Trump-Regierung entzieht jährlichem arktischen Umweltbericht die Unterstützung

Die klimaleugnende amerikanische Regierung unter Donald Trump hat die finanzielle Unterstützung der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) neu geregelt. Damit ist eine Veröffentlichung der jährlichen Arctic Report Card nicht mehr möglich.

Die Arktis erwärmt sich viermal so schnell wie der Rest der Erde
Die Arktis erwärmt sich viermal so schnell wie der Rest der Erde

Mit dieser Entscheidung entfällt eine zentrale Bewertung des sich verändernden Klimas in der sich am schnellsten erwärmenden Region der Erde. Die an den Vorbereitungen zur Veröffentlichung beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler suchen nun nach Alternativen zur Publikation ihrer bisherigen Ergebnisse für das vergangene und laufende Jahr.

Kurzfristige Entscheidung

Sowohl die Washington Post als auch CNN berichtetem, dass die Autoren des Berichts und weitere beteiligte NOAA-Mitarbeiter am 10.8. und sehr kurzfristig über die Entscheidung informiert wurden.

In einer E-Mail bestätigte die NOAA der Presse gegenüber, dass die Behörde die Arctic Report Card für 2026 nicht veröffentlichen bzw. weiter betreuen werde. Gleichzeitig blieben jedoch alle Daten, die die NOAA zu dem Produkt beisteuert, verfügbar.

Am Dienstag, den 11.8. bestätigte Kim Doster, der Kommunikationsdirektor der NOAA, dass die Bundesbehörde ihre Unterstützung für die Arctic Report Card einstellen würde.

Ohne weiter zu erklären, warum die Regierung ihre Unterstützung eingestellt hat, sagte Doster der New York Times (NYT):

Die Koordination des Arctic Report Cards 2026 wird nicht mehr durch die NOAA ermöglicht

Alle Daten, die historisch von NOAA zum Produkt beigesteuert wurden, blieben weiterhin öffentlich zugänglich. Doster sagte der NYT, dass andere NOAA-Programme weiterhin die Forschung in der Region unterstützen würden, sofern sie zur "nationalen Sicherheit, Wettervorhersage, Sicherheit der Schifffahrt und zur wirtschaftlichen Vitalität der Küstengemeinden" beitragen würden.

In einer anonymen Erklärung hatte ein Mitarbeiter der NOAA am Tag zuvor geäußert:

Was nun entschieden wurde ist unglaublich schädlich für die wissenschaftliche Führungsrolle Amerikas.

Autoren suchen nach Alternativen

Die wissenschaftliche Führungsrolle scheint dem Präsidenten und seiner Regierung jedoch völlig gleichgültig zu sein.

Aus NOAA-Quellen erfuhr die Presse, dass die Arbeit an der Arctic Report Card für 2026, die im Dezember veröffentlicht werden sollte, sehr weit fortgeschritten sei. Die beteiligten Autoren suchen nun nach Wegen, mit denen sie ihre Ergebnisse ohne die NOAA veröffentlichen können, umd damit die Öffentlichkeit zu erreichen.

Seitens der NOAA wurden für Veröffentlichung Personalressourcen wie Koordination, Produktionshilfe sowie technische Unterstützung und Medienarbeit zur Verfügung gestellt. Alle diese Grundlagen bestehen nun nicht mehr.

Für eine Veröffentlichung infrage kommen unabhängige Institutionen oder auch Universitäten. Dazu zählen Umwelt- oder Klimastiftungen und andere gemeinnützige Organisationen.

Die Arctic Report Card erschien seit 2006 jährlich und bot bisher eine umfassende Darstellung zu den sich verändernden klimatischen Bedingungen im Norden unseres des Planeten.

In den vergangenen Jahren arbeiteten mehr als 100 Forscher aus einem dutzend Ländern, üblicherweise ehrenamtlich an dem Dokument mit.

Rekordwärme und schwindendes Meereis

Aus der Ausgabe des vergangenen Jahres, die ich am Ende des Dokuments verlinkt habe, ging hervor, dass die Durchschnittstemperaturen zwischen Oktober 2024 und September 2025 in der Region so hoch waren, wie nie zuvor. Gleichzeitig war die Ausdehnung des winterlichen Meereises auf ein Allzeittief gesunken.

