Hitze-Tsunami rollt über Deutschland – die Wet Bulb Globe Temperature zeigt die wahre Gefahr
Wüstentage mit mehr als 35 Grad, tropische Nächte und hohe Luftfeuchtigkeit: Deutschland steuert auf einen Hitze-Tsunami zu. Die Wet Bulb Globe Temperature zeigt, warum die Belastung für den Körper gefährlicher sein kann als die Thermometerwerte vermuten lassen.

Was für eine dramatische Wetterwende: In Vorpommern wurden in der Nacht zum heutigen Mittwoch örtlich nur 1,9 Grad gemessen und in der Norddeutschen Tiefebene sank das Thermometer oft nur auf kalte 6 Grad. Werte, die eher an einen deutsche Wintermorgen als an den Beginn einer Hitzewelle erinnern.
Doch genau das macht die Entwicklung der kommenden Tage so außergewöhnlich bis dramatisch. Bereits zum Wochenende stehen in Teilen Deutschlands Wüstentage mit mehr als 35 Grad auf dem Programm, lokal sind sogar bis zu 38 Grad möglich.
Die ungewöhnlich kühlen Juni-Tage finden ihr jähes Ende und eine Wetterlage ermächtig sich des Geschehens, die Deutschland mit voller Wucht in die erste große Hitzewelle des Jahres katapultiert.
Doch Achtung: Die eigentliche Gefahr lässt sich nicht allein am Thermometer ablesen
Mit der Hitzeexplosion steigt aktuell die Luftfeuchtigkeit enorm und rapiede. Diese Kombination kann den menschlichen Körper an seine Belastungsgrenzen bringen.
Deshalb betrachten Wissenschaftler neben der Lufttemperatur zunehmend die sogenannte Wet Bulb Globe Temperature (WBGT), einen international genutzten Hitzestress-Index.
Er zeigt, wie stark Hitze, Sonneneinstrahlung und Luftfeuchtigkeit gemeinsam auf den Organismus wirken – und warum die kommenden Tage belastender werden könnten, als die nackten Temperaturwerte vermuten lassen.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass neuere wissenschaftliche Untersuchungen die lange verbreitete Annahme infrage stellen, wonach erst eine Feuchtkugeltemperatur von 35 Grad kritisch wird.
In feucht-heißer Luft traten kritische Hitzebelastungen schon bei Feuchtkugeltemperaturen um 30 bis 31 Grad auf. In extrem heißer und trockener Luft lagen die kritischen Werte teilweise sogar nur zwischen 25 und 28 Grad.
Die Wissenschaftler warnen deshalb davor, die oft zitierte 35-Grad-Marke als eine Art Sicherheitsgrenze zu verstehen. Selbst gesunde Menschen können demnach deutlich früher an ihre thermischen Grenzen geraten. Für ältere Menschen, chronisch Kranke oder Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dürfte die Belastbarkeit sogar noch geringer sein.
Ab Donnerstag beginnt die Hitzeoffensive
Bereits am Donnerstag beginnt die Hitzeoffensive mit voller Wucht. Während im Norden noch zeitweise Wolkenfelder durchziehen, setzt sich in weiten Teilen Deutschlands die heiße Subtropikluft durch. Vor allem in der Mitte und im Süden steigen die Temperaturen verbreitet auf über 30 Grad, entlang des Oberrheins sind bereits bis zu 36 Grad möglich
Warum diese Hitzewelle gefährlicher wird als viele denken – und was die Wet Bulb Globe Temperature verrät
Für die bevorstehende Hitzewelle in Deutschland ist vor allem die Kombination aus extremer Wärme und zunehmender Schwüle von Bedeutung. Mit der heranströmenden Subtropikluft steigen nicht nur die Temperaturen auf Werte von 35 bis 38 Grad. Gleichzeitig nimmt auch die Luftfeuchtigkeit deutlich zu.
Die Wettermodelle berechnen für die Luftmasse über Deutschland sogenannte PPW-Werte von 30 bis 40 Millimetern.
Das bedeutet, dass die Atmosphäre außergewöhnlich viel Wasserdampf enthält und damit ideale Voraussetzungen für eine drückende Schwüle geschaffen werden. Genau diese Feuchtigkeit wird zum Belastungsfaktor. Schweiß kann den Körper nur dann effektiv kühlen, wenn er verdunstet.
Je feuchter die Luft wird, desto schlechter funktioniert dieser natürliche Kühlmechanismus. Die Folge: Der Organismus muss deutlich mehr Energie aufwenden, um seine Kerntemperatur stabil zu halten.
Besonders problematisch werden die Nächte. In vielen Städten drohen bereits ab Donnerstag die ersten Tropennächte des Jahres mit Tiefstwerten von über 20 Grad. Der Körper kann sich dann selbst während der Nacht kaum noch ausreichend regenerieren. Die Hitzebelastung summiert sich von Tag zu Tag auf.

So entwickelt sich der Hitze-Tsunami bis zum Wochenende
Am Freitag erreicht die Hitzewelle ihre nächste Ausbaustufe. Dann werden in großen Teilen des Landes 30 bis 35 Grad, regional im Südwesten sogar bis zu 37 Grad erwartet. Gleichzeitig steigt die Schwüle weiter an.
Die Atmosphäre lädt sich zunehmend mit Energie auf, wobei die Modelle CAPE-Werte von teils 1.000 bis 2.500 Joule pro Kilogramm berechnen. Damit steht genügend Energie für kräftige Gewitter zur Verfügung.
Zunächst dürfte vor allem der Westen und Nordwesten betroffen sein, wo örtlich Unwetter mit Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen möglich sind. Am Samstag erreicht der Hitze-Tsunami schließlich seinen Höhepunkt. Vielerorts werden 33 bis 36 Grad gemessen, lokal sind sogar bis zu 38 Grad denkbar.