Trinkwasser in Küstennähe weltweit in Gefahr: Studie warnt vor drohender Versalzung des Grundwassers

Küstennahes Grundwasser gerät weltweit zunehmend unter Druck. Das zeigt eine neue Studie. Überentnahme und Klimawandel treiben die Versalzung voran, was sich gravierend auf Versorgung, Landwirtschaft und Ökosysteme auswirkt.

Grundwasserpumpe in Kalifornien. Bild: Robert Reinecke
Grundwasserpumpe in Kalifornien. Bild: Robert Reinecke

In vielen Küstenregionen der Erde bildet Grundwasser die wichtigste Quelle für Trinkwasser. Doch genau diese Ressource gerät zunehmend in Gefahr. Eine aktuelle Untersuchung macht nun deutlich, wie fragil dieses Gleichgewicht zwischen vorhandenem Grundwasser und Trinkwasserentnahme ist.

„Im Zeitraum von 1990 bis 2024 zeigen mehr als 20 Prozent der von uns untersuchten Küstengebiete signifikante Veränderungen des Grundwasserspiegels, teilweise ist er um mehr als 50 Zentimeter pro Jahr gesunken.“

– Prof. Dr. Robert Reinecke, Institut für Geographie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) warnt, dass die Lage besonders durch intensive Nutzung und steigende Meeresspiegel verschärft wird: Wird zu viel Wasser entnommen, sinkt der Grundwasserspiegel – und Salzwasser kann leichter ins Landesinnere vordringen. Versalzung droht.

Die jüngst in Nature Water veröffentlichte Studie basiert auf einem einzigartigen Datensatz von rund 480.000 Brunnenmessungen aus verschiedenen Teilen der Welt. Dadurch konnte erstmals ein umfassender globaler Überblick über den Zustand küstennaher Grundwassersysteme gewonnen werden. Dabei kam heraus, dass in einigen Regionen die Grundwasserspiegel steigen, andernorts jedoch sinkende Werte dominieren. Besonders seit 2016 beobachten die Forschenden vermehrt rückläufige Pegelstände.

Hotspots der Gefährdung

Betroffen sind vor allem Küstenregionen in den USA und Zentralamerika, im Mittelmeerraum, in Südafrika, Indien sowie im Süden Australiens. Doch die Veränderungen verlaufen nicht gleichmäßig – selbst innerhalb kleiner Gebiete gibt es deutliche Unterschiede.

Besonders gefährdet sind Küstengebiete, in denen das Grundwasser in der Nähe des Meeresspiegels liegt, sowie generell trockene Gebiete, in denen die Bevölkerung sich besonders auf Grundwasser verlassen muss.

„Unsere Studie liefert weltweite Belege, dass das küstennahe Grundwasser von Versalzung bedroht ist und priorisiert überwacht und gemanagt werden muss“, erklärt Prof. Dr. Robert Reinecke vom Institut für Geographie der JGU.

Klimawandel verschärft die Krise

Die Problematik steht in engem Zusammenhang mit globalen Klimaveränderungen. So zeigt etwa ein Bericht der Weltorganisation für Meteorologie, dass das Jahr 2024 von extremen Wetterereignissen geprägt war.

Jüngste Grundwasserstandstrends in globalen Küstenzonen nach Region: Rote Punkte zeigen einen sinkenden, blaue einen steigenden Grundwasserspiegel an. Bild: Nolte et al., 2026
Jüngste Grundwasserstandstrends in globalen Küstenzonen nach Region: Rote Punkte zeigen einen sinkenden, blaue einen steigenden Grundwasserspiegel an. Bild: Nolte et al., 2026

„2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Industrialisierung mit einer um durchschnittlich 1,55 Grad höheren Oberflächentemperatur der Erde“, sagt Reinecke. Und dass wir mit dem Klimawandel mit mehr Dürren und mehr Starkregen rechnen müssen, sei ein sich immer weiter verstärkendes Phänomen.

Auch in Deutschland brauchen wir unbedingt eine langfristige Strategie, um mit den wiederkehrenden Extremen umzugehen.

Neben den direkten Auswirkungen auf Wetter und Niederschlag beobachten Forschende auch langfristige Veränderungen in den Wasserreserven der Erde. Dazu gehört ein drastischer Rückgang von Gletschern sowie eine zunehmend kritische Entwicklung der Grundwasserstände.

Langfristige Gefahr für Milliarden Menschen

Die Folgen könnten dramatisch sein. Mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung leben in Küstenregionen – und sind damit direkt auf funktionierende Grundwassersysteme angewiesen. „In den kommenden 50 Jahren kann es in allen Küstengebieten der Welt zu Trinkwasserproblemen kommen“, mahnt Reinecke. Die Entwicklung bedrohe nicht nur die Versorgung mit sauberem Wasser, sondern auch Landwirtschaft und Ökosysteme.

Grundwasser ist eine zuverlässige Quelle für Trinkwasser. Leider wird es seit langer Zeit übernutzt.

Reinecke fordert daher einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Ressource: „Zwar scheinen sich die Grundwasserstände 2024 teilweise wieder erholt zu haben, allerdings sind auch weiterhin fallende Stände, etwa in Südeuropa, zu beobachten.“ Und schließlich: „Das macht mir Sorgen, da manche Grundwasserleiter Jahrtausende brauchen können, um sich wieder vollständig zu erholen.“

Quellenhinweis:

Nolte, A., et al. (2026): Coastal groundwater-level trends reveal global susceptibility to seawater intrusion. Nature Water.

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