Verheerende Gletscherschmelze in den Alpen
Ein erneut zu milder Winter mit geringen Niederschlägen und eine Folge von nie dagewesenen Hitzewellen im Juni und Juli waren in diesem Jahr eine fatale Kombination für die Gletscher in den Alpenregionen der Schweiz in Österreichs.

Ein Beispiel ist der österreichische Dachsteingletscher. Dort ist die Situation besonders dramatisch, denn bereits am 29. Juni waren sämtliche Schneereserven des schneearmen Winters 2025/2026 aufgebraucht.
Ab diesem Zeitpunkt – und damit so früh wie noch nie – begann der verheerende Schmelzprozess des jahrhundertealten Eispanzers des Gletschers. Bis zum nächsten Wintereinbruch verliert er nun das so kostbare, kühlende Eisvolumen.
Selbst in den bereits zu warmen letzten Jahren begann der Schmelzprozess erst viele Wochen später im August.
Bekannte Auswirkungen der Erderwärmung
Die Auswirkungen der menschengemachten Klimaerwärmung auf die Gletscher sind zwar seit Jahrzehnten bekannt. Dennoch hat die Entwicklung der vergangenen Jahre die Prognosen und die Vorstellung vieler Forschender gesprengt.
Die österreichische Tageszeitung DER STANDARD berichtete in einer ausführlichen Recherche zum Thema Gletscherschmelze.
Der Meteorologe und Glaziologe Klaus Reingruber forscht seit 20 Jahren am Dachstein.
sagte Reingruber in einem STANDARD -Interview.
Steinschlag und fehlendes Wasser
Der dramatische Gletscherschwund bringt viele negative Folgen mit sich. So werden durch den auftauenden Boden, aber auch durch das fehlende Gewicht des Eises, der Untergrund und sogar ganze Bergflanken instabil.
Bergstürze, vermehrter Steinschlag, aber auch Muren und Sturzfluten sind schon jetzt direkte und sichtbare Folgen. Ausgewisene Wanderrouten können nicht mehr genutzt oder nur unter enormem Aufwand instandgehalten werden.
Auch für den Wasserhaushalt sind die Gletscher relevant. So geben sie im Sommer Schmelzwasser ab, also genau dann, wenn es am meisten gebraucht wird.
so der Gletscherforscher Reingruber im STANDARD.
An heißen Tagen im Juli oder August könne das Eis des Gletschers um zehn Zentimeter pro Tag abschmelzen. Lägen auch nur zwei bis drei Tage Schnee, würde das Gletschereis geschützt und die Sonnenstrahlung durch die helle Oberfläche reflektiert. Der Unterschied auf das gesamte Jahr umgerechnet wäre beträchtlich.
Auch die Gletscher der Schweiz sind betroffen
Die schweizerischen Gletscher sind massiver und liegen teilweise mit über 4000 Metern deutlich höher als die österreichischen Gletscher. Dennoch haben sie mit denselben Problemen im Winter wie im Sommer zu kämpfen.
Das Schweizerische Gletschermessnetz GLAMOS (Glacier Monitoring in Switzerland) dokumentiert und beobachtet systematisch die langfristigen Gletscherveränderungen in den Schweizer Alpen. GLAMOS wird gemeinsam von der ETH Zürich sowie den Universitäten Freiburg und Zürich betrieben und steht in engem Kontakt mit der Schweizerischen Kommission für Kryosphärenbeobachtung (SKK).
Der Neuschnee des Winters 2025/2026 lag zwischen 50 und 75 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Der April 2026 war um 2,6 Grad C. gegenüber dem Mittel des Zeitraums 1991-2020. Im Juni traf die Schweiz die Hitzewelle. Die Folge: die heißeste 10-Tages-Periode seit Messbeginn.

Bis heute hält die Trockenheit in der gesamten Schweiz an. Die Regenmengen über 90 Tage gemessen liegen viele Orts nur bei 35-65 % der Norm.
GLAMOS berichtete, dass am 29. Juni 2026 die Winterreserve komplett aufgebraucht war. Ab diesem Tag schmilzt das gesamte Gletschereis der Schweiz!
Laut GLAMOS liegt das Jahr 2026 auf Rang wei der negativen Jahre im gesamten beobachteten Verlauf.
Gletscherzahlen
Das negativste Jahr seit Messbeginn war das Jahr 2022, in dem 6 % des Gletschereises verschwand. Der zweitstärkste Schwund folgt im Jahr 2023 mit 4% Verlust. 2024 betrug der Verlust laut GLAMOS 2,5%, trotz viel Schnee in der Höhe. 2025 stieg der Verlust wieder auf 3% an. Seit 2022 bis Ende 2025 gingen 15,5% des gesamten Gletschereises der Schweiz verloren.
Laut GLAMOS gibt es in der Schweiz noch 1400 Gletscher mit einer geschätzten Eismenge von 46,5 km3. Allerdings sind auch schon über 1.000 kleine Gletscher verschwunden.
Die Auswirkungen belegen auch die Zahlen, die der Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich in einem Bericht des Schweizer SRF präsentierte.
sagte Huss dem SRF
Da die Voraussetzungen des vergangenen Winters bereits sehr schlecht waren, sei es sehr beunruhigend, wie sich die Situation im heurigen Jahr noch entwickeln werde.
Klimaschutz und Kosten
Den Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und die Energieversorgung versuchen die Länder mit großen Investitionen zu begegnen. So wird in Zermatt die Schaffung eines 500 Millionen Euro teuren neuen Stausees diskutiert, um die Energieversorgung abzusichern, sowie um einen Puffer für extreme Niederschlagsereignisse zu bekommen.
Führende Gletscherforscher warnen davon, das abschmelzende „ewige“ Eis isoliert zu betrachten und den wohl unvermeidlichen Verlust einfach hinzunehmen - und Klimaschutzmaßnahmen zurückzufahren.
Die schrumpfenden Gletscher sind nur ein augenscheinliches Symptom als eine der Folgen der Klimaveränderungen. Sie betreffen die Gletscher in jeder Höhenlage.
Um das Abschmelzen des Eises zu verlangsamen, werden in den schweizerischen Alpen zunehmend Geotextilien eingesetzt. Sie werden über den Gletscher verteilt, reflektieren das Sonnenlicht und tragen dazu bei, den Schnee und das Eis darunter zu erhalten.
Wie bei vielen Symptomen darf die Welt nicht (nur) über kühlende „Schutzdecken“ nachdenken, mit denen man das ewige Eis schützt, sondern muss sich um die einzige Ursache kümmern, die auch für die Gletscherschmelze verantwortlich ist: die fossilen Treibhausgasemissionen, deren massive und schnelle Reduzierung die Erderwärmung und ihre Folgen zumindest mittel-und langfristig beenden kann.
Artikelreferenz
GLAMOS. Webseite der GLAMOS.
Swissinfo. (2025). Warum die Gletscherschmelze uns alle betrifft.