Erst 35 Grad, jetzt Frost: So spät hat es das selten gegeben – diese Regionen erwischt es eiskalt

Erst Sommerhitze mit über 30 Grad, dann der eiskalte Absturz: In manchen Tälern fällt das Thermometer am Boden bis auf null Grad – so spät im Jahr eine echte Seltenheit.
Mehr Gegensatz geht kaum: Gerade noch meldete der Südwesten mit deutlich über 30 Grad die erste Hitzewelle des Jahres, da steht in den nächsten Nächten schon das genaue Gegenteil auf dem Programm.
Aus Nordosten strömt kühle Festlandsluft heran, und in den klaren Nächten rutschen die Temperaturen am Boden gebietsweise bis auf den Gefrierpunkt. Bodenfrost Ende Mai, kurz vor dem kalendarischen Sommer – das ist tatsächlich eine kleine meteorologische Sensation und sorgt vor allem im Garten für Sorgenfalten.
Trockene Luft und klare Nächte als Auslöser
Der Schlüssel liegt im Luftmassenwechsel. Mit der einfließenden Kaltluft aus Nordosten gelangt sehr trockene Luft zu uns, und ein kräftiges Hoch sorgt für wolkenarme, windschwache Nächte. Genau diese Kombination ist gefährlich: Ohne Wolkendecke strahlt der Erdboden die tagsüber gespeicherte Wärme nahezu ungehindert in den Weltraum ab.

Die fehlende Luftfeuchtigkeit verstärkt den Effekt zusätzlich, weil Wasserdampf sonst wie eine wärmende Decke wirken würde – und die fehlt nun. Hinzu kommt, dass die Böden nach den heißen, regenarmen Tagen vielerorts staubtrocken sind, und trockener Boden kühlt deutlich schneller aus als feuchter.
Der Unterschied zwischen Luft- und Bodentemperatur
Wichtig zu wissen: Bodenfrost und Luftfrost sind nicht dasselbe. Offiziell gemessen wird die Lufttemperatur in zwei Metern Höhe – dort kann das Thermometer noch milde 4 oder 5 Grad anzeigen. Direkt über dem Erdboden, in fünf Zentimetern Höhe, liegen die Werte aber oft mehrere Grad tiefer. Sinkt es dort auf null Grad oder darunter, spricht man von Bodenfrost. Für empfindliche Pflanzen reicht genau das schon aus, um Schaden zu nehmen.
Besonders tückisch sind die sogenannten Kältelöcher. In windstillen Nächten fließt die schwere, kalte Luft die Hänge hinab und sammelt sich am Talboden – Meteorologen sprechen von Kaltluftseen. In Mulden und Senken der Mittelgebirge wird es dadurch nochmals kälter als in der Umgebung.
Besonders über dem norddeutschen Sandboden reicht es örtlich für Frost am Boden.
So spät im Jahr ist das alles andere als alltäglich. Statistisch endet die klassische Frostgefahr in den meisten Regionen mit den Eisheiligen Mitte Mai.
Ein Kaltlufteinbruch mit Bodenfrost in der letzten Maiwoche oder gar zum Junibeginn ist selten, aber keineswegs ausgeschlossen – die berüchtigte Schafskälte Anfang Juni zeigt, dass kalte Rückfälle im Frühsommer durchaus zum normalen Wettergeschehen gehören. Dass es diesmal direkt nach einer Hitzewelle passiert, macht den Kontrast nur umso krasser.
Das müssen Gärtner und Landwirte jetzt beachten
Für Hobbygärtner heißt das jetzt: handeln statt abwarten. Empfindliche Kulturen wie Tomaten, Gurken, Basilikum oder frisch gesetzte Sommerblumen sollten über Nacht ins Haus geholt oder mit einem Vlies abgedeckt werden. Auch Kübelpflanzen stellt man besser an die geschützte Hauswand.
Tagsüber bleibt es mit 23 bis 27 Grad zwar angenehm mild, doch die kalten Nächte halten sich noch zwei bis drei Tage. Erst zum Wochenende drückt von Südwesten wieder wärmere Luft heran und beendet den frostigen Spuk. Bis dahin gilt: abends gut abdecken und die Beete im Blick behalten.
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