Energiewende 2040: eine Notwendigkeit für Europa

Die Themen Energiewende, Verkehrswende, Wärmewende, Industriewende beschäftigen das Denken und Handeln der EU-Politik sowie ihrer Wirtschaft und Gesellschaft. Die Lösungsvorschläge zu den einzelnen Sektoren zwischen Wissenschaft und Politik sind komplett diametral.

Die CO2-Emissionen mssen sinken. EIne neue Studie zeigt, dass das möglich ist
Die CO2-Emissionen mssen sinken. EIne neue Studie zeigt, dass das möglich ist

Eine große Modellstudie kann jetzt dazu führen, dass es auf der EU-Ebene sektorspezifisch für die einzelnen Themefelder eine bessere Orientierung für das nötige Tempo der Umstellung auf fossilfreie Technologien geben wird.

Das Fazit stimmt zuversichtlich: Die Ziele der ursprünglichen EU Green Deals aus dem Jahre 2019 sind realistisch. Seine Zielerfüllung kann den „Alten Kontinent“ im Ergebnis stärker und unabhängiger von Öl- und Gaskrisen machen.

Die Studie wurde am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und in Nature Communications veröffentlicht. Ich habe diese am Ende des Artikels verlinkt.

Klimaneutralität im Fokus

Um den Raum für sinnvolle politische Maßnahmen besser zu umfassen hat sich das Forschungsteam auf eine Kernfrage fokussiert: Wie kann die EU die für 2050 beschlossene Klimaneutralität mit maximaler Erfüllungsquote bei minimalen Kosten erreichen?

Die Ergebnisse stützen sich auf das präzise Energie-Wirtschaft-Klima-Modell REMIND. Dabei rechnet es zunächst ein Referenzszenario mit als besonders plausibel erachteten Annahmen durch und variiert dann zentrale Annahmen: wo steht die EU 2030 bei Emissionssenkung und Energieeffizienz? Wie werden sich bis 2050 die Kosten bei Wind- und Solarkraft entwickeln? Wie verfügbar werden grüner Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe als fossilfreie Energieträger?

Auch die potenzielle Kapazität der EU für eine CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre spielt in der Studie eine Rolle, um damit schwer zu vermeidende Rest-Emissionen auszugleichen.

Plausible Annahmen

Ein Ergebnis lautet: Die EU-Klimawende, zu minimalen Kosten und unter den plausibelsten Szenario-Annahmen, würde eine Minderung des Netto-Treibhausgas-Ausstoßes 2040 um 86 Prozent relativ zu 1990 notwendig machen.

Diese Zahl gründet sich allein auf die techno-ökonomische Optimierung des EU-Transformationspfads, ohne Berücksichtigung von Fragen zu fairer globaler Lastenverteilung

sagte zur Einordnung der PIK-Forscher Robert Pietzcker, ein Co-Autor der Studie, auf einer Pressekonfrenz des PIK.


Der EU-Klimabeirat hatte eine Reduzierung um 90 bis 95 Prozent empfohlen. Diese Empfehlung berücksichtige sowohl den Blick auf das Mögliche als auch auf das, was im globalen Maßstab fair ist. Dabei stützte sich der Beirat auch auf vorläufige Ergebnisse von Szenarien aus der neuen Studie. Die Empfehlung fand sich dann wieder im Vorschlag der EU-Kommission für ein Reduktionsziel von 90 Prozent.

Um den Druck auf die Mitgliedstaaten etwas zu verringern, erlaubt man die Anrechnung von 5 Prozent Reduktion aus Projekten außerhalb der EU.

Unsere Ergebnisse zeigen nun: Die 85 Prozent EU-interne Reduktion stehen im Einklang mit einer kosteneffizienten Transformation zur Klimaneutralität 2050

erklärte Pietzcker.

Deutliche Erhöhung der regenerativen Stromerzeugung

Um eine derart starke Emissionsminderung innerhalb von nur 14 Jahren zu realisieren, muss die EU-Politik ihren bisherigen Erfolg von 37 Prozent Emissionsminderung zwischen 1990 bis 2024 verdoppeln und die Transformation weiter beschleunigen.

