Die abnehmende Dynamik der EU beim Ausbau von Solar- und Windstrom

Die gute Nachricht zuerst: die Stromproduktion in der EU durch Energieträger ohne CO2-Emissionen sucht weltweit ihresgleichen. 450,6 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürger erhielten im vergangenen Jahr 71% ihres Stroms aus kohlenstoffarmer Erzeugung.

Der Ausbau der Erneuerbaren in der EU verlangsamt sich
Der Ausbau der Erneuerbaren in der EU verlangsamt sich

Der kohlenstoffarme Strommix umfasst Wind-, Solar-, Wasser- Atomkraft. Auf die Kernenergie entfielen 23,2% des erzeugten Stroms. Der Anteil der Windenergie lag bei 17,7%. Die Solarenergie trug 13,3% zum Strommix bei.

Auch die Wasserkraft spielte in der EU27 mit 12,9% eine wesentliche Rolle. Die Anteile von Biokraftstoffen mit 4,1 % und Geothermie mit 0,2 % sind sehr gering.

Der Fortschritt in den 27 EU-Ländern beim Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und damit einer entsprechenden Reduzierung der CO2 Treibhausgasemissionen für die weitere Kurve der Erderwärmung ist bemerkenswert, wenngleich es einige große regionale Unterschiede gibt.

Ich werde die Perspektiven der Kernkraft in einem separaten Artikel betrachten und beschränke mich in dieser Analyse nur auf Wind- und Solarenergie.

Enorme Investitionen notwendig

Grundsätzlich ist bei dem bestehenden hohen Anteil die Erreichung eines 90%igen Ziels an regenerativer Stromerzeugung bis 2035 machbar. Eine wichtige Voraussetzung dafür sind weitere Investitionen von privater und öffentlicher Seite in die Energiewende.

So kann es der EU gelingen, bis 2035 auf einen kompletten Ausstieg von Kohle, Erdöl und Gas bei der Erzeugung von Strom hinzuarbeiten.

Neben dem Ausbau der „Erzeugungsstätten“ ist auch der Bau weiterer Stromnetze und der Aufbau einer entsprechenden Speicherstruktur auf Basis von Batteriegroßspeichern notwendig.

Situation Windstrom 2025

Im Jahr 2025 installierte ganz Europa 19,1 Gigawatt (GW) an neuer Windkraftkapazität. Davon entfielen 15,1 GW auf die EU-27. Mehr als 90% entfiel auf Windkraftanlagen an Land (Onshore). Lediglich 2 GW wurde an neuer Offshore-Windkraftkapazität an das Netz angeschlossen.

Europa verfügte Ende 2025 an 304 GW Windkraftkapazität, und zwar 265 GW Onshore und 39 GW Offshore. Der EU-27-Anteil an der installierten Kapazität laf bei 246 GW. Davon waren 224,5 GW an Land- und 21,5 GW Offshore in Betrieb.

Der Branchenverband Wind Europe geht davon aus, dass Europa zwischen 2026 und 2030 ca. 150 GW an neuer Windkraftkapazität installieren wird. Davon kommen 112 GW aus der EU27, was einem Zubau von durchschnittlich 22 GW pro Jahr entspricht.

Der Zubau würde die Kapazität von Windkraft in Europa bis 2030 auf 439 GW steigern. Der Anteil der EU würde dann 343 GW betragen.

Noch eine gute Nachricht: Deutschland hat im vergangenen Jahr die meiste Kapazität in der EU27 aufgebaut, allerdings fast ausschließlich Onshore. Danach folgt Schweden, allerdings nur mit 40% des deutschen Ausbaus.

Dänemark hatte 2025 mit 50% den höchsten Windanteil an seinem Strommix. Auch in Litauen (33%), Irland (33%) und Schweden (30%), lag der Windanteil an der Stromerzeugung bei über 30%.

Einen Windanteil von mehr 20 % des Strombedarfs erreichten die Niederlande (29 %), Deutschland (28 %), Finnland (25 %), Portugal (25 %), Spanien (23 %) und Griechenland (21 %).

Die EU-Windkraft in Relation zu China

Auch bei der Windkraft zeigt sich die Dynamik Chinas bei der Transformation seiner Stromerzeugung.

China hat 2025 ca. 131 GW neue Windkraftleistung zugebaut und verfügt damit über eine gesamte Erzeugungsleistung mit Windstrom von über 600GW. Damit hat China knapp die doppelte Kapazität im Vergleich zu Europa in Relation zur Bevölkerung.

