Die geheimnisvollen Tröpfchen, die sich in der Morgendämmerung auf deinen Pflanzen bilden, sind kein Tau
Die kleinen Tröpfchen, die sich in der Morgendämmerung auf den Blättern bilden, verbergen ein wenig bekanntes Naturphänomen namens Guttation – ein Vorgang, der zeigt, wie Pflanzen überschüssiges Wasser regulieren.

Wenn Sie zu Hause Pflanzen haben, sind Ihnen wahrscheinlich schon einmal in den frühen Morgenstunden kleine Wassertropfen an den Blattspitzen aufgefallen. Meistens denkt man zunächst, es handele sich um Tau, vor allem wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist.
In vielen Fällen stammt dieses Wasser jedoch nicht aus der Umgebung, sondern aus der Pflanze selbst. Dieses Phänomen wird als Guttation bezeichnet und zählt zu den faszinierendsten Besonderheiten der Pflanzenwelt.
Was versteht man unter dem Phänomen der Guttation?
Guttation ist ein natürlicher Mechanismus, durch den Pflanzen überschüssiges Wasser, das sich in ihrem Inneren angesammelt hat, wieder abgeben. Im Gegensatz zu Tau, der durch die Kondensation von Luftfeuchtigkeit auf kalten Oberflächen entsteht, stammt das Wasser bei der Guttation direkt aus dem Inneren der Pflanze.
Mit anderen Worten: Die Tröpfchen entstehen nicht von außen, sondern werden vom Blatt selbst „abgesondert“.
Dieser Vorgang findet dank spezieller Strukturen statt, die als Hydathoden bezeichnet werden – winzige Poren, die sich in der Regel an den Rändern oder an den Spitzen der Blätter befinden.
Wenn die Pflanze mehr Wasser aufnimmt, als sie durch Transpiration verdunsten kann, baut sich ein innerer Druck auf, und ein Teil dieser Flüssigkeit wird über diese Kanäle abgegeben.
Warum tritt Guttation auf?
Guttation tritt in der Regel nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, wenn die Transpiration der Pflanzen nachlässt. Tagsüber geben Pflanzen Wasser hauptsächlich durch Verdunstung über die Spaltöffnungen ab, winzige Poren an den Blättern. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen ist diese Verdunstung jedoch stark eingeschränkt.
Ist das Substrat zu diesem Zeitpunkt sehr feucht und nehmen die Wurzeln weiterhin Wasser auf, steigt der Innendruck an. Da die Pflanze diesen Feuchtigkeitsüberschuss ausgleichen muss, scheidet sie kleine Tröpfchen über die Hydathoden aus, weshalb Guttation so häufig in den frühen Morgenstunden zu beobachten ist.
Die Tröpfchen sind in der Regel durchsichtig und klein, können jedoch beim Trocknen aufgrund der im Wasser gelösten Mineralsalze manchmal weißliche Rückstände hinterlassen.
Guttation und Tau: Wie man den Unterschied erkennt
Auch wenn sie auf den ersten Blick identisch erscheinen mögen, gibt es doch deutliche Unterschiede zwischen Guttation und Tau. Der Hauptunterschied liegt in der Herkunft des Wassers. Tau entsteht, wenn Wasserdampf in der Luft an kalten Oberflächen kondensiert, so wie es in einer feuchten Nacht an einem Fenster geschieht. In diesem Fall können Tröpfchen überall auf dem Blatt und auch auf anderen Gegenständen in der Umgebung auftreten.
Guttation hingegen tritt normalerweise an den Blattspitzen und -rändern auf, genau dort, wo sich die Hydathoden befinden. Außerdem sind die Tröpfchen in der Regel dichter und klebriger, da sie Mineralien und andere Stoffe aus dem Saft enthalten.
Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht darin, wann sie auftritt. Tau hängt hauptsächlich von den atmosphärischen Bedingungen ab, während die Guttation mit der inneren Aktivität der Pflanze und dem Feuchtigkeitsgehalt des Substrats zusammenhängt.
Die Pflanzen, bei denen dies am deutlichsten zu erkennen ist
Obwohl Guttation bei vielen Arten auftreten kann, gibt es einige Zimmerpflanzen, bei denen sie besonders gut zu erkennen ist. Zwei der bekanntesten sind Pothos und Alocasien.
Pothos
Der Pothos ist aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit und Pflegeleichtigkeit eine der beliebtesten Pflanzen in Wohnungen und Büros. Oft bilden sich an den Blattspitzen kleine Tröpfchen, wenn die Pflanze reichlich gegossen wurde oder die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Viele Menschen glauben sogar, die Pflanze würde „weinen“.

Alocasien
Auch diese sind für dieses Phänomen bekannt. Ihre großen Blätter begünstigen die sichtbare Ansammlung von Wassertropfen, insbesondere in warmer und feuchter Umgebung.
Auch andere tropische Pflanzen, wie Monsteras, Philodendren und einige Gräser, können regelmäßig Guttation zeigen.
Ist das schlecht für die Pflanze?
In den meisten Fällen ist die Guttation völlig normal und stellt kein Problem dar. Vielmehr ist sie ein Zeichen dafür, dass die Pflanze aktiv Wasser aufnimmt und ihren inneren Wasserhaushalt reguliert.
Wenn das Substrat dauerhaft durchnässt bleibt, kann es zu Sauerstoffmangel in den Wurzeln kommen und das Risiko von Fäulnis steigt.
Aus diesem Grund sollte man sich zwar keine Sorgen machen, wenn man Tröpfchen auf den Blättern sieht, doch ist es ratsam, die Bewässerungshäufigkeit zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Pflanze über eine ausreichende Drainage verfügt. Wie bei vielen Naturphänomenen liegt der Schlüssel im Gleichgewicht.
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