Polar-Schleusen öffnen sich! Im eisigen 500-hPa-Obergeschoss gibt’s 'ne Kaltluftrutsche mit Mittelmeeranschluss

Die Hochdruckmauer zieht um, die Polar-Schleusen öffnen sich: ECMWF schickt eisige Höhenluft auf die Rutschbahn Richtung Mittelmeer. Was braut sich über Deutschland zum Reformationstag und an Allerheiligen da eigentlich zusammen?

Polar-Schleusen auf, Höhenkälte auf Südkurs: Bei ECMWF rauscht eisige Höhenluft über Mitteleuropa bis zum Mittelmeer!
Polar-Schleusen auf, Höhenkälte auf Südkurs: Bei ECMWF rauscht eisige Höhenluft über Mitteleuropa bis zum Mittelmeer!

Ein kräftiges Hoch mit viel Hochdruck-Heuchelei liegt über Deutschland: Viel Druck, wenig Glanz..., denn vielerorts hängt die graue Herbstnebel-Suppe auch mal anhaltend zwischen den Häusern.

Der Freitag, 30. Oktober, zeigt, wie wenig hoher Luftdruck im fortgeschrittenen Herbst mit strahlendem Sonnenschein zu tun haben muss. Unter einer stabilen Luftschichtung sitzt die Feuchtigkeit wie unter einer Glocke fest. Nebel und Hochnebel können sich entsprechend hartnäckig halten.

Im Südwesten gelingt der Sonne häufiger der Durchbruch. Auch auf den Bergen lässt sich dem trüben Einerlei dank der Herbstinversion entkommen. Während unter der Wolkendecke etwa 8 Grad übrig bleiben, sind mit Auflockerungen bis zu 14 Grad möglich. Nur auf den Schwarzwaldleelagen legt der Ostwind zeitweise kräftig bis stürmisch los. In vielen Niederungen bewegt sich dagegen kaum ein Blatt.

Reformationstag: Das Hoch predigt Stillstand, die Höhe probt den Umbruch

Am Samstag fallen Reformationstag und Halloween zusammen. Das Wetter liefert zunächst die passende Kulisse: regional zäher Nebel, tiefe Wolken und im Osten gelegentlich etwas Sprühregen. Im Westen und Südwesten kann es nach der Nebelauflösung freundlicher werden.

Wo die Sonne fehlt, bleiben die Temperaturen bei ungefähr 7 bis 8 Grad hängen. Andernorts erreichen sie 10 bis 14 Grad. In klaren Nachtstunden ist vor allem im Süden stellenweise leichter Frost möglich.

Doch über dem ruhigen Bodenwetter verändert sich die Anordnung. Zwischen dem Höhenrücken über Westeuropa und einem Höhentief weiter östlich dreht die Höhenströmung auf Nordost. Kühlere Luft sickert zunächst in die östlichen Landesteile. Der Umbau beginnt weit über unseren Köpfen in ca. 5km Höhe und wird erst allmählich am Boden relevant.

Die Hochdruckmauer zieht um – die Westluft fliegt raus

Das Hoch verlagert seinen Schwerpunkt weiter nach Westen. Die gezeigte ECMWF-Berechnung setzt es am Sonntagabend mit rund 1041 hPa westlich der Britischen Inseln an. Der direkte Weg atlantischer Wettersysteme nach Mitteleuropa bleibt damit versperrt.

Entscheidend ist die neue Position des Hochs: Mit seinem Schwerpunkt über dem nahen Atlantik geraten Deutschland und Mitteleuropa zunehmend an dessen Ostflanke.

Die zuvor vom Atlantik bis nach Skandinavien reichende Hochdruckbrücke wird von Osten her geschwächt. Dadurch kann sich eine nördliche bis nordöstliche Strömung durchsetzen, die kältere Luft nach Süden führt.

In der Höhe reicht westlich von uns weiterhin ein Rücken weit nach Norden. An seiner Ostseite greift ein Trog mit tiefem Geopotenzial und kalter Höhenluft südwärts aus. Zwischen dem Rücken im Westen und dem Trog weiter östlich entsteht die Kaltluftrutsche: In der gezeigten ECMWF-Berechnung gelangt die Höhenkaltluft über Mitteleuropa bis in den Mittelmeerraum.

Sonntag, 1. November, 22 Uhr: ECMWF zeigt bereits die eisige Höhenluft auf der Rutschbahn über Mitteleuropa bis zum Mittelmeer.
Sonntag, 1. November, 22 Uhr: ECMWF zeigt bereits die eisige Höhenluft auf der Rutschbahn über Mitteleuropa bis zum Mittelmeer.

Allerheiligen: Die Polar-Schleusen gehen auf

Die ECMWF-Karten für Sonntagabend und die frühen Montagstunden zeigen den auffälligen Höhenkaltluftbereich von Skandinavien über Mitteleuropa bis in den Mittelmeerraum. Unsere Kaltluftrutsche hat ihren Mittelmeeranschluss.

Am Boden fällt Allerheiligen zunächst deutlich unspektakulärer aus. Viele Wolken bestimmen das Bild, im Südosten regnet es zeitweise. In den Alpen fällt Schnee; eine belastbare Höhenangabe oder Neuschneemenge geben die vorliegenden Informationen nicht her. Die Höchsttemperaturen reichen von etwa 6 Grad im Südosten bis 13 Grad im Nordwesten.

Eisiges Obergeschoss: Der Winter zieht nicht automatisch ins Erdgeschoss

Die kräftigen Farben der Vorschaukarte gehören zur Temperatur auf 500 hPa. Diese Druckfläche liegt ungefähr fünf bis sechs Kilometer über dem Meer. Dort befindet sich das eisige Obergeschoss unseres Wetter-Artikels.

Allerdings: Höhenkaltluft allein liefert deshalb keinen fertigen Wintereinbruch.

Für Schneeflocken vor der Haustür müssen auch die Luftschichten darunter passen. Ebenso braucht es ausreichend Feuchtigkeit und Niederschlag.

Zunächst bleibt Deutschland unter erheblichem Hochdruckeinfluss. Kleinere Störungen können vor allem den Norden, Osten und Südosten streifen.