Wasservögel sterben durch extreme Witterung: Warum sie diesen Winter besonders leiden

In Berliner Gewässern werden vermehrt tote und geschwächte Wasservögel entdeckt. Anhaltender Frost, vereiste Gewässer und die Vogelgrippe machen den Tieren zu schaffen. Behörden warnen vor gut gemeinten, aber gefährlichen Rettungsaktionen.

Verendeter Schwan in Berliner Stadtgewässer. Bild: Leibniz-IZW/Jon A. Juarez
Verendeter Schwan in Berliner Stadtgewässer. Bild: Leibniz-IZW/Jon A. Juarez

Der Anblick toter Höckerschwäne oder regloser Kormorane auf vereisten Seen und Kanälen verunsichert derzeit viele. Meldungen über geschwächte oder verendete Wasservögel häufen sich, besonders an gefrorenen Gewässern und auf Eisflächen.

Funde vieler toter Vögel oder größerer Vögel sollten dem Veterinäramt oder Ordnungsamt gemeldet werden. Zusätzlich können auf Plattformen wie ornitho.de solche Funde online registriert werden.

Nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) handelt es sich dabei jedoch vielfach um eine Begleiterscheinung strenger Winter. Aus naturschutzfachlicher Sicht seien erhöhte Verluste unter Wasservögeln bei anhaltendem Frost kein ungewöhnliches Phänomen.

Winterstress für geschwächte Tiere

Langanhaltende Minusgrade, geschlossene Eisdecken und eine eingeschränkte Nahrungsverfügbarkeit setzen Wasservögeln erheblich zu. Besonders ältere, verletzte oder bereits geschwächte Tiere geraten schnell an ihre Grenzen. Nicht alle überstehen die extremen Umweltbedingungen.

Besonders kranke und geschwächte Tiere haben unter den winterlichen Bedingungen zu leiden. Hier verendete Schwäne. Bild: Leibniz-IZW/Jon A. Juarez
Besonders kranke und geschwächte Tiere haben unter den winterlichen Bedingungen zu leiden. Hier verendete Schwäne. Bild: Leibniz-IZW/Jon A. Juarez

Erschwerend kommt hinzu, dass Tiere in schlechter körperlicher Verfassung anfälliger für Krankheiten sind. In Berlin wurde bei mehreren Schwänen zuletzt Aviäre Influenza, umgangssprachlich Vogelgrippe, nachgewiesen. Die Infektion kann den geschwächten Zustand weiter verschärfen und tödlich verlaufen.

Wichtig: Gefahr für Helfende und Tiere

Aktuell sorgen vor allem Meldungen über scheinbar im Eis festgefrorene Höckerschwäne für Aufsehen. Fachleute sagen jedoch, dass Schwäne mit vereisten Flächen in der Regel gut umgehen können. Bei Kälte senken Wasservögel ihren Stoffwechsel und verharren oft bewegungslos, was fälschlich als Notlage interpretiert wird.

Ihr aufgeplustertes Gefieder bildet eine isolierende Luftschicht, zudem schützt ein öliges Sekret aus der Bürzeldrüse vor Nässe und Kälte. Nur unter extremen Bedingungen können kranke oder immobile Tiere tatsächlich im Eis festfrieren.

Da eigenständige Rettungsaktionen riskant sind, wird dringend von davon abgeraten: Eisflächen sind häufig instabil und stellen eine erhebliche Gefahr für Helfende dar. Selbst für Feuerwehr und Wasserpolizei ist der Einsatz unter solchen Bedingungen schwierig. Zudem bedeutet das Einfangen massiven Stress für die Tiere.

Die Feuerwehr ist aufgrund der aktuellen Wetterlage stark ausgelastet und kann sich nicht um möglicherweise festgefrorene Wasservögel kümmern. Zuständig sind die Behörden, die unter Schutzmaßnahmen handeln, sobald es die Lage erlaubt.

Vogelgrippe verstärkt die Verluste

In diesem Winter wurden in Berlin zahlreiche tote Wasservögel gefunden, bei denen ein Zusammenhang mit der Vogelgrippe besteht. Nach aktueller Datenlage wurde das Virus bei 41 verendeten Wildvögeln gesichert nachgewiesen, weitere Fälle werden noch untersucht. Auffällig ist die hohe Zahl infizierter Schwäne.

Wasservögel gelten als natürliche Wirte des Virus, Ausbrüche treten häufig in der kalten Jahreszeit auf. Deshalb sollten tote oder offensichtlich kranke Vögel auf keinen Fall angefasst werden; Hunde sollten in Gewässernähe angeleint werden.

Ans Veterinäramt melden – und nicht füttern

Funde toter Wasser-, Raben- oder Greifvögel sollten den zuständigen Veterinärämtern gemeldet werden. In öffentlichen Bereichen kann auch die Polizei informiert werden, die den Hinweis weiterleitet. Singvögel und Tauben gelten als kaum anfällig, sollten aber ebenfalls nicht berührt werden.

Zudem erinnern die Behörden daran, dass das Füttern jagdbarer Arten wie Schwänen, Gänsen oder Enten in Berlin verboten ist. Durch Ansammlungen bei Fütterung wird nämlich das Infektionsrisiko erheblich erhöht. Verantwortungsvolles Verhalten schützt letztlich Mensch und Tier.