Wo der Himmel geboren wurde: Dieses Naturschutzgebiet ist ein Stück vom Paradies

Tropenwälder, Korallenriffe und Maya-Ruinen: Im zweitgrößten Naturschutzgebiet Mexikos an der Ostküste von Yucatán sind neun verschiedene Ökosysteme vertreten - und eine außergewöhnliche Vielfalt an Fauna und Flora.

Sian Ka'an
Naturparadies: Das Biosphären-Reservat Sian Ka'an ist ein Refugium für Tiere und Pflanzen. Foto: Adobe Stock

Südlich von Tulum führt die Boca Paila Road in die Einsamkeit: nach Sian Ka’an, einem Schutzgebiet, in dem auf 5000 Quadratkilometern 2000 Menschen leben und das fast ein Drittel der Karbikküste Mexikos sowie das vorgelagerte Korallenriff umfasst.

Sian Ka’an ist das ökologische Gedächtnis der Ostküste Yucatáns und wichtigstes Küstenschutzgebiet Mexikos. 1986 erklärte die UNESCO es zum Biosphären-Reservat, ein Jahr später zum Weltnaturerbe.

Naturlandschaft im Urzustand

„Wo der Himmel geboren wurde“ bedeutet der Name in der Sprache der Maya. Wer wissen will, wie diese Landschaft geboren wurde – nämlich kaum berührt vom Menschen -, kann sie hier annähernd im Urzustand erleben: mit Mangrovenhainen, Savanne, tropischem Urwald und vor allem einer beispiellosen Vielfalt an Flora und Fauna.

Mehr als 330 Vogelarten sind im Reservat gezählt worden, über 100 Säugetierarten und die höchste Zahl an Krokodilen in ganz Mexiko. Wale, Delfine und Rundschwanzseekühe leben hier ebenso wie Affen, Jaguare, Pumas, Ozelote, der zentralamerikanische Tapir und Weißkopfseeadler.

In den Wipfeln eines kleinen Mangrovenwaldes in der Bahía de la Ascensión sind in der Hauptsache Boas heimisch. Zwei Arten von Meeresschildkröten haben im Reservat Brutstätten.

20 antike Stätten der Maya

Früher war die Gegend dichter besiedelt: Von rund 20 Maya-Stätten auf dem Areal sind bislang nur eine Handvoll ausgegraben. In einem Teil des Reservats dürfen sich heute nur Wissenschaftler bewegen. Die meisten Menschen leben in den Fischerdörfern Punta Allen und Punta Herrero.

In Punta Allen, am Ende einer spitzen Landzunge gelegen, wird Hummer gefischt. Das Dorf mit knapp 400 Einwohnern besitzt eine zarte touristische Infrastruktur mit Strand-Restaurants und einfachen Unterkünften, dazu puderzuckerweißen Sand und türkisfarbenes Meer, auf dem Boote schaukeln.

Fünf Straßen führen ins Biosphären-Reservat

In Sian Ka’an soll Tourismus überschaubar bleiben und das ökologische Gleichgewicht möglichst wenig belasten. Nur fünf Straßen, nicht sonderlich gut ausgebaut, führen ins Biosphären-Reservat; das wichtigste Tor zu ihm bildet Punta Allen.

Bei geführten Touren und Bootsausflügen wird darauf geachtet, dass Besucher nur umwelt- und korallenverträgliche Sonnencremes verwenden, nichts dalassen und nichts mitnehmen. Außer dem Land steht auch der der Küste vorgelagerte Teil unter Schutz - insgesamt 120.000 Hektar Meer mit Lagunen, Buchten und Riffen.

Zum maritimen Schutzgebiet gehört ein Teil des mesoamerikanischen Riffs, des zweitgrößten Korallenriffsystems der Welt nach dem Great Barrier Reef in Australien.

Die Nähe zu den touristischen Zentren Tulum und Cancun birgt die Gefahr von zu vielen Störungen dieses noch weitgehend intakten Naturraums. Dennoch bedeutet jeder Besucher, der den Staub der Schotterpisten zum Geburtsort des Himmels schluckt, auch Einkommen für die Bevölkerung.