Studienergebnisse überraschen: Eisbären auf Spitzbergen nehmen zu

Neue Studien zeigen: Manche Eisbären werden trotz schwindenden Meereises wieder kräftiger. Doch Experten warnen: Der vermeintliche Vorteil ist regional und kein Zeichen für ein gesichertes Überleben.

Gute Nachricht aus Spitzbergen (Foto: Adobe Stock)

In der endlosen Weite der Arktis, wo Himmel und Eis oft zu einem einzigen Weiß verschmelzen, scheint eine alte Gewissheit ins Wanken zu geraten: Die Eisbären, die als Sinnbild für den Klimawandels stehen, könnten sich in Teilen der Arktis vorübergehend an veränderte Bedingungen anpassen und sogar davon profitieren. Doch Forscher warnen: Diese scheinbar positiven Signale sind kein Freibrief für das Überleben der Art.

Die Eisbären haben wieder mehr Fettreserven

In der Region um die norwegische Inselgruppe Svalbard (Spitzbergen) haben Wissenschaftsteams unter Leitung des Norwegischen Polar-Instituts über Jahrzehnte Daten gesammelt. Entgegen früherer Erwartungen stellten sie fest, dass sich der körperliche Zustand vieler erwachsener Eisbären dort verbessert hat, obwohl das Meereis deutlich zurückgeht – durchschnittlich um rund 100 zusätzliche eisfreie Tage in den letzten Jahrzehnten. Die Tiere tragen nachweislich mehr Fettreserven und wirken körperlich robuster als früher.

Veränderte Nahrungsmöglichkeiten

Wie ist das möglich? Dafür haben Forscher mehrere Gründe aufgelistet. Erst einmal dürften die Eisbären an Land neue Nahrungsquellen haben. Denn mit dem Rückgang der industriellen Nutzung einiger Beutetiere wie Rentiere und Walrosse haben diese Bestände sich erholt – und bieten den Bären zusätzliche Nahrung. Außerdem kann weniger Meereis dazu führen, dass Robben auf kleinere Gebiete gedrängt werden, was die Jagd für Eisbären kurzfristig effizienter machen kann.

In anderen Teilen leiden Eisbären weiterhin

Doch dieser Vorteil ist fragil und regional begrenzt. In anderen Teilen der Arktis, etwa in Kanada und Alaska, leiden Eisbären weiterhin unter dem schrumpfenden Eis: Dort verkürzen kürzere Jagdsaisons die Zeit, in der die Tiere ausreichend Robben erlegen und Fettreserven für die eisfreie Zeit aufbauen können. Das wirkt sich negativ auf Körpergewicht, Fortpflanzung und Überlebensraten aus. Zudem warnen Wissenschaftler, dass die jetzige Situation nicht bedeutet, dass Eisbären die globale Erwärmung "gemeistert" hätten. Wenn das Meereis weiter schrumpft, müssen die Tiere oft längere Distanzen schwimmen oder wandern, um zu Jagdgründen zu gelangen. Das kostet Energie und mindert die Chancen, genügend Nahrung zu finden.

Ihr Schicksal ist eng mit dem Schicksal der Pole verknüpft

Forschungsergebnisse wie diese zeigen eindrücklich, wie komplex der Einfluss des Klimawandels auf Ökosysteme ist: Nicht alle Trends verlaufen linear, und kurzfristige positive Veränderungen können gleichzeitig Teil eines größeren, gefährlichen Musters sein. Eisbären symbolisieren diese Ambivalenz besonders stark: Ein Tier, das zugleich resilient und verletzlich ist, dessen Schicksal eng mit dem Schicksal der Pole und letztlich unseres gesamten Klimas verknüpft bleibt.