Rhein-Niedrigwasser: Rekordtiefs von Köln bis Emmerich


Am Rhein purzeln die Rekorde: Bei Duisburg-Ruhrort und Emmerich fiel der Pegel bereits unter die bisherigen Tiefstwerte, in Köln und Kaub fehlen nur wenige Zentimeter. Regen ist zwei Wochen lang nicht in Sicht.

Rheinpegel auf Tiefstand. Foto: EKH-Pictures.
Rheinpegel auf Tiefstand. Foto: EKH-Pictures.

Der Rhein steckt Anfang August 2026 in einer der schwersten Niedrigwasserphasen seiner jüngeren Messgeschichte. An sechs zentralen Pegeln zwischen Maxau bei Karlsruhe und Emmerich an der niederländischen Grenze liegen die Wasserstände am 4. August auf oder nahe historischen Tiefstständen.

Ursache ist ein Monat mit kaum Niederschlag – und die Wettervorhersage für die kommenden zwei Wochen bringt keine Entspannung.

Rekordtiefs an mehreren Pegeln zugleich

Nach Daten von PEGELONLINE, dem Messnetz der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), unterschritt der Pegel Duisburg-Ruhrort mit 149 cm bereits sein bisheriges Rekordtief von 153 cm aus dem Jahr 2018.

Pegel: Eine feste Messstation am Fluss, die den Wasserstand laufend erfasst – bei den meisten deutschen Binnenpegeln alle 15 Minuten – und damit die Grundlage für Schifffahrt, Hochwasserwarnungen und wissenschaftliche Auswertungen liefert.
Rheinpegelstände am 4. August 2026
Rheinpegelstände am 4. August 2026


Noch deutlicher fällt es in Emmerich aus: Dort sank der Pegel auf -4 cm, 3 Zentimeter unter den bisherigen Tiefstwert vom August 2022. Auch Köln unterbot sein Rekordtief von 69 Zentimetern kurzzeitig bereits am 1. August, bevor sich der Stand bis zum 4. August leicht auf 70 cm erholte.

Pegelnullpunkt: Der Pegel misst den Wasserstand nicht als absolute Wassertiefe, sondern als Abstand zu einem festen Bezugspunkt (PNP), den die WSV für jede Station einzeln festgelegt hat – meist unterhalb des niedrigsten, historisch gemessenen Wasserstands. Sinkt der Wasserspiegel unter diesen Bezugspunkt, zeigt der Pegel einen negativen Wert, wie aktuell in Emmerich. Das heißt nicht, dass der Fluss trockenfällt: Wasser fließt weiterhin, nur die Bezugshöhe liegt inzwischen über dem aktuellen Wasserstand.

Kaub: Der Nadelöhr-Pegel der Rhein-Schifffahrt

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz: Weil dort die flachste Stelle der mittleren Rheinstrecke liegt, bestimmt sein Wasserstand faktisch, wie viel Ladung Frachtschiffe auf der gesamten Route mitführen dürfen. Sinkt der Pegel, müssen Reedereien ihre Schiffe leichter beladen oder Fahrten streichen, ein Niedrigwasserzuschlag auf den Frachtpreis ist die Folge.

Pegelstände in Kaub: monatliches Minimum seit 2000
Pegelstände in Kaub: monatliches Minimum seit 2000

Am 4. August lag der Tagestiefstwert bei Kaub bei 21 cm – knapp unter dem bisherigen Rekordtief von 25 Zentimetern vom 22. Oktober 2018, das die WSV bislang nicht offiziell revidiert hat.

Als NNW (niedrigster bekannter Wasserstand) bezeichnet die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) den tiefsten an einem Pegel jemals gemessenen Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: In den bisher trockensten Jahren dieses Jahrhunderts kam der jeweils tiefste Stand erst deutlich später im Jahr – am 28. September 2003, am 22. Oktober 2018 und am 15. August 2022. 2026 unterbietet diese Werte bereits Anfang August.

Einordnung: Muster der vergangenen Jahre

Kaubs Messreihe reicht deutlich weiter zurück als die digitalen PEGELONLINE-Daten seit 2000: Der höchste je gemessene Stand datiert auf den 5. Januar 1883 mit 825 cm. Gemessen am Mittelwert der Jahre 2010 bis 2020 von 208 Zentimetern liegt der aktuelle Pegel bei etwa einem Achtel des langjährigen Durchschnitts.

Auffällig ist vor allem die Häufung: Drei der vergangenen acht Jahre – 2018, 2022 und nun 2026 – brachten an mehreren Rheinpegeln gleichzeitig Rekord- oder Rekordnähe-Stände hervor. Ob sich darin ein langfristiger Trend zeigt, müssten hydrologische Studien mit längeren Zeitreihen klären.

Pegelstände Kaub im Sommerhalbjahr: 2026 im Vergleich.
Pegelstände Kaub im Sommerhalbjahr: 2026 im Vergleich.

Ausblick: Keine Entspannung – und kaum Wind zur Abkühlung

Die Zwei-Wochen-Prognose des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF, Stand 4. August) verspricht keine Wende: An allen sechs Stationen fallen bis zum 17. August insgesamt nur zwischen 1,5 und 7,5 l/m² Regen.

Gleichzeitig baut sich zwischen dem 10. und 14. August eine Hitzewelle auf, mit Höchstwerten bis in die mittleren bis oberen 30 Grad und mehreren tropischen Nächten.

Der Wind bleibt dabei überwiegend schwach bis mäßig, im Schnitt zwischen 5 und 15 km/h, in Böen bis etwa 20 km/h – Sturm ist nirgends in Sicht, was zwar keine zusätzliche Gefahr bedeutet, aber auch keine kühlende Entlastung bringt. Die höhere Verdunstung durch die Hitze dürfte die Pegel eher weiter sinken lassen als sie zu stabilisieren.