Bodentrockenheit 2026: Folgen für Natur und Landwirtschaft spürbar
Nach Monaten mit wenig Regen und hohen Temperaturen ist der Boden in weiten Teilen Deutschlands ungewöhnlich trocken. Der DWD vergleicht die Lage nun direkt mit den Dürresommern 2018 und 2022 – vor allem im Süden wird es für Landwirtschaft und Natur eng.

Die Böden in weiten Teilen Deutschlands sind derzeit ungewöhnlich stark ausgetrocknet. Nach einer Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 6. August nahm die Bodenfeuchte in diesem Jahr einen ähnlichen Verlauf wie in den Dürresommern 2018 und 2022. Besonders im Süden Deutschlands wird die Lage für Natur und Landwirtschaft zunehmend kritisch.
Die Bodenfeuchte zeigt an, wie viel Wasser Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Sinkt sie über längere Zeit deutlich, geraten Pflanzen unter Trockenstress: Wachstum und Ernteertrag leiden, zugleich steigt in Wäldern die Waldbrandgefahr.
Grund ist eine lange Abfolge niederschlagsarmer und zugleich sehr warmer bis heißer Wetterphasen mit hohem Wasserbedarf der Pflanzen, während kaum Regen nachkam.
Seit dem Frühjahr fehlt der Regen
Schon seit März fallen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Besonders betroffen ist der Streifen von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 l/m² zusammenkamen.
Gebietsweise nicht einmal die Hälfte des vieljährigen Mittels 1991–2020. Nur im Norden, etwa vom Münsterland bis zum Erzgebirge und rund um die Nordsee, fiel etwa durchschnittlich viel Regen.
Auch langfristig zeigt sich das Ausmaß: Das hydrologische Jahr von November bis Ende Juli fiel laut DWD seit 1882 nur zwei Mal noch trockener aus.
Bodenfeuchte auf dem Niveau der Dürrejahre
Im April und Mai sank die Bodenfeuchte in der südlichen Mitte und im Süden bereits deutlich unter das langjährige Mittel. Regen im Juni brachte kurzzeitig Entlastung, doch die extreme Hitzewelle Ende des Monats ließ die Werte durch starke Verdunstung erneut absacken.

Gemittelt über ganz Deutschland lag die Bodenfeuchte der obersten 60 Zentimeter seit Ende Mai nur noch knapp über den Werten von 2018 und 2022. Im Süden war der Boden laut DWD verbreitet sogar trockener als in diesen beiden Referenzjahren. In der Nordosthälfte besteht dagegen keine ausgeprägte Dürre.
Die Dürre bleibt dabei kein rein deutsches Phänomen: Das europäische Dürreobservatorium EDO stufte Ende Juli weite Teile West- und Mitteleuropas in die höchste Warnstufe („Alert“) ein.
Neben Süddeutschland etwa auch Frankreich, die Schweiz, Norditalien sowie den Donauraum bis nach Ungarn, Rumänien und Serbien. In der zweithöchsten Stufe („Warning“) lagen zusätzlich weite Teile Frankreichs, der Alpenraum sowie Teile des Balkans und Skandinaviens.
Bauernverbände bestätigen deutliche Ernteeinbußen
Getreide und Raps reiften bei der Hitze seit Mitte Juni rasch ab, die Ernte kam zügig voran. Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln leiden dagegen regional deutlich unter der Trockenheit, dem DWD zufolge drohen spürbare Ertragseinbußen.
Das bestätigen auch die Landwirte selbst: Der Deutsche Bauernverband meldete Ende Juli bundesweite Rückgänge bei Winterweizen von bis zu 15 Prozent und beim Raps von bis zu 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
– DBV-Präsident Joachim Rukwied
In Bayern zeichnet der Bayerische Bauernverband Anfang August ein noch drastischeres Bild:
Knapp 80 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihr Grünland als mangelhaft, rund 40 Prozent kaufen bereits Futter zu, im Norden Bayerns liegen die Mais-Ernteausfälle bei 50 Prozent und mehr. Vielerorts fiel zudem ein Grünlandschnitt aus, bei Obst und jungen Weinreben helfen oft nur noch Bewässerung.
Deutlich mehr Tage mit hoher Waldbrandgefahr
Die anhaltende Trockenheit zeigt sich auch im Waldbrandgefahrenindex: Bis zum 2. August erreichte dieser 2026 im Bundesmittel an rund 22 Tagen mindestens Stufe 4 von 5 – im Mittel 1991 bis 2020 waren es bis zum selben Datum nur etwa 10 Tage.
Beim Graslandfeuerindex fällt der Unterschied ähnlich deutlich aus: 33 Tage mit hoher Gefahrenstufe gegenüber sonst 18. In den vergangenen Wochen kam es bereits zu zahlreichen Wald- und Feldbränden.
Ausblick: Gewitter und Wetterumschwung
Der DWD erwartet einen Umschwung: Nach Hitze am Freitag und Samstag (30 bis 38 Grad) bringen Sonntag und Montag kräftige Gewitter mit Starkregen- und Hagelgefahr bei wechselnd westlichem, zeitweise stürmischem Wind.
Die neue Woche bleibt bis 20. August unbeständig und kühler (20 bis 28 Grad) bei böigem Westwind, an der Nordsee zeitweise stürmisch. Danach deutet sich bis 23. August wieder wechselhaftes, teils trockeneres Wetter an.
Klimawandel macht Dürren wahrscheinlicher
Die internationale Attributionsinitiative World Weather Attribution (WWA) hat unter Beteiligung des DWD untersucht, wie stark der Klimawandel zur Dürre 2026 beigetragen hat.
Ergebnis: Eine Bodendürre wie im Westen Europas ist durch die bisherige Erwärmung um 1,4 Grad rund fünfmal wahrscheinlicher geworden, im Osten Europas sogar rund elfmal.
Artikelreferenz
World Weather Attribution (WWA). (2026). Increasingly hot Europe faces more severe droughts and growing challenges for water and land management.
Deutscher Bauernverband (DBV). (2026). Wirtschaftlicher Druck auf Landwirtschaft steigt wegen niedrigeren Erträgen.
Bayerischer Bauernverband (BBV). (2026). Trockenheit nimmt besorgniserregende Ausmaße an.
EU Joint Research Centre, European Drought Observatory (EDO). (2026). Current drought situation in Europe.
Deutscher Wetterdienst (DWD). (2026). Thema des Tages „Starke Bodentrockenheit".
DWD Climate Data Center (CDC). (2026). Data: Tägliche und vieljährige Raster der Bodenfeuchte.