Gestern: Unwetter schwächer als simuliert! Wird es jetzt erst richtig ungemütlich – sind Wettermodelle noch glaubwürdig?
Die Kaltfront von Tief Zuri sollte kräftige Gewitter und Regenmengen bis in den Unwetterbereich bringen. Vielerorts blieb es um einiges ruhiger als berechnet. War das ein 'Komplettversagen' der Wettermodelle – oder zeigt sich hier, wie schwierig Gewitterprognosen tatsächlich sind?

Die Wetterkarten hatten eine brisante Mischung gezeigt: Eine Kaltfront traf auf warme und feuchte Luft, zugleich herrschten in höheren Luftschichten günstige Bedingungen für organisierte Gewitter. Einzelne Berechnungen deuteten Regenmengen bis in den Unwetterbereich, Hagel und Sturmböen an. Tatsächlich verlief die Lage in vielen Regionen deutlich glimpflicher.
Vollständig ausgeblieben ist der Starkregen allerdings nicht. Am bayerischen Alpenrand kamen beachtliche Mengen zusammen. In Lenggries-Sylvenstein fielen innerhalb von 24 Stunden 47,1 Liter pro Quadratmeter. Aschau-Stein meldete 46,2 Liter und Traunreut-Stein 43,3 Liter.
Noch eindrucksvoller war die kurzfristige Intensität: In Traunreut gingen 20,4 Liter innerhalb von nur 60 Minuten nieder. Damit wurde dort die Schwelle für markanten Starkregen überschritten. Auch Friedrichsruhe-Goldenbow in Mecklenburg-Vorpommern und Lichtentanne in Sachsen registrierten mit 18,5 beziehungsweise 18 Litern kräftige Stundensummen.
Während es hier schüttete, blieb es dort trocken
Von einer flächendeckenden Gewitterlage konnte dennoch keine Rede sein. Deutschlandweit kamen im Mittel lediglich 4,3 Liter pro Quadratmeter zusammen. Das Saarland blieb im Flächenmittel sogar vollständig trocken, Rheinland-Pfalz erreichte nur 0,3 Liter. Bayern verzeichnete 7,5 Liter, wobei sich die höchsten Werte deutlich am Alpenrand bündelten.
Die Niederschlagskarte zeigt deshalb zwei völlig unterschiedliche Wetterwelten: Während es zwischen Allgäu, Werdenfelser Land und Berchtesgadener Land zeitweise kräftig schüttete, blieb es in weiten Teilen des Westens nahezu trocken. Auch außerhalb Bayerns traten stärkere Regengüsse nur sehr kleinräumig auf.
Haben sich die Wettermodelle geirrt?
Die Modelle hatten die grundsätzliche Gefahr richtig erkannt. Warme und feuchte Luft, eine heranziehende Kaltfront sowie deutliche Windänderungen mit der Höhe boten die Zutaten für kräftige Gewitter. Berechnet wurde allerdings auch eine heftigere Variante, die sich letztlich nicht großräumig durchsetzen konnte.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Prognose falsch war. Ein Wettermodell kann zeigen, dass in einer Region Starkregen möglich ist. Es kann aber selbst wenige Stunden vorher nicht zuverlässig bestimmen, über welchem Ort sich eine Gewitterzelle bildet und welche Zugbahn sie anschließend nimmt. Dafür sind solche Systeme zu kleinräumig und zu kurzlebig.
Außerdem reagiert die Atmosphäre empfindlich auf geringe Veränderungen:
- Bleibt die Wolkendecke länger geschlossen, erwärmt sich die Luft am Boden weniger stark. Damit steht den Gewittern weniger Energie zur Verfügung.
- Auch etwas trockenere Luft, eine geringfügig andere Frontgeschwindigkeit oder ein späterer Beginn der Entwicklung können darüber entscheiden, ob einzelne Zellen kräftig wachsen oder rasch wieder zusammenfallen.
Und jetzt: Wird es nun so richtig ungemütlich?
Zunächst bleibt es vergleichsweise ruhig. Heute zeigt sich zwischendurch die Sonne, während der Regen am Alpenrand nachlässt. Später ziehen im Nordwesten neue Regenwolken auf. An der Nordsee wird der Südwestwind stürmisch. Die Temperaturen erreichen 17 bis 24 Grad.
Am Freitag wechseln sich kurze Schauer mit längeren trockenen Abschnitten ab. Richtung Alpen und Oberrhein stehen die Chancen auf freundliches Wetter besonders gut. Mit 17 bis 23 Grad bleibt es mäßig warm.
Samstag mild, Sonntag folgt die Kaltfront
Vor dem Wetterwechsel strömt am Samstag noch einmal mildere Luft nach Deutschland. Im Süden und in der Mitte sind nach örtlichem Frühnebel bis zu 26 Grad möglich. Rund um die Nordsee verdichten sich dagegen bereits die Wolken, der Wind legt zu.
Am Sonntag erreicht eine weutere Kaltfront zunächst den Norden und zieht anschließend weiter landeinwärts. Sie bringt verbreitet Wolken und Regen, örtlich auch Gewitter. An den Küsten und auf Gipfellagen sind Sturmböen möglich.

Dahinter rauscht die Temperatur ab
Am Samstag werden in rund 1500 Metern Höhe noch etwa 10 Grad gemessen. Bis Montag sinkt die Temperatur dort auf ungefähr 3 Grad. Damit wird die milde Luft durch deutlich kühlere Meeresluft ersetzt.
Auch am Boden wird der Wechsel spürbar: Nach örtlich 26 Grad am Samstag startet die neue Woche wesentlich herbstlicher. Schauer und kräftiger Nordwestwind verstärken den kühlen Eindruck. Der Wettersturz kommt also nicht sofort, sondern beginnt im Laufe des Sonntags.