Zwischen Rekordhitze und Sturmflut: Was der ExtremWetterKongress 2025 in Hamburg den Deutschen ins Stammbuch schreibt

Der Klimawandel ist keine ferne Bedrohung mehr – er ist messbare Realität. Und sie schreitet schneller voran, als viele bislang wahrhaben wollten. Vom 24. bis 26. September 2025 versammeln sich in der Hamburger HafenCity rund 700 Fachleute aus Meteorologie, Stadtplanung, Wissenschaft, Medien und Politik zum 15. ExtremWetterKongress (EWK).

ExtremWetterKongress 2025 zeigt: Die Zeit zum Handeln läuft uns in Deutschland davon
ExtremWetterKongress 2025 zeigt: Die Zeit zum Handeln läuft uns in Deutschland davon

Das Programm – getragen von Organisationen wie dem Deutschen Wetterdienst (DWD), dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) und weiteren führenden Institutionen – liest sich wie ein Weckruf an die Gesellschaft:

Die Klimakrise eskaliert, die Extremwetterrisiken in Deutschland nehmen spürbar zu, und das Zeitfenster für wirksames Handeln schließt sich rasch.

Wärmer, trockener, gefährlicher: Deutschlands Klima im Wandel

Die neue Ausgabe des vom DWD jährlich veröffentlichten Extremwetter-Faktenpapiers trägt den prägnanten Titel: „Was wir 2025 über das Extremwetter in Deutschland wissen“. Es dokumentiert nicht nur eine besorgniserregende Beschleunigung des Temperaturanstiegs – sondern zeigt, dass dieser Wandel in deutschen Städten längst gravierende Auswirkungen entfaltet.

Laut Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt beim DWD, war jedes Jahrzehnt seit 1960 wärmer als das vorangegangene.

"Der Sommer 2025 hat Europa erneut gezeigt: Der Klimawandel ist kein fernes Szenario mehr, sondern unsere neue Realität – mit Hitzerekorden, Extremregen und Ernteverlusten zugleich"

Dominik Jung, Diplom-Meteorologe und Klimaexperte gegenüber METEORED

Während die durchschnittliche Erwärmung zwischen 1881 und 2024 bei 0,13 Grad pro Dekade lag, stieg sie seit 1971 bereits auf 0,41 Grad. „Wir erleben eine beispiellose Häufung von Wärmerekorden“, so Fuchs. Die Folge: Hitzeperioden, Trockenphasen und Hitzestress nehmen zu – vor allem in urbanen Räumen.

Auch die Gletscher in den Alpen schmelzen weiter – und zwar schneller denn je. Der vergangene Winter war dort laut DWD ungewöhnlich mild und schneearm, mit bis zu 40 Prozent weniger Schneedeckentagen.

Die Gletscher, so Gudrun Mühlbacher vom Regionalen Klimabüro München, „verlieren unter diesen Bedingungen zunehmend ihre Resilienz.“

Arktis, Antarktis und Nordsee: Die globale Dimension der Krise

Besonders alarmierend sind die Veränderungen in den Polarregionen. Das arktische Meereis erreichte in diesem Jahr den niedrigsten Winterstand seit Beginn der Satellitenmessungen.

Auch das Eisvolumen schrumpft rapide – mit dramatischen Folgen für die weltweiten Wettersysteme. In der Antarktis zeichnet sich unterdessen ein ähnlich drastischer Wandel ab.

Dr. Marcel Nicolaus, Fahrtleiter der aktuellen AWI-Expedition mit der Polarstern, berichtet: „Wir hatten eine so geringe Meereiskonzentration nordöstlich von Grönland wie noch nie.“ Das Meereis, einst Garant für Stabilität in der Atmosphäre, wird zur Fehlstelle – mit weltweiten Rückkopplungseffekten.

"Wenn wir jetzt nicht handeln, werden Hitzewellen, Flutkatastrophen und Ernteausfälle zur neuen Normalität in Europa. Jeder Aufschub verschärft die Krise. Klimaschutz ist keine Option mehr, sondern unsere Pflicht – sofort und entschlossen"

Dominik Jung, Diplom-Meteorologe und Klimaexperte im Gespräch mit METEORED

Vor der eigenen Haustür zeigt sich der Wandel ebenfalls unübersehbar. Nord- und Ostsee erreichten 2025 Rekordtemperaturen, in Kiel dauerte eine marine Hitzewelle über 55 Tage.

Der Meeresspiegel in Cuxhaven ist seit 1900 um mehr als 25 Zentimeter gestiegen – und könnte sich bis 2100 um weitere 1,1 Meter erhöhen, falls die Emissionen nicht drastisch sinken.

Zwischen Mahnung und Motivation: Wie kommunizieren wir Klimawandel richtig?

Neben meteorologischen und wissenschaftlichen Debatten widmet sich der Kongress auch der Frage, wie Klimakommunikation gelingen kann.

Der Meteorologe Sven Plöger ruft zur aktiven Haltung auf: „Nicht aufgeben, bevor man richtig angefangen hat!“ Fatalismus sei fehl am Platz – vielmehr brauche es den „Sportsgeist“, Veränderungen als machbar zu begreifen.

Wissen muss Wirkung entfalten!

Die Kombination aus ExtremWetterKongress und KlimaManagementTagung verfolgt eine klare Mission: Vom Wissen zur Umsetzung. In über 40 Workshops werden Strategien entwickelt, wie Klimaanpassung in Stadtplanung, Infrastruktur und Bildung konkret umgesetzt werden kann. Denn, so der Tenor aller Beiträge: Der Wandel ist da – entscheidend ist jetzt, wie wir ihm begegnen.

Quellen

ExtremWetterKongress 2025 – boettcher.science: https://boettcher.science/presse

Kolumne Diplom-Meteorologe Dominik Jung: https://www.fr.de/autor/dominik-jung-zdt0yde2.html

Deutscher Wetterdienst (DWD), Faktenpapier 2025: „Was wir über das Extremwetter in Deutschland wissen“: https://www.dwd.de/DE/leistungen/faktenpapier_extremwetter/faktenpapiere.html

Umweltbundesamt – Veranstaltungshinweis EWK und KMT: https://www.umweltbundesamt.de/service/termine/extremwetterkongress-2025-ewk-klimamanagement

AWI – Alfred-Wegener-Institut, Stellungnahmen zur Meereisentwicklung 2025: https://www.awi.de/ueber-uns/organisation/stellungnahmen-des-awi.html