El Niño kehrt zurück: „Der Schalter kippt gerade" – das erwartet uns im Winter

Tief im Pazifik stellt sich gerade ein gewaltiger Schalter um. Er entscheidet mit über unseren Winter – doch in welche Richtung er ausschlägt, sorgt für Zündstoff.

Wie entwickelt sich der Winter 2026/27 in Deutschland und Europa?
Wie entwickelt sich der Winter 2026/27 in Deutschland und Europa?

Es beginnt tausende Kilometer entfernt, mitten im Pazifik – und trotzdem könnte es bald darüber mitbestimmen, ob Sie im Januar den dicken Mantel oder nur die Übergangsjacke aus dem Schrank holen. Das Meer vor Südamerika verändert sich derzeit rasant. Wo monatelang kühles Wasser den Ton angab, drückt jetzt Wärme nach oben.

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Der Grund hat einen Namen, den viele schon einmal gehört haben: El Niño. Das Klimaphänomen meldet sich nach einer längeren Pause zurück – und die Fachleute schauen ganz genau hin. Denn wenn dieser Riese sich regt, bleibt das selten ohne Folgen für den Rest der Welt.

Ein Riese erwacht im Pazifik

Man kann sich das Ganze wie einen gigantischen Schalter vorstellen. Über Monate stand er auf „kalt" – Meteorologen sprechen dann von La Niña. Doch dieser Zustand löst sich gerade auf, und zwar deutlich schneller, als viele gedacht hätten.

Jetzt kippt der Hebel Richtung „warm". Genau das ist El Niño: eine großflächige Erwärmung des Pazifiks, die das fein austarierte Zusammenspiel von Luftdruck, Wind und Meeresströmungen komplett durcheinanderwirbelt. Der Schalter kippt gerade. Und wenn er einmal umgelegt ist, zieht das Kreise bis zu uns."

Warum uns das in Deutschland überhaupt kümmern muss

Was hat ein warmes Meer in Südamerika mit einem verregneten Novembertag in Frankfurt oder München zu tun? Sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Der Pazifik ist so etwas wie der Taktgeber der globalen Wetterküche.

Verändert sich dort die Temperatur, verschiebt sich in großer Höhe auch der Jetstream – jenes Starkwindband, das unsere Tiefs und Hochs quer über den Atlantik schiebt. „El Niño zieht an Fäden, die am Ende auch unser Wetter bewegen. Nur eben nicht so direkt und brutal wie in Amerika", erklärt der bekannte Diplom-Meteorologe Dominik Jung. Für Europa ist der Effekt leiser, verwinkelter – aber er ist da.

Milder Winter – oder doch die große Kälte?

Und jetzt die Frage, auf die alle warten: Bringt uns dieser El Niño einen milden oder einen eisigen Winter? Die ehrliche Antwort lautet: Das ist noch längst nicht entschieden. In der Vergangenheit gingen El-Niño-Winter bei uns in Mitteleuropa oft eher mild und wechselhaft aus.

Doch „oft" heißt eben nicht „immer". Und genau hier wird es richtig spannend – denn ein einziger Gegenspieler kann das ganze Bild von jetzt auf gleich kippen. Wer heute schon eine fertige Winterprognose verspricht, macht sich unseriös. Seriös ist nur: Die Weichen werden gerade gestellt, das Ziel steht noch nicht fest.

Der Faktor, der alles umwerfen kann

Dieser Gegenspieler sitzt hoch über dem Nordpol und heißt Polarwirbel. Solange er stabil und kräftig rotiert, hält er die eisige Kälte wie ein fester Deckel im hohen Norden zurück – bei uns bleibt es dann mild.

Aber dieser Deckel kann platzen. Kommt es im Hochwinter zu einer plötzlichen Erwärmung in der Stratosphäre, kann arktische Luft nach Süden ausbrechen – und aus dem sanften Winter wird binnen weniger Tage eine knackige Kältewelle. Ob El Niño so eine Störung eher begünstigt oder ausbremst, darüber wird unter Fachleuten gerade heftig gestritten. Ein Joker, der noch verdeckt auf dem Tisch liegt.

Was Sie jetzt wirklich wissen müssen

Ein Grund zur Panik ist das alles nicht. Aber ein Grund, jetzt sehr genau hinzuschauen. Der Pazifik hat den ersten Schritt gemacht, und in den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie kräftig dieser El Niño am Ende wirklich wird.

„Wir stehen an einer Wegkreuzung", bringt es Dominik Jung auf den Punkt. „Der Schalter ist gestellt – jetzt entscheidet sich, wohin die Reise geht." Klar ist nur eines: Wer wissen will, was der Winter bringt, sollte ausgerechnet den fernen Pazifik im Blick behalten. Denn dort, und nicht bei uns vor der Haustür, fällt gerade eine der wichtigsten Vorentscheidungen.