Ein rachsüchtiger Flötenspieler machte die Perle Niedersachsens berühmt und berüchtigt

Fachwerkhäuser, Weserrenaissance-Fassaden und eine der berühmtesten Sagen Deutschlands: Diese Stadt im Weserbergland verbindet ihre historische Kulisse mit einer schaurigen Geschichte, die bis heute das Stadtbild prägt.

Fachwerk auf niedersächsisch: Auch für ihre Fassaden ist die Stadt berühmt. Foto: Pixabay
Fachwerk auf niedersächsisch: Auch für ihre Fassaden ist die Stadt berühmt. Foto: Pixabay

Weserrenaissance-Fassaden und Fachwerkhäuser zählen zu den Trümpfen der 58.000-Einwohner-Stadt, berühmt aber ist sie wegen einer schaurigen Legende aus dem Mittelalter: Am 26. Juni 1284 versschwanden 130 Kinder aus Hameln.

Die Brüder Grimm machten die Geschichte berühmt

Vorausgegangen war ein Streit: Ein Flötenspieler hatte die Stadt von einer Rattenplage befreit, war dafür aber nicht wie vereinbart entlohnt worden. Aus Rache soll er die Kinder mit seiner Musik aus Hameln geführt haben.

Die Brüder Grimm nahmen die Geschichte in ihre Sammlung deutscher Sagen auf und machten sie international bekannt.

Sie sind überall: Erinnerung an die Rattenplage des 13. Jahrhunderts. Foto: Pixabay
Sie sind überall: Erinnerung an die Rattenplage des 13. Jahrhunderts. Foto: Pixabay

Was dran ist an der Geschichte des von den Bürgern um seinen Lohn betrogenen Rattenfängers, der nach den Ratten auch (fast) alle Kinder aus der Stadt und ins Verderben gelockt haben soll, ist nicht geklärt; wohl aber ist es Hameln gelungen, die unglückliche Episode in ein lukratives Geschäft zu verwandeln.

Stadtführer im Rattenfänger-Kostüm

Und so treten hier auch Stadtführer im Kostüm des Rattenfängers auf, und auf dem Boden weisen Darstellungen von Ratten den Weg zu den schönsten Bauten und dem Münster der Stadt mit seiner romanischen Krypta.

Harmlos genug sieht er aus: Der Rattenfänger steht heute fest auf einem Brunnen. Foto: Pixabay
Harmlos genug sieht er aus: Der Rattenfänger steht heute fest auf einem Brunnen. Foto: Pixabay

Besonders eindrucksvoll ist das Hochzeitshaus an der Osterstraße, ein Renaissancebau aus dem frühen 17. Jahrhundert. Dort erinnert ein Figurenspiel an die Rattenfängersage. Mehrmals täglich öffnen sich die Bronzetüren und setzen die Geschichte musikalisch in Szene.

Vor dem Gebäude steht außerdem der Rattenfängerbrunnen, der zu den bekanntesten Fotomotiven der Stadt zählt.

Architektonisch gehört das Stiftsherrenhaus zu den Höhepunkten Hamelns. Der reich verzierte Bau gilt als bedeutendes Beispiel der Weserrenaissance und beherbergt heute unter anderem ein Museum und eine Konditorei.

Weiter Ausblick ins Weserbergland

Nur wenige Schritte entfernt steht die Marktkirche St. Nicolai, die zweitälteste Kirche der Stadt. Von ihrem Turm eröffnet sich ein weiter Blick über die Dächer der historischen Altstadt und das Weserbergland.

Das Rattenfängerhaus in der Osterstraße stammt aus den Jahren 1602/03 und besitzt noch seine historische Fassade. Eine Inschrift an einem Holzbalken erinnert an den sagenhaften Auszug der Hamelner Kinder.

Heute befindet sich hier ein modernes Restaurant. Wer rustikal einkehren möchte, findet im „Rattenkrug“ an der Bäckerstraße das älteste Gasthaus Hamelns.

So kommen Sie in die Stadt des Rattenfängers

Von Bremen ist Hameln mit der Bahn in rund zwei Stunden erreichbar, allerdings müssen Sie einen Umstieg in Hannover einplanen.

Von Hannover fährt die S5 in etwa 45 Minuten direkt nach Hameln. Mit dem Auto sind es von der niedersächsischen Landeshauptstadt aus rund 55 Kilometer.