Erst 30 Grad, dann Kaltluft aus dem Norden! Wetterforscher „Mitte Oktober fängt das Hoch an zu wackeln“
Hochsommer zum Monatswechsel, doch in den Wettermodellen braut sich etwas zusammen. Kippt Mitte Oktober die Wetterlage? Die Signale werden deutlicher, aber eine Frage ist noch völlig offen.

Was für ein verrückter Start in den Oktober! Zum Monatswechsel klettern die Temperaturen im Südwesten Deutschlands örtlich noch einmal auf bis zu 30 Grad, am 1. Oktober sind regional immer noch 27 bis 28 Grad drin. Freibadwetter im Herbst, während die Blätter schon bunt werden. Dahinter steckt ein gewaltiges Blockadehoch, das sich über Mittel- und Nordeuropa festgesetzt hat.
Dieses Hoch ist so stark, dass es die Tiefdruckgebiete vom Atlantik einfach nach Norden umleitet. Regen? Fehlanzeige. Doch genau hier beginnt die spannende Geschichte. „Das Hoch hat seinen Höhepunkt überschritten“, sagt ein Wetterexperte. In den Wettermodellen tauchen erste Hinweise auf einen Umbau der Großwetterlage auf.
Wettermodelle sehen Signal für Umschwung ab dem 10. Oktober
Bis etwa zum 10. Oktober dürfte das Hoch das Wetter noch weitgehend bestimmen. Schon ab Anfang Oktober wird es aber schwächer: Von Westen ziehen einzelne Schauer und Gewitter heran, die Höchstwerte gehen auf 18 bis 24 Grad zurück. Immer noch zu warm für die Jahreszeit, aber der Hochsommer-Spuk ist dann vorbei.

Danach wird es richtig interessant. Ein Teil der Rechenläufe lässt den Luftdruck über Skandinavien kräftig fallen. Von dort könnte ein Höhentrog nach Süden ausgreifen und deutlich kühlere Luft aus dem Norden nach Deutschland lenken. Ein anderer Teil hält das Hoch dagegen hartnäckig über Mitteleuropa. Die Entscheidung fällt vermutlich erst in den nächsten Tagen.
Polarwirbel erwacht: Welche Rolle er jetzt spielt
In diesem Zusammenhang fällt immer wieder das Stichwort Polarwirbel. Der baut sich im Herbst über der Arktis gerade wieder auf, das ist ein ganz normaler Vorgang. Verschiebt sich sein Schwerpunkt Richtung Nordskandinavien und Nordrussland, rückt ein großes Kaltluftreservoir näher an Mitteleuropa heran.
Allein verantwortlich für einen Wetterumschwung wäre er aber nicht. Viel entscheidender ist, wann das Blockadehoch zerfällt und wie sich die Tiefs über dem Atlantik entwickeln. Solche Hochs sind oft zäher, als die Modelle es rechnen. Der Zeitpunkt kann sich durchaus noch um mehrere Tage oder sogar eine Woche verschieben.
Bis zu 15 Grad kälter: So könnte der Temperatursturz ablaufen
Sollte die Kaltluft tatsächlich kommen, kann es sehr schnell gehen. Zieht eine Kaltfront durch, dreht der Wind auf Nord bis Nordwest. Statt warmer Luft aus Südeuropa strömt dann frische Meeresluft aus dem Nordmeer ein, dazu kommen Wolken und Regen. Aus 24 Grad können so innerhalb weniger Tage nur noch 10 bis 12 Grad werden.
Das klingt nach einem Absturz, wäre aber im Grunde nur die Rückkehr zur Normalität. Mitte Oktober liegen die üblichen Höchstwerte bei rund 13 bis 15 Grad. Nach dem Rekordsommer und dem warmen September würde es sich trotzdem wie ein kleiner Kälteschock anfühlen. Und mit der Umstellung könnten auch erste Herbststürme kommen, vor allem an der Nordsee, im Nordwesten und auf den Bergen.
Achtung im Wald: Warum schon Sturmböen gefährlich werden
Besonders heikel: Die meisten Bäume tragen im Oktober noch ihr volles Laub. Dadurch bieten sie dem Wind eine riesige Angriffsfläche. Hinzu kommt der extrem trockene Sommer, der viele Bäume geschwächt hat. Schon kräftige Böen könnten dann Äste abbrechen lassen oder ganze Bäume umwerfen.
Wer in den kommenden Wochen bei windigem Wetter im Wald oder im Park unterwegs ist, sollte deshalb vorsichtig sein. Konkrete Sturmlagen sind in den Modellen derzeit allerdings noch nicht zu erkennen. Ob und wann es stürmisch wird, hängt komplett davon ab, wie sich die Großwetterlage Mitte Oktober sortiert.
Erste Schneeflocken oder goldener Oktober: Noch ist alles drin
Kommt der Kaltluftvorstoß, sind auf den höchsten Gipfeln der Mittelgebirge ab etwa 1000 Metern erste Flocken oder Graupel möglich, etwa auf Feldberg, Fichtelberg, Brocken oder dem Großen Arber. Eine Schneedecke wird es aber nicht geben, eher einen kurzen weißen Hauch. In den Alpen wäre Neuschnee deutlich wahrscheinlicher, im Flachland ist Schnee überhaupt kein Thema.
Genauso gut möglich ist aber das Gegenteil: Hält sich das Hoch, bekommen wir einen langen, sonnigen goldenen Oktober. Die Langfristmodelle rechnen den Monat insgesamt ohnehin zu warm und eher zu trocken. Unser Rat: Genießen Sie die warmen Tage, und behalten Sie die Prognosen im Auge. Die nächsten Tage werden zeigen, wohin die Reise geht.