu überstehen, als eine Pflanze, die unter ungünstigen Bedingungen gewachsen ist.
Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Anfälligkeit von Riesenbäumen gegenüber Trockenheit nicht allein von ihrer Größe abhängt. Ihre Widerstandsfähigkeit hängt davon ab, wie sie Wasser transportieren und speichern, von ihrer Art und von der Umgebung, in der sie gewachsen sind.
Artikelreferenz
Amy C. Bennett, Nathan G. McDowell, Craig D. Allen & Kristina J. Anderson-Teixeira. (2015). Larger trees suffer most during drought in forests worldwide.