Die Frostfalle am Morgen: Warum das Auto vereist, obwohl die Wetter-App Plusgrade zeigt

Morgens erst einmal die Autoscheibe freikratzen, obwohl die Wetter-App Plusgrade anzeigt? Dahinter steckt ein spannender meteorologischer Effekt, der jetzt wieder häufiger auftreten kann.

Pünktlich mit dem November beginnt nun auch wieder die Zeit des Eiskratzens. Morgens also lieber ein paar Minuten mehr einplanen...
Pünktlich mit dem November beginnt nun auch wieder die Zeit des Eiskratzens. Morgens also lieber ein paar Minuten mehr einplanen...

Der November hat begonnen und für viele Autofahrer gehört das Eiskratzen am Morgen langsam wieder zum Alltag. Doch manchmal erscheint das zunächst völlig unlogisch: Während die Autoscheibe von einer dünnen Eisschicht überzogen ist, zeigt die Wetter-App beispielsweise noch drei Grad über null an.

Ist die Vorhersage also falsch? Nicht unbedingt! Denn die Lufttemperatur ist nicht dasselbe wie die Temperatur einer Oberfläche. Gerade in klaren Herbstnächten können sich dabei erstaunliche Unterschiede entwickeln.

Bodenfrost und Luftfrost: Wo liegt eigentlich der Unterschied?

In der Meteorologie wird die Lufttemperatur standardmäßig in zwei Metern Höhe gemessen. Sinkt sie dort unter null Grad, spricht man von Luftfrost. Bei Bodenfrost dagegen liegt die Temperatur in unmittelbarer Bodennähe unter dem Gefrierpunkt. Dafür wird an Wetterstationen häufig die Temperatur in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden betrachtet.

Direkt über dem Boden kann es deutlich kälter sein als in zwei Metern Höhe
Direkt über dem Boden kann es deutlich kälter sein als in zwei Metern Höhe

Besonders in klaren und windschwachen Nächten kühlt sich der Boden durch die Abgabe von langwelliger Wärmestrahlung stark ab. Die Luft unmittelbar darüber verliert ebenfalls Wärme, während es in zwei Metern Höhe durchaus noch einige Grad wärmer bleiben kann.

Deshalb kann es bereits Bodenfrost geben, obwohl die offizielle Lufttemperatur weiterhin im positiven Bereich liegt. Doch warum trifft es ausgerechnet Autoscheiben frühs besonders häufig?

Warum frieren Autoscheiben manchmal besonders schnell?

Autoscheiben haben eine Besonderheit: Sie sind häufig direkt dem freien Himmel ausgesetzt und können nachts viel Wärme durch Strahlung abgeben. Gleichzeitig wird die verlorene Energie nicht immer schnell genug durch die umgebende Luft oder das Fahrzeug ersetzt.

Dadurch kann die Oberflächentemperatur des Glases unter null Grad sinken, obwohl das Thermometer zwei Meter über dem Boden beispielsweise noch drei Grad Plus anzeigt. Ob das tatsächlich passiert, hängt unter anderem von Bewölkung, Wind, Luftfeuchtigkeit und der Wärmeabgabe des Fahrzeugs ab.

Unter besonders günstigen Bedingungen können sich feinste Eiskristalle auch an Bäumen absetzen und für eine surreale Atmosphäre sorgen © Tobias Röser
Unter besonders günstigen Bedingungen können sich feinste Eiskristalle auch an Bäumen absetzen und für eine surreale Atmosphäre sorgen © Tobias Röser

Besonders günstige Bedingungen herrschen bei klarem Himmel und schwachem Wind. Wolken senden zusätzliche Wärmestrahlung in Richtung Boden und bremsen dadurch die nächtliche Auskühlung. Wind wiederum sorgt für eine stärkere Durchmischung und kann den Temperaturunterschied zwischen Luft und Oberfläche verringern.

Reif oder gefrorener Tau: Was bedeckt eigentlich die Scheibe?

Die weiße Schicht auf dem Auto muss nicht durch gefrorene Regentropfen entstanden sein. Häufig handelt es sich um Reif. Dieser bildet sich, wenn Wasserdampf aus der Luft direkt in Eiskristalle übergeht, ohne vorher flüssig zu werden. Meteorologen nennen diesen Vorgang Resublimation.

Anders verhält es sich bei gefrorenem Tau: Hier schlägt sich die Luftfeuchtigkeit zunächst als flüssiges Wasser auf der Scheibe nieder und gefriert erst anschließend.

Erste Novemberwoche: Muss jetzt häufiger gekratzt werden?

Die aktuelle Hochdrucklage könnte dieses Phänomen in den kommenden Tagen wieder begünstigen. Hier und da muss abseits von Nebelfeldern unter sternenklarem Himmel sogar teilweise mit Luftfrost gerechnet werden. Ist die Luft dann feucht genug, sollte unbedingt an den Eiskratzer gedacht werden.

Auch im weiteren Wochenverlauf können klare Nächte örtlich frostig ausfallen. Wo sich dagegen Nebel oder Hochnebel halten, wird die Auskühlung häufig abgeschwächt.

Damit lohnt sich morgens ein Blick nicht nur auf die Temperaturanzeige, sondern auch auf das eigene Auto. Denn drei Grad Plus in der Wetter-App sind noch lange keine Garantie für eine eisfreie Windschutzscheibe.