Wo alles fließt: Diese Ortsnamen klingen nicht zufällig wie Mineralwasser
Die sprudelnden Quellen dieser Orte sind berühmt - so sehr, dass fast vergessen ist, dass sich hinter den Markennamen auch attraktive Ziele verbergen. Fünf Beispiele aus Deutschland, Italien und Frankreich.

Nicht nur im Dry January ist die Beschäftigung mit Wasser lohnend. Das Kurwesen gehört zu den traditionsreichsten Branchen des Tourismus in Europa. Manches Quellwasser legte sogar eine Weltkarriere hin.
Tanzendes Wasser: Selters, Taunus
Seinen Namen verdankt das berühmte Mineralwasser den Kelten: „Aqua saltare“ nannten sie die Gegend an der Lahn, wo „tanzendes“ Wasser aus der Erde sprudelte. Später verschliss sich der Name zu Selters. Im 19. Jahrhundert versiegte die antike Quelle, doch Bohrungen bei der Laneburg sorgten für Nachschub. „Auguste Victoria“ wurde die Mineralquelle nach der Kaiserin genannt.
Ihr Wasser wirkt positiv bei Kalzium- und Magnesium-Mangel und stabilisiert die Magensäure. Heute ist der Name „Selters“ Synonym für Wasser – und als solches bekannter als der 8000-Einwohner-Ort im Outdoor- und Wanderparadies Taunus.
Kurort einer Königin: San Pellegrino, Lombardei
Nördlich von Bergamo werden in San Pellegrino Terme gigantische Mengen des berühmten Wassers abgefüllt. Es sprudelt aus drei Quellen identischer Zusammensetzung. Der Glanz des Ortes begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem Besuch von Königin Margherita von Italien, Witwe des Königs Umberto I. Die Folge: ein blühender Badetourismus mitsamt Kurhaus und Grand Hotel.
Noch immer ist das lombardische Städtchen ein Kurort, denn seinem Wasser wird wohltuende Wirkung bei Erkrankungen von Magen, Darm, Nieren und Harnwegen zugeschrieben.
Welterbe: Vichy, Auvergne-Rhône-Alpes
Bis heute leidet der bedeutendste (und älteste) französische Kurort daran, nicht nur Synonym für ein berühmtes Wasser, sondern auch für den während des Zweiten Weltkriegs mit Nazi-Deutschland kollaborierenden französischen Reststaat zu sein.
Dabei besitzt die Stadt, in die schon Krimi-Autor Georges Simenon seinen Monsieur Maigret zur Kur schickte, wunderschön verspielte Jugendstil-Architektur und bezaubert durch nostalgischen Charme. Dazu nahm die UNESCO Vichy 2021 als eine der bedeutenden europäischen Kurstädte ins Welterbe auf - zusammen mit zehn weiteren Städten.

Vulkane, Wasser und Wald: Volvic, Auvergne
Aus dem Namen des 4800-Einwohner-Städtchens am Rand des Zentralmassivs entwickelte sich der Markenname des 1927 entdeckten Quellwassers. Weil sein Weg aus der Tiefe durch Lavaschichten führt, gilt es als besonders rein - auch wenn es zuletzt durch erhöhte Nitrat-Werte auffiel. Den umliegenden Regionalen Naturpark Volcans d'Auvergne prägen mehr als 80 erloschene Vulkane, Wasser und Wald.
Jugendstil am See: Evian-les-Bains, Frankreich
Der Überlieferung zufolge machte hier 1789 der nierenkranke Marquis de Lessert auf einer Wanderung Rast, löschte seinen Durst an der labenden Quelle und fand das Wasser so wohlschmeckend, dass er es fortan regelmäßig zu sich nahm. Nicht zu seinem Nachteil: Bald galt er als genesen.
In dem kleinen Ort am französischen Ufer des Genfer Sees wurde ab dem 19. Jahrhundert das Kurwesen gepflegt. 1878 wurde das Wasser aus Evian auf der Pariser Weltausstellung ausgezeichnet; von da an ging der Name um die Welt.
Den Quai Besson, die Uferstraße, säumen prachtvolle Belle-Epoque-Villen; in der Jugendstil-Trinkhalle trafen sich ab 1904 die Reichen und Schönen. Die neuen Thermen sind ganz Wasser und Wohlbefinden gewidmet.