Das Meereis schmilzt - wie der Rest der Arktis
Das Meereis schmilzt - wie der Rest der Arktis

Die Arctic Report Card aus dem Jahr 2025 berichtete auch über andere umweltrelevante Themen. Als Beispiel wurden giftige Metalle betrachtet, die aus auftauendem Permafrost austreten, Flüsse rostorange färben.

Melody Brown Burkins, Direktorin des Institute of Arctic Studies an der Dartmouth University, sagte gegenüber der Washington Post, dass sie von NOAAs gestrichener Unterstützung durch einen Autor des Berichts erfuhr.

Allerdings zeigte sie sich wenig überrascht von der Entscheidung. Sie verweißt darauf, dass die Trump-Regierung zahlreiche andere klimabezogene Berichte und Programme gestrichen habe. Als Beispiel nannte sie die sechste Ausgabe des National Climate Assessment, also des nationalen Klimaberichts und sowie die Einstellung der milliardenschwere Datenbank der NOAA zu Klimafolgen und Umweltkatastrophen hallo.

Sorge um fehlende Koordination

Burkins befürchtet, dass nur wenige Institutionen den Umfang an Koordination und logistischer Unterstützung leisten können, der erforderlich ist, um Veränderungen in einer abgelegenen Region wie der Arktis kompetent und mit hoher Regelmäßigkeit zu bewerten.

Die Arctic Report Card umfasste traditionell sehr detaillierte Informationen über ein breites Themenspektrum. Dies beinhaltete ozeanische Veränderungen mit Auswirkungen auf die Fischerei, aber auch Veränderungen der arktischen Gletscher, die Erdrutsche und Überschwemmungen zufolge haben könnten.

Burkins verglich die Arctic Report Card mit einer wissenschaftlichen Vorsorgeuntersuchung, auf die indigene Völker der arktischen Gemeinschaften, politische Entscheidungsträger und wissenschaftliche Experten angewiesen seien.

Tägliches Update zur Zukunft des Berichts

Der GUARDIAN hatte Kontakt zu Rick Thoman, the führenden Herausgeber des geplanten Berichts für 2026. Thoman dazu

Wir tun alles, um die Puzzleteile zusammenzufügen. Ich bin optimistisch, dass wir einen Weg für 2027 und darüber hinaus finden können.

Angesichts des späten Termins sei es allerdings eine offene Frage, ob das Team es noch im Jahr 2026 schaffen würde, den Bericht, ggf. auch in Teilen, zu veröffentlichen.

Allen Beteiligten am Bericht ist nicht klar, warum die Verwaltung diese Entscheidung getroffen habe. Rick Spinrad, ein ehemaliger NOAA-Administrator unter Joe Biden, nannte die Entscheidung gegenüber dem GUARDIAN "wirklich skrupellos". Spinrad sagte im Interview mit dem GUARDIAN dazu:

Ich kann daraus nur schließen, dass es mit der Abneigung (der US-Regierung) gegen alles zusammenhängt, was mit einem besseren Verständnis des Klimawandels zu tun hat

Die Streichung der Finanzierung ist nur der jüngste Schritt der Trump-Regierung, staatliche Studien zur Klimakrise und ihren globalen Auswirkungen zu verhindern.

Seit ihrer Wiederantritt im Januar letzten Jahres hat die Trump-Regierung konsequent und mit Nachdruck jegliche Unterstützung für wissenschaftliche Forschung mit Klimabezug eingestellt. Dazu gehört die Auflösung eines wichtigen Klimaforschungszentrum in Colorado, die Abschaffung eines 368 Millionen US-Dollar teuren Tiefseebeobachtungssystems sowie die Entfernung von wichtigen Klimaberichten von den Webseiten der Regierung.

Die Frage ist nur, wann die Realitäten der Klimaveränderungen und ihrer Folgen das Verhalten und die Entscheidungen der US-amerikanischen Regierung ad absurdum führt.

Also nicht ob, sondern nur wann.

Artikelreferenz

NOAA. (2025). Arctic Report Card 2025.