China ist mit 1,4 Milliarden Einwohnern knapp doppelt so groß wie Europa - und etwas mehr als dreimal so groß wie die EU27.

Im Vergleich zur EU27 beträgt Chinas Windstrom-Kapazität „nur“ das 2,4-fache. Damit hatte die EU27 in 2025 bei der Windkraft-Nennleistung bezogen auf die Bevölkerungsgröße noch einen knappen Vorsprung vor China.

In Anbetracht der Ausbaudynamik Chinas im Vergleich zu EU wird sich diese Situation schon in diesem ändern.

Windkraft an Land: wichtig für die Ausbausziele in der EU
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Solarstrom - eine weiterer Pluspunkt der China-Story

Der europäische Photovoltaik-Markt hat im Jahr 2025 65,1 GW neue Solarkapazitäten hinzugefügt, was einem Rückgang von 0,7% entspricht, wie ein Bericht von SolarPower Europe, dem führenden Verband der EU-Solarindustrie, erwähnt.

2025 war das erste Jahr seit 2016, in dem der Zubau schrumpfte - nach fast einem Jahrzehnt ununterbrochenen Wachstums des europäischen Solarsektors.

Trotz der Verlangsamung erreichte die EU27 mit 406 GW kumulativer Solar-Kapazität ihr Interimsziel von 400 GW installierter Nennleistung bis 2025.

Nach dem zentralen Szenario des EU-Solarmarktausblicks 2025–2030 reicht der aktuelle Zubaukurs aber nicht aus, um das 750-GW-Ausbauziel bis 2030 zu erreichen.

Die installierte Solar-Nennleistung würde nach dem aktuellen Verlauf des Zubaus in 2030 nur bei 718 GW liegen.

bezogen auf die Bevölkerungsgröße. behalten ihre deutliche Führung beim Ausbau, weitgehend aufgrund großer Freiflächen-Photovoltaik-Projekte. Frankreich hat beim PV-Ausbau Italien überholt, angetrieben durch kommerzielle Projekte. In Italien sind die Dachanlagen nach der schrittweisen Rücknahme von Unterstützungsangeboten stark zurückgegangen.

Unter den Top-Ten-Märkten installierten fünf Länder weniger Solar als 2024, darunter Italien, Polen und die Niederlande.

China hat 2025 insgesamt 315 GW an PV-Solarstromkapazität zugebaut. Damit liegt die gesamte Nennleistung aus PV-Strom in China bei 1200 GW.

Während der Zubau, dem fünffachen der EU27 im vergangenen Jahr entsprach, ist die gesamte PV-Nennleistung Chinas knapp dreimal so hoch als die Nennleistung der EU27.

Auch dieser knappe Vorsprung wird aber im Jahr 2026 eliminiert, da die Investitionsgeschwindigkeit Chinas auch bei PV-Projekten der europäischen um ein Vielfaches überlegen ist.

Wichtige Kennzahlen: Strom pro Kopf der Bevölkerung

Die Kennzahlen des Stromverbrauchs bezogen auf die jeweilige Bevölkerungsgröße sind für eine echte, objektive Betrachtung der Ausbausituation die entscheidende Größe.

Die Zahlen finden sich auf der Webseite von LowCarbonPower.org.

Demnach liegt die Nettostromerzeugung Chinas bei 7.401 kWh/pro Einwohner. Der Wert an kohlenstoffarmem Strom liegt bei 3.137 kWh/pro Einwohner.

In der EU27 liegt die Nettostromerzeugung bei 5.397 kWh/pro Einwohner. Der Wert an kohlenstoffarmem Strom für die EU27 liegt bei 4.235 kWh/pro Einwohner.

Diese Zahlen unterstreichen den noch bestehenden Vorsprung der EU27 bei der Erzeugung von kohlenstoffarmem Strom.

Andererseits eigen sie auch den sehr deutlich höheren Wert Chinas bei der Nettostromerzeugung bedingt durch einen höheren Strombedarf der in China produzierenden Industrie. Hinzu kommt auch ein höherer Stromverbrauch aufgrund bereits in der Umsetzung befindlicher Maßnahmen zur Dekarbonisierung, zum Beispiel bei der E-Mobilität.

Quellennachweise:

Marktperspektiven WIndstrom Europa 2025-2030

Markbetrachtung Solarstrom Europa 2025-2030

Aktueller Strommix EU 2025

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