„Damit habe selbst ich nicht gerechnet" – renommierter Diplom-Meteorologe über den Wahnsinns-Sommer 2026
Deutschlands bekanntester Diplom-Meteorologe Dominik Jung zieht im Interview mit Meteored Deutschland Bilanz zum Wahnsinns-Sommer 2026.

Wenn einer weiß, was am Himmel los ist, dann er: Dominik Jung. Der studierte Diplom-Meteorologe und Klimaexperte gehört zu den bekanntesten Wetter-Fachleuten Deutschlands und ist seit über 20 Jahren als Medienmeteorologe im Einsatz – bekannt aus dem Fernsehen, aus dem Radio und einer der meistzitierten Wetter-Experten der deutschen Presse.
Millionen Menschen vertrauen Tag für Tag auf seine Einschätzungen. Im Interview spricht Jung Klartext über einen Sommer der Superlative, die anhaltende Dürre – und die brennende Frage, ob die Rekordhitze noch einmal zurückkehrt.
Herr Jung, Sie haben schon im Frühjahr einen sehr warmen Sommer angekündigt – und genau so ist es gekommen. Aber dass es SO extrem wird, hat Sie das selbst überrascht?
Ehrlich? Ein bisschen ja. Dass dieser Sommer heiß wird, das war für mich früh klar – die Signale standen schon im Frühjahr auf Rot. Aber ein neuer deutscher Allzeitrekord mit 41,8 Grad Ende Juni, in dieser Wucht und so früh im Jahr – das hätte selbst ich in dieser Deutlichkeit nicht auf dem Zettel gehabt. Warm angekündigt: ja. Aber die Natur hat nochmal einen draufgesetzt. Das zeigt: Wir spielen inzwischen in einer anderen Liga.
Der Sommer ist noch nicht vorbei. Wie geht es weiter?
Kurz gesagt: Der Hochsommer gibt so schnell nicht klein bei. Wir bleiben erstmal im heißen Fahrwasser, auch die erste Augusthälfte hat noch richtig Feuer.
Klar, zwischendurch mischen mal Gewitter und ein paar kühlere Tage mit – aber die große Wende hin zu Dauerregen und Herbstgefühl sehe ich noch nicht. Wer auf Abkühlung hofft, braucht Geduld.
Ein Riesenthema ist die Trockenheit. Wie lange begleitet uns die Dürre noch?
Die Dürre ist das eigentliche Problem hinter der Hitze – und sie verschwindet nicht über Nacht. Die Böden sind bis in die Tiefe ausgetrocknet, viele Flüsse und Bäche führen viel zu wenig Wasser.
Und jetzt kommt der Haken: Ein kräftiger Schauer sieht auf dem Radar dramatisch aus, versickert aber auf dem knochentrockenen Boden fast wirkungslos – oder rauscht oberflächlich ab. Was wir bräuchten, ist kein Sommer-Guss, sondern tage-, ja wochenlanger Landregen. Und der ist weit und breit nicht in Sicht. Die Trockenheit begleitet uns damit noch lange.
Die spannendste Frage zum Schluss: Kriegen wir nochmal so eine Gluthitze wie Ende Juni – oder knacken wir die 41,8 Grad sogar ein zweites Mal?
Ausschließen würde ich gar nichts mehr – dieser Sommer hat uns gelehrt, mit allem zu rechnen. Noch eine ordentliche Hitzewelle mit Richtung 40 Grad, das ist im August absolut drin. Aber je weiter wir in den Spätsommer kommen, desto schwerer wird es, die ganz große Marke zu toppen.
Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung aus der Region Bad Kreuznach, Meteorologie-Studium in Mainz (Diplom 2005) und heute Geschäftsführer von Q.met (wetter.net), zählt zu den bekanntesten Wetterexperten Deutschlands. Er ist Buchautor („Alles, was Du übers Wetter wissen musst", 2025) und wurde sogar zur Flutkatastrophe 2021 vor dem NRW-Untersuchungsausschuss in Düsseldorf als Sachverständiger gehört.
Die Sonne steht tiefer, die Nächte werden länger – das arbeitet gegen neue Allzeitrekorde. Mein Bauchgefühl als Meteorologe: Nochmal richtig heiß – ja. Aber die 41,8 Grad zu knacken, das wäre schon eine faustdicke Überraschung. Wetten würde ich aber auf nichts – nicht in diesem verrückten Sommer.