Teil 2: CDR: die finale Lösung der Klimafrage?

Im ersten Teil meines Nachberichts zur CDR-Konferenz vom 10.- 12. Juni 2026 in Mailand ging es um die wichtige Rolle der Wälder dieser Erde. Sie gelten als „natürliche“ oder „konventionelle“ Speicher von Kohlenstoff.

CDR - mehr als nur Wälder und Pflanzenkohle
CDR - mehr als nur Wälder und Pflanzenkohle

Das Fazit dieses ersten Teils: je mehr Wälder, desto mehr natürliche CO2-Entnahme. Oder im Umkehrschluss: je weniger Wälder durch Abholzung, Brand- oder Sturmschäden, desto geringer fällt die Kohlenstoff-Speicherung nach CO2-Umwandlung aus.

Mit diesem Wissen diskutierten die mehr als 260 Forscher die Chancen, Herausforderungen und Risiken, die mit anderen Methoden der „Kohlendioxidentfernung“ (CDR) verbunden sind.

Viele Begriffe - aber nur ein Ziel

Die nicht-natürlichen CDR-Methoden werden oft als "neuartige", „künstliche" oder "technologische" CDR bezeichnet.

In der eröffnenden Plenarsitzung zum Thema der technologischen CDR erklärte Dr. Morgan Edwards – Assistenzprofessorin an der University of Wisconsin und Hauptautorin des CDR-Berichts 2026-, dass trotz eines sehr geringen Niveaus von nur 0,1% der aktuellen Kohlenstoff-Entnahme durch technologische CDR die diversen Lösungsansätze schnell wachsen würden.

Sie fügte hinzu, dass

… der große Umfang der neuartigen CDR, die wir benötigen, um die Klimaziele zu erreichen, wahrscheinlich erhebliche Kostensenkungen für diese Technologien notwendig macht.

Kohlenstoff-Speicherung im Meer

Ashwin Murphy vom Sabin Center for Climate Change Law, erläuterte den Teilnehmenden die verschiedenen internationalen Abkommen über die „Marine-CDR“. Diese Kategorie beinhaltet vor allem die direkte Speicherung von entnommenem CO2 in den Ozeanen. Eene Nebenwirkung wäre die Erhöhung der Alkalinität im Ozean. Murphy dazu:

So vielversprechend die Marine-CDR auch erscheint, birgt sie auch das Potenzial für Umwelt-, soziale- und andere Schäden. Die Gesetze, die für CDR als Ganzes gelten, sind unklar.

Sie entstammten oft älteren Gesetzen, die in den CDR-Rahmen gezwungen wurden. Dies würde aber auch bedeute, dass sie oft nicht richtig passten.

Das deutsche Forschungsprogramm CDRterra beschäftigt sich unter anderem auch mit der marinen CDR. Ich habe aktuelle Studien, Machbarkeits- und Risikoanalysen am Ende dieses Artikels verlinkt.

Pflanzenkohle als CDR-Methode

Oumaima Rhalem von der Universität Utrecht beschrieb auf der Konferenz in Mailand die Forschung, die das Potenzial von Pflanzenkohle als CDR-Technologie untersuchte. Sie betonte, dass das Potenzial von Biokohle als Maßnahme gegen den Klimawandel von den landwirtschaftlichen Böden und den Ressourcen an Biomasse abhinge.

Auf längere Sicht betrachtet ist die Ausweitung der CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe eine Maßnahme, die den strukturellen Einsatz von Biokohleeinsatzes beeinflussen könne. Dadurch bestünde ihrer Ansicht nach die Option, die Pflanzenkohle von einer „landwirtschaftlichen CDR-Technologie“ zu einer echten „Kohlenstoff-Entfernungstechnologie“ zu transformieren.

Verwirrung bei anderen Methoden

Dr. Leon Stephan, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, stellte die Ergebnisse einer Übersicht der wissenschaftlichen und „grauen“ Literatur zur technologischen CDR vor. Diese umfassen Berichte, Studien, Whitepaper und andere Auswertungen, und zwar für einen Zeitraum bis 2023.

Die Zusammenfassung beinhaltet Überwachung, Berichtswesen und Überprüfungen, oder in englischer Fachsprache „Monitoring, Reporting and Verification“ (MRV).

Er stellte ein „exponentielles Wachstum“ in der MRV-Literatur fest. Allerdings würden sich zwei Drittel der 184 bewerteten Publikationen auf „konventionelle“ CDR-Ansätze wie Aufforstung und Entwaldung konzentrierten.

Auf der anderen Seite würden marine CDR, DAC, DACCS und BECCS in der MRV-Literatur "selten untersucht". Die Analyse von Dr. Stephan zeigte auch, dass Definitionen in MRV-Betrachtungen inkonsequent verwendet wurden.

Von DAC, DACCS und BECCS

Es ist an dieser Stelle notwendig, die Begriffe zu den genannten Technologien näher zu erklären, wie ich das bei der marinen CDR bereits getan habe.

Beginnen wir mit DAC, also Direct Air Capture. Der Begriff steht für die direkte „Absaugung“ unter Verwendung von chemischen oder physikalischen Prozessen, um CO2 direkt aus der Umgebungsluft zu extrahieren.

Wenn das über komplexe Technologien extrahierte CO2 anschließend in einer sicheren Langzeitspeicherung als Kohlenstoff gespeichert wird, wandelt sich der Begriff in DACCS um, also in Direct Air Capture and Carbon Storage. DACCS im Gesamtprozess umfasst also die direkte Luftkohlenstoffabscheidung und -bindung bezeichnet, wodurch die Entfernung von CO2 aus der Luft tatsächlich erreicht wird.

Carbon Capture and Storage: wie speichern wir entnommenen Kohlenstoff?
Carbon Capture and Storage: wie speichern wir entnommenen Kohlenstoff?

BECCS basiert auf Bioenergie: Bio-Energy with Carbon Capture and Storage. Der Prozess beschreibt eine Kohlenstoffabscheidung und -speicherung über die Gewinnung von Bioenergie aus Biomasse und der Erfassung und Speicherung des erzeugten CO2.

Treibhausgasemissionen aus Bioenergie können gering sein. Wenn die Vegetation für Bioenergie geerntet wird, kann neue Vegetation wachsen, die wieder CO2 aus der Luft durch Photosynthese absorbiert.

Nach der Ernte dieser Biomasse wird Energie in nützlichen Formen gewonnen, da die Biomasse durch Verbrennung, Fermentierung, Pyrolyse oder andere Umwandlungsmethoden genutzt wird.

Weiterführende Links zu den genannten Methoden habe ich am Ende des Artikels genannt.

IPCC CDR-Methodikbericht zu CDR

Die Konferenz fand im Vorfeld einer Veröffentlichung des IPCC (uns als Weltklimarat bekannt) statt. Im Jahr 2027 plant das IPCC, einen Methodikbericht über CDR-Technologien zu veröffentlichen.

Der Bericht wird von der Task Force on National Greenhouse Gas Inventories erstellt. Das ist die Gruppe innerhalb des IPCC, die für die international vereinbarten Methoden für die Berechnung der Treibhausgasemissionen und deren Reduzierung zuständig ist.

Dr. Oliver Geden, Senior Fellow am Deutschen