Wenn noch im Schatten die Luft vor Hitze flimmert, verspricht diese Schlucht Kühlung
Zwischen Wäldern, Kiesbänken und türkisblauem Wasser führt diese Wanderung durch eines der ursprünglichsten Flusstäler Oberbayerns - mit Gelegenheit zum Plantschen und einem Aussichtspunkt mit Alpenpanorama.

Genug von der Hitze und überfüllten Badeseen? Es gibt Alternativen - vor allem, wenn die Natur mit Wäldern und tiefen Tälern wirksame Voraussetzungen für Abkühlung schafft. Zum Beispiel in Bayern. Hier windet sich die Ammer durch ein enges Tal, das selbst an heißen Sommertagen angenehm kühl bleibt.
Das wissen auch Andreas Keller, ehemaliger Bürgermeister von Rottenbuch, und Hans Bierling. Sie sorgen als ehrenamtliche Wegewarte dafür, dass Wanderer auf den Pfaden rund ums Ammerknie sicher unterwegs sind.
Ein Hauch von Pamukkale
Vom Parkplatz Schnalz führt der Weg steil ins Tal hinab. Noch bevor die Ammer erreicht ist, rauscht ein kleiner Bach über moosbewachsene Kalkterrassen.

Die grün schimmernden Sinterstufen erinnern an die berühmten Kalkbecken in Pamukkale im Westen der Türkei - nur deutlich kleiner, mitten im Wald und ohne die Überreste einer antiken Bäderstadt gleich nebenan.
Solche Terrassen entstehen, wenn kalkhaltiges Grundwasser mit der Luft reagiert und feine Kalkschichten auf Steinen und Pflanzen ablagert.
Kurz darauf spannt sich der hölzerne Kalkofensteg über die leuchtend türkisfarbene Ammer. Sein Name erinnert an die Zeit, als an den Hängen des Flusstals Kalk gewonnen und gebrannt wurde.
Beim Augusthochwasser 2005 wurde der Steg von den Fluten fortgerissen. Ungezählte Baumstämme schossen damals die Ammer hinab. Anschließend wurde die Brücke höher und sicherer neu errichtet.
Bergblick bis zur Zugspitze und ins Allgäu
Hinter dem Steg quert der Weg einen historischen Triftkanal. Durch ihn ließen sich früher eingeklemmte Baumstämme umgehen, die beim Holztransport auf der Ammer regelmäßig stecken blieben. Kurz darauf ragen mächtige Sandsteinfelsen empor. Sie stammen aus einer Zeit, als sich hier vor rund 30 Millionen Jahren ein Meer erstreckte.
Mit ausreichendem Lungenvolumen und trainierten Oberschenkeln erreichen Wanderer über zahlreiche Stufen den Schnalzgipfel. Auf 901 Metern Höhe öffnet sich der Blick über die Ammergauer Alpen bis zur Zugspitze, ins Allgäu und an klaren Tagen sogar Richtung Chiemgau.
Libellen und seltene Vogelarten
Das Tal gehört ganz dem Wasser und der Natur. Libellen schwirren über dem Fluss, auf den Kiesbänken finden seltene Vogelarten wie Flussuferläufer und Wasseramsel Brutplätze.

Am Schnalzwehr kann man die Füße ins kühle Wasser tauchen. Der Bau entstand in den 1960er-Jahren, nachdem ein Abrutschen der Abraumhalde des Peitinger Bergwerks eine Regulierung der Ammer erforderlich gemacht hatte.
Künftig soll dieser Abschnitt wieder naturnäher gestaltet werden.
Und so kommen Sie hin
Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz Schnalz in Peiting. Mit der Bahn erreicht man den Bahnhof Peiting Ost; von dort sind es knapp drei Kilometer zu Fuß bis zum Start der Tour.
Artikelreferenz
Johannes Welte. (2026). Ideales Ausflugsziel für Hitzetage: Versteckte Schlucht mit Badestellen und Bergpanorama.