Warum man bei Glatteis nicht mit Speisesalz streuen darf
Wer bei Glatteis zum Speisesalz aus der Küche greift, um Wege eisfrei zu machen, könnte eine böse Überraschung erleben.

Der Morgen ist still, die Straße glitzert, als hätte jemand Zucker darüber gestreut. Ein falscher Schritt, und man liegt. In solchen Momenten greifen viele reflexartig zu dem, was greifbar ist: Salz aus der Küche. Schließlich taut Salz Eis. Oder etwa nicht? Leider ist es nicht so einfach, wie es auf den ersten Blickm scheint. Denn das Hausmittel kann auf Gehwegen, Einfahrten und Treppen schnell zum Problem werden. Speisesalz zu streuen klingt zwar pragmatisch, ist aber meist weder sinnvoll noch erlaubt.
Warum Salz nicht gleich Salz ist
Chemisch betrachtet bestehen sowohl Speisesalz als auch Streusalz hauptsächlich aus Natriumchlorid. Genau diese Substanz senkt den Gefrierpunkt von Wasser und sorgt dafür, dass Eis schmilzt. Doch hier enden die Gemeinsamkeiten fast schon. Streusalz ist für den Wintereinsatz gemacht: grobkörniger, mit Zusatzstoffen versehen, damit es nicht verklumpt und sich gleichmäßig verteilen lässt. Speisesalz hingegen ist fein, rieselt schlecht und wird bei Nässe schnell weggespült. Das Ergebnis: viel Aufwand, wenig Effekt – und oft höhere Kosten. Denn auch das ist ein Punkt: Speisesalz ist deutlich teurer. Während Streusalz je nach Qualität zwischen 20 und 80 Cent pro Kilo kostet, liegt Speisesalz meist bei ein bis zwei Euro. Wer größere Flächen streuen will, zahlt schnell drauf.
Ausnahmen bestätigen die Regel - können aber teuer werden
Was außerdem beachtet werden sollte, ist die Tatsachen, dass in vielen Städten der Einsatz von Salz auf Gehwegen grundsätzlich verboten ist. Und zwar aus Umwelt- und Materialschutzgründen. Doch dieser Winter bringt Ausnahmen:
In Berlin ist Streusalz bis zum 14. Februar 2026 erlaubt, in Hamburg bis zum 13. Februar 2026. Grund dafür sind der anhaltende Frost und die hohe Glättegefahr. Allerdings darf bei dieser Ausnahmeregel nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich bei dem Einsatz um Streusalz handelt, nicht automatisch um Speisesalz. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert Bußgelder. Deshalb lohnt sich ein Blick in die kommunale Satzung. Denn erlaubt ist nur, was dort ausdrücklich gestattet wird.
Die unsichtbaren Schäden unter dem Eis
Abseits von Recht und Kosten gibt es noch einen entscheidenden Punkt, der gegen den übermäßigen Einsatz spricht: die Folgen für Umwelt und Infrastruktur. Salz greift Beton, Naturstein und Fugen an, beschleunigt Rost an Autos und schadet Pflanzen. Über Schmelzwasser gelangt es in Böden und letztlich ins Grundwasser. Bäume, Sträucher und Grünflächen reagieren empfindlich auf die hohe Salzbelastung. Was im Winter für Sicherheit sorgen soll, hinterlässt im Frühjahr oft kahle Stellen, verbrannte Ränder und geschädigte Wurzeln.