Mehr Mittelalter geht kaum: Diese Burg katapultiert Sie in die Vergangenheit
In den Wäldern des östlichen Harzes ist eine historische Festung erhalten, die nie erobert und zerstört wurde. Sie ist ein faszinierendes Ziel für Geschichts-Fans - und für Kinder. Denn hier gilt: Anfassen erlaubt, Verkleiden erwünscht.

Wer zur Burg Falkenstein will, muss etwas dafür tun. Fast zwei Kilometer zieht sich der Weg durch dichten Harzwald stetig bergauf. Erst kurz vor dem Ziel tauchen die mächtigen Mauern hinter einer Wegbiegung auf.
Hoch über dem Selketal erhebt sich eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Deutschlands, die seit dem 12. Jahrhundert nahezu unversehrt den Harz überragt.
Hinter meterdicken Mauern bleibt selbst an heißen Sommertagen angenehme Kühle. Für Burgleiterin Nadine Breitschuh steht fest: Falkenstein ist nicht irgendeine Harzburg, sondern die Burg des Harzes: die am besten erhaltene Anlage der Region. Zu finden ist sie im Ortsteil Pansfelde der Stadt Falkenstein in Sachsen-Anhalt.
Mittelalter-Klischees? Nein danke!
Dabei geht es Breitschuh und ihrem Team nicht nur darum, Geschichte zu erzählen, sondern auch mit Klischees aufzuräumen. So war nicht jede Burg eine Ritterburg. Auf Falkenstein lebte zeitweise sogar nur ein einziger Ritter.

Vieles, was heute als typisch mittelalterlich gilt, stammt eher aus Romanen und Filmen als aus historischen Quellen.
Ganz ohne Geheimnisse kommt die Burg dennoch nicht aus: So verbirgt sich zwischen Kapelle und Wohnräumen ein fensterloses Zwischengeschoss.
Dort versteckten Lothar von Asseburg-Falkenstein-Rothkirch und Karl-Christoph von Rothkirch 1945 einen Teil des Familienschatzes vor den Alliierten und der Roten Armee. Jahrzehntelang wusste niemand von dem Versteck.
Erst 1990 informierte Karl-Christoph von Rothkirch den damaligen Landrat in einem Brief über den Schatz.
Ein Familienschatz mit 3000 Objekten
Zwei Jahre später wurde er geborgen. In zwei Räumen von jeweils nur vier Quadratmetern lagen mehr als 3000 Objekte: kostbares Geschirr, Skulpturen, Dokumente, Weinflaschen und zahlreiche Alltagsgegenstände. Viele der Stücke sind heute im Burgmuseum zu sehen.

Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand hat einen einfachen Grund: Burg Falkenstein wurde nie erobert. Jahrhunderte lang war sie nur schwer erreichbar. Der heutige Waldweg entstand erst spät; zuvor führte über Jahrhunderte kein bequemer Zugang hinauf.
Einst lebten und arbeiteten hier zwischen 35 und 50 Menschen – ein Mikrokosmos hinter festen Mauern.
Papa im Schneewittchenkleid
Ein idealer Ort für die Vermittlung des mittelalterlichen Alltags ist die nahezu originalgetreu rekonstruierte Burgküche. Über der offenen Feuerstelle entstehen bei Mitmach-Aktionen Eintöpfe wie vor Jahrhunderten.
Auch in der Märchenstube darf ausprobiert und angefasst werden. Nicht nur Kinder ziehen die historischen Gewänder an. Manchmal landet auch ein Vater im Schneewittchen-Kleid. Das bleibt oft länger im Gedächtnis als jede Schautafel.
Auch die Exponate sollen nicht bloß betrachtet werden, sondern Geschichten erzählen: Wer benutzte sie? Was verraten sie über das Leben vor Jahrhunderten?
Heute gibt es in der Burg zahlreiche Veranstaltungen, darunter das alljährliche Minneturnier. Wenn Sängerinnen und Sänger im Burghof auftreten, brauchen sie keine Mikrofone - die Akustik der mittelalterlichen Mauern verstärkt die Stimmen von selbst.
Artikelreferenz
Annalena Hartwig. (2026). Begeistert Kinder und Erwachsene: Burg Falkenstein im Harz.