Als Orientierung für künftige Maßnahmen liefert das Forschungsteam „Meilensteine“ für 2040 auf Basis einer Modellanalyse und bezogen auf einzelne Sektoren.

Zwei Säulen der Transformation sind der Ausbau von Strom aus erneuerbaren Energien sowie die Elektrifizierung der Energienachfragen. Im Referenzszenario muss die Stromerzeugung aus Wind und Sonne im Jahr 2040 mindestens siebenmal so hoch sein wie noch im Zeitraum von 2018 bis 2022.

Der Anteil von Elektrizität am gesamten Endenergieverbrauch, in den 2010er-Jahren noch ziemlich konstant unter 20 Prozent, muss bis 2040 auf 49 Prozent steigen.

Eine Versiebenfachung des Stroms aus Wind und Sonne erscheint auf den ersten Blick sehr ambitioniert. Bei näherer Betrachtung und unter Einbindung jüngste Erfahrungen könnte dieses Szenario allerdings durchaus machbar sein.

Grundlage dafür ist, dass die erforderliche jährliche Wachstumsrate im Zeitraum 2021 bis 2025 bereits erreicht wurde. Maßgeblich wurde diese Rate durch politische Maßnahmen zur Bewältigung der Energiekrise beschleunigt.

Auch bei der Verkehrswende gab es deutliche Fortschritte: Der EU-Anteil von batterieelektrischen Autos an den Neuzulassungen stieg innerhalb von 6 Jahren von 2 Prozent (2019) auf 19 Prozent (2025). In Norwegen und Dänemark liegt er schon über 80 Prozent.

Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten sinkt um 60 Prozent

Neue Meilensteine liefert die Studie auch bezüglich der für Klimaneutralität unverzichtbaren und bisher so gut wie nicht vorhandenen Fähigkeit, CO₂ aus der Atmosphäre zurückzuholen und in geologischen Formationen dauerhaft zu speichern. Die Kapazitäten müssen von 2030 bis 2040 um jährlich 26 Prozent auf 188 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr steigen.

Der Weg hin zur EU-Klimaneutralität 2050 erscheint gangbar, wenn die EU jetzt die Etappe bis 2040 mit ambitionierter Politik gestaltet

sagte Renato Rodrigues, PIK-Forscher und Leitautor der Studie bei deren Vorstellung.

Eine erfolgreiche Dekarbonisierung könne die EU wirtschaftlich stärker machen – und zudem strategisch unabhängiger.

Die Studie geht davon aus, dass die Nachfrage sowohl nach Erdgas als auch nach Erdöl im Jahr 2040 im Referenzszenario der Modellanalyse um 60 Prozent niedriger liegt als im Zeitraum 2018 bis 2022.

Rodriguez dazu:

Auch wenn die EU wohl weiterhin Energie-Importe braucht, etwa grünen Wasserstoff, Ammoniak oder E-Fuels, wären die Mengen deutlich geringer als bei den derzeitigen fossilen Brennstoffen. Die EU ist also weniger auf auswärtige Energieproduzenten angewiesen.

Fazit

Als Teil meiner positiven Nachrichten zum Themenbereich, Klimaveränderungen und ihre Folgen sollte diese Studie uns alle hoffnungsvoll stimmen. Grundlage für die Umsetzung sind die notwendigen politischen Entscheidungen und die Akzeptanz von Wirtschaft und Gesellschaft zu deren Auswirkungen. Veränderungen brauchen Mut: Mut, sie zu beginnen und Mut, den eingeschrittenen Weg durchzuhalten. Wenn nicht jetzt - inmitten der Krise um die Engpässe bei den fossilen Energieträgern als Zeichen unserer Abhängigkeit - wann dann ?

Weblink zum Artikel:

2040 greenhouse gas reduction targets and energy transitions in line with the EU Green Deal

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