Steinbutt und Stachelrochen: Diese blaue Bucht bietet Pinienduft und kulinarisches Glück

Einst pflegte der Adel der österreichisch-ungarischen Monarchie im milden Mikroklima dieser kroatischen Insel winters seine Bronchien. Heute wird sie vor allem in der warmen Jahreszeit besucht - auch wegen ihrer Gastronomie.

Schöne Aussichten: Lošinj liegt in der blauen Kvarner Bucht. Foto: Adobe Stock
Schöne Aussichten: Lošinj liegt in der blauen Kvarner Bucht. Foto: Adobe Stock

Wie ein schmaler Fjord ragt das in tiefem Türkis leuchtende Meer der Čikat-Bucht ins Land. Eine Promenade säumt das Ufer, hinter ihr liegt duftender Pinienwald. Ein zwanzigminütiger Spaziergang führt ins Städtchen Mali Lošinj mit seinem hübschen Hafen.

Ein Museum für eine 2000 Jahre alte Statue

Hier befindet sich das außergewöhnliche Museum des Apoxyómenos mit der 2000 Jahre alten lebensgroßen Bronzestatue eines Athleten, die im April 1996 von einem belgischen Tauchurlauber vor der Küste gefunden wurde.

Die Begeisterung des österreichischen Internisten Leopold Schrötter von Kristelli über das Mikroklima führte 1886 zur Gründung eines Tourismusverbandes und 1892 zum Ritterschlag der Orte Veli und Mali Lošinj: Sie wurden zu Klima- und Luftkurorten. Daraufhin begann ein zarter Bau-Boom in der Bucht von Ҫikat, wo der Adel um die besten Bauplätze für seine feudalen Ferienhäuser konkurrierte.

2500 Sonnenstunden für 1200 Pflanzenarten

Bald erschien der erste Reiseführer, und der Botaniker Ambroz Haračič initiierte die Aufforstung der Küste mit Aleppo-Pinien. 1200 Pflanzenarten kommen auf der Insel vor, darunter 230 Kräuter. Der Reichtum verdankt sich der geschützten Lage, ganzjährig mildem Klima und 2500 Sonnenstunden im Jahr.

Doch die Kvarner Bucht besitzt noch mehr Vorzüge: Insbesondere die hervorragenden Produkte, die sich in den Küchen der Restaurants in exquisite Gerichte und Menüs verwandeln, machen die Gegend zu einem Ziel, das die Herzen von Gourmets schneller schlagen lässt. Die EU erklärte die Bucht aufgrund ihrer kulinarischen Kultur zur europäischen Gastronomie-Region des Jahres 2026.

Scampi, Schafskäse und Mandelkuchen

Denn nicht nur die zarten Scampi aus den hiesigen Gewässern gelten als die besten der Adria. Auch wegen Spezialitäten wie dem Schafskäse von der Insel Krk, dem Mandelkuchen aus Rab, Wild und Waldfrüchten aus den Bergen der Region und nicht zuletzt der hervorragenden Weine sucht man sich zum Abnehmen besser ein anderes Ziel.

Einer der Küchenchefs, die mit ihrer Arbeit nicht unbeteiligt an der Auszeichnung als Gastronomie-Region sind, ist der 1995 geborene Österreicher Michael Gollenz. Der junge Spitzenkoch war schnell überzeugt, als er sich erstmals auf der Insel umsah:

„Als mir die Produzenten aus der Umgebung Würste, Käse und Olivenöl präsentierten, war ich völlig geflasht. Spätestens, als der Fischer mit Langusten, Hummer und Fisch kam, ging mir das Herz auf."

Er entschied sich, die Küche des Restaurants „Alfred Keller" auf Lošinj zu übernehmen, und erhielt wenige Monate nach Antritt seines Jobs 2021 einen Michelin-Stern, der ihn seither begleitet. Morgens schickt der Fischer seines Vertrauens ihm Fotos vom Fang, mal sind es fünfzehn Stachelrochen, mal Seezungen oder Steinbutt. Die Begeisterung ist geblieben: „Der Fang ist nicht immer gleich, aber er ist immer unglaublich frisch."