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Die Gewitter von Catatumbo in Venezuela

Nahe der Mündung des Flusses Catatumbo in den See Maracaibo (Venezuela), kann ein stürmisches Naturspektakel beobachten werden, das mehrere Tage lang den Himmel erhellt. Wir erklären Ihnen, was es mit den Catatumbo-Gewittern auf sich hat.

Jose Miguel Viñas Jose Miguel Viñas Daniela Aragón 15 Dez 2017 - 08:48 UTC
Catatumbo-Gewitter in Venezuela
Blitze des Catatumbo-Gewitters über dem Maracaibo-See. Quelle: Miguel 972.

Gelegentlich ist die elektrische Aktivität eines Gewitters andauernd, wobei fast kontinuierlich Blitze auftreten und sich der Nachthimmel erhellt. In Venezuela gibt es einen Ort, wo dies üblich ist und die Blitze nahezu permanent zu sehen sind. Das gewittrige Naturspektakel findet südlich und westlich des Maracaibo-Sees statt, über einem weitläufigen Sumpfgebiet, wo der venezolanische Fluss namens Catatumbo einmündet  

Catatumbo-Gewitter in Venezuela Karte
Lagekarte (links) und Foto des anhaltenden Catatumbo-Gewitters (rechts) in Zulia, Venezuela.

Die ersten Interpretationen über das Naturspektakel machten die Eingeborenenstämme der venezolanischen Region. Laut dem Stamm der Wari, handelt es sich um Millionen Leuchtkäfer, die sich jede Nacht vereinen, um die Götter zu ehren. Der spanische Dichter Lope de Vega erwähnte die Catatumbo-Gewitter in Venezuela in seinem epischen Gedicht „La Dragontea“, aus dem Jahr 1597. Die erste wissenschaftliche Erklärung verdanken wir dem Naturforscher Alexander von Humboldt, der das Naturspektakel als „elektrische Explosionen wie leuchtende Funken“ beschreibt. 

Dieses seltene Wetterphänomen trägt den Namen „Catatumbo-Gewitter“ und ereignet sich wahrscheinlich im gewittrigsten Gebiet der Welt. Nicht allein auf Grund der hohen Anzahl an jährlichen Gewittern (160), sondern auch wegen der 50 Blitze pro Minute, die sich durchschnittlich während des 7 bis 10 Stunden andauernden Naturspektakels ereignen. Der Himmel erhellt sich praktisch die ganze Nacht über, aber es sind noch weitere Folgen zu verzeichnen: Ozon wird in großen Mengen erzeugt. Die Catatumbo-Gewitter in Venezuela sind für 10% des weltweit generierten Ozons verantwortlich.

Catatumbo-Gewitter über dem Maracaibo in Venezuela
Spektakuläres Nachtfoto, auf dem der beleuchtete Maracaibo-See in Venezuela, während des Catatumbo-Gewitters, zu sehen ist.

Diese seltene elektrische Aktivität scheint einerseits auf einen lokalen orographischen Effekt zurückzuführen zu sein, der dafür verantwortlich ist, die feuchte Meeresluft zu kanalisieren und zu verdrängen (welche durch die Passatwinde den Maracaibo-See in Venezuela erreicht). Andererseits wird auch über die Auswirkungen des Methanprozesses spekuliert, welcher im Sumpfgebiet der Catatumbo-Gewitter beachtlich ist. Das Resultat ist ein erhellter Nachthimmel über einem weiten Gebiet, der aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen ist. Zu Zeiten der Segelschiffe orientierten sich die Seefahrer nachts auf dem Maracaibo-See an diesem Naturspektakel in Venezuela.   

In den vergangenen Jahren wurden längere Zeitspannen verzeichnet, in denen das Wetterphänomen praktisch inexistent war. Der Rückgang soll mit den wiederholten starken Dürren, die für die Austrocknung der Sümpfe verantwortlich sind, in Zusammenhang stehen. Auf diese Weise wird weniger Ozon in die Atmosphäre abgegeben, was durch den hohen Anteil des Catatumbo-Gewitters in Venezuela weltweite Auswirkungen hat.

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