Natur und True Crime: Wetten, dass Sie diese Insel in Tasmanien faszinieren wird?
Sarah Island war die brutalste Sträflingskolonie der englischen Kolonialgeschichte. Heute zählt die UNESCO die Insel und ihre Umgebung zum Weltnaturerbe. Denn sie liegt in einer einzigartigen Naturlandschaft.

Kaum hat das Schiff die „Hell's Gates" und das Inselchen mit dem Leuchtturm passiert, gerät sie in heftige Bewegung. 60 Schiffswracks liegen hier auf dem Grund, hatte Kapitän Pete Thompson trostreich erwähnt, bevor er den Katamaran aus dem Macquarie Harbour in den Südlichen Ozean steuerte. Schnell lenkt er ihn nach dem Abstecher ins Meer zurück in den Naturhafen.
Eine der entlegensten Inseln Australiens
Die Macquarie-Bucht ist entlegen, wild und aufgrund der schweren See draußen auch per Boot nicht leicht zu verlassen. Was heute ihren Reiz ausmacht, qualifizierte sie im frühen 19. Jahrhundert als idealen Unterbringungsort für Verbrecher. 1200 Gefangene, die in Sträflingskolonien anderswo neuerlich negativ aufgefallen waren, arbeiteten ab 1822 auf Sarah Island verschärfte Haftstrafen unter grausigen Bedingungen ab.
Einsam liegt das Inselchen in der weiten Bucht, die den zweitgrößten natürlichen Hafen Australiens bildet. James Kelly war 1815 der erste Europäer, der sein Schiff durch das Höllentor steuerte. Außer für die Unterbringung Gefangener war die Region wegen ihrer Bäume interessant. Seit die Huon-Kiefer, ein mächtiger, uralter Baum aus der Familie der Steineibengewächse, geschützt statt abgeholzt wird, hat die Gegend in Tasmaniens Westen an Bedeutung verloren - zumindest wirtschaftlich.
Die Hälfte Tasmaniens steht unter Naturschutz
51 Prozent Tasmaniens sind heute in Nationalparks und Naturreservaten geschützt; der südöstliche Teil der Macquarie-Bucht ist Teil der „Tasmanian Wilderness", die die UNESCO seit 1982 zum Welterbe zählt. Es ist eines der letzten unberührten Gebiete in einer gemäßigten Klimazone. Regenwald und mehr als 300 gefährdete Arten machen es zu einem faszinierenden Ziel.
Gemächlich gleitet das Schiff von der Bucht in den Gordon River. So dicht ist die Vegetation, dass sofort einleuchtet, warum eine Flucht auf dem Landweg für die auf Sarah Island Inhaftierten noch schwieriger war als übers Wasser. Heute ermöglicht ein Anleger den Landgang. Er führt über einen Steg an bis zu 3000 Jahre alten Bäumen vorbei.
Die Insel liegt so friedlich da, als hätte hier nie ein Arzt Auspeitschungen nur überwacht, um den Tod von Gefangenen gerade noch zu verhindern. Elf Jahre lang blieb Sarah Island Strafkolonie. Eine erfolgreiche Flucht war nahezu aussichtslos. Denn ihren Ruf als meistgefürchtete Haftanstalt erwarb die Gefängnisinsel auch wegen ihrer isolierten Lage.
Vom Höllenknast zur produktiven Werft
Dann kam die Wende: 1829 gab es keinen einzigen Ausbruchsversuch. Auch die Auspeitschungen endeten. Am 31. Mai des Jahres wurde der Arzt gefeuert und musste sich in Hobart vor Gericht verantworten.
Hintergrund der Entwicklungen waren zwei Personalien. Ein neuer Aufseher begann mit den Gefangenen Handel zu treiben. Zugleich kam der schottische Schiffbauer David Hoy auf die Insel. Er motivierte mit höheren Rationen und ersetzte körperliche Strafen durch Ausbildung. Mit Erfolg: Aus dem Höllenknast wurde die produktivste Werft Australiens. Bis 1833 bauten Gefangene, die nicht mehr fliehen wollten, hier 96 Schiffe - bis hin zum 250-Tonner.
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