Niedrigwasser Rhein: Kaub nah am Rekordtief, Folgen für Heizöl

Der Rhein-Pegel Kaub nähert sich erneut dem Rekordtief von 2018, nachdem er im August bereits auf einen bislang nie gemessenen Tiefstand gefallen war. Was das für Heizöl- und Spritpreise vor der Heizsaison bedeutet und ob solche Ausschläge künftig häufiger werden.

Niedrigwasser am Rhein beim Ölhafen Karlsruhe. Foto: Jürgen Humbert
Niedrigwasser am Rhein beim Ölhafen Karlsruhe. Foto: Jürgen Humbert

Der Pegel Kaub am Mittelrhein lag am 12. September bei rund 22 cm, wie Daten von PEGELONLINE, dem Messnetz der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), zeigen.

Das liegt nur knapp über dem bislang gültigen, von der WSV nicht revidierten Rekordtief von 25 cm vom 22. Oktober 2018.

Mitte August war der Pegel auf rund 5 cm gefallen, deutlich unter den 2018er-Wert, aber ebenfalls nicht offiziell als neuer Rekord bestätigt.

Vom Tiefpunkt im August zur erneuten Annäherung

Nach dem Tiefstand Mitte August erholte sich der Pegel bis Ende des Monats kurzzeitig auf rund 65 bis 75 cm, nahe dem langjährigen mittleren Niedrigwasserstand (MNW).

Pegelstände der Station Kaub für das Jahr 2026 im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit Niedrigwasser. Abb.: Sabin Klein, Datenquelle: pegelonline
Pegelstände der Station Kaub für das Jahr 2026 im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit Niedrigwasser. Abb.: Sabin Klein, Datenquelle: pegelonline


Seit Anfang September fällt er erneut, wie auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in ihrem Niedrigwasserbericht vom 3. September dokumentiert.

Laut der 6-Wochen-Vorhersage der BfG dürfte der Pegel im Wochenmittel erst im Oktober wieder das Niveau des gleichwertigen Wasserstands (77 cm) erreichen.

Heizöl und Sprit: Warum niedriges Wasser die Preise treibt

Mineralölprodukte sind laut Statistischem Bundesamt die wichtigste Gütergruppe der deutschen Binnenschifffahrt: 2025 wurden bundesweit 27,8 Millionen Tonnen Kraftstoffe, Heizöle und andere Mineralöle auf Flüssen und Kanälen transportiert.

Der überwiegende Teil läuft über den Rhein, auf den laut Destatis von Januar bis Mai 2022 rund 86 % der deutschen Binnenschifffahrtsmenge entfielen. Sinkt der Pegel, können Schiffe nur einen Teil ihrer Ladung mitnehmen, was die Transportkosten erhöht.

Das Bundeskartellamt bezifferte die Kraftstoffpreise im Juli 2026 auf durchschnittlich 2,156 Euro pro Liter Super E5, 2,10 Euro für E10 und 2,097 Euro für Diesel. Ein Anstieg im Monatsverlauf um 13,7 Cent bei Benzin und 26,8 Cent bei Diesel.

Das Kartellamt selbst nennt das Rhein-Niedrigwasser als einen Faktor für die dabei entstandenen regionalen Preisunterschiede zwischen den Tankstellen. Die Frachtraten zwischen Rotterdam und Karlsruhe stiegen laut ZDF von rund 45 Euro pro Tonne im Juni auf 150 bis 160 Euro Anfang August.

Die Deutsche Bundesbank bezifferte in ihrem Monatsbericht für August die Folgen für die Gesamtwirtschaft:

Eingeschränkte Transportwege und kräftig steigende Kosten dürften die Industrieproduktion und den Exportanstieg im dritten Quartal 2026 spürbar dämpfen.

Wie Unternehmen und Mineralölbranche reagieren

Für die Mineralölwirtschaft selbst sei die Lage aktuell sehr angespannt, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Küchen vom Branchenverband en2x Mitte August. Nach seinen Angaben bemühen sich die Mitgliedsunternehmen, neben Tankstellen auch Heizölkunden, Flughäfen und die Industrie weiter zu beliefern.

Wie konkret sich das auswirkt, zeigt der Chemiekonzern BASF an seinem Verbundstandort Ludwigshafen:

Nach eigenen Angaben transportiert BASF dort im Regelbetrieb rund 40 Prozent der Fracht per Schiff, je etwa 30 Prozent per Bahn und Lkw. Wegen des Niedrigwassers verlagert der Konzern derzeit mehr Ladung auf Bahn und Lkw und setzt eigens für flaches Wasser gebaute Schiffe ein, berichtete boerse-global.de.

Am 17. August feierte BASF den Spatenstich für den Ausbau seines Kombiverkehrsterminals in Ludwigshafen, das künftig bis zu 370.000 Ladeeinheiten pro Jahr umschlagen soll. Der Bund fördert das Projekt mit rund 51 Millionen Euro, fertiggestellt werden soll bis 2028.

Wird Niedrigwasser wie 2026 zur neuen Normalität

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde geht in einer aktuellen, gemeinsam mit den Rhein-Anrainerstaaten erstellten Szenarienstudie (IKSR-Fachbericht Nr. 297) davon aus, dass der sommerliche Niedrigwasserabfluss am Pegel Kaub langfristig im Mittel abnimmt, unter einem Hochemissionsszenario um 18 bis 28 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts, in Extremfällen um mehr als die Hälfte.

Die Studienautoren weisen aber selbst darauf hin, dass die extremen Trockenjahre der vergangenen Dekade nicht vollständig zu diesem Muster passen: Anders als von den Modellen erwartet, sanken die Abflüsse zuletzt in allen Jahreszeiten, auch im Winter, ein Widerspruch, den die Fachleute selbst als noch ungeklärt bezeichnen.

ein Vorgeschmack auf das, was wir in Frühling und Sommer zukünftig häufiger für den Rhein erwarten dürfen

IKSR-Präsidentin Dr. Miriam Haritz ordnete vergleichbare Bedingungen bereits in einer Studie zur Rhein-Erwärmung vom Juli 2025 ein: Sie seien „ein Vorgeschmack auf das, was wir in Frühling und Sommer zukünftig häufiger für den Rhein erwarten dürfen“.


Artikelreferenz

IKSR. (2024). limawandelbedingte Abflussszenarien für das Rheineinzugsgebiet“, IKSR-Fachbericht Nr. 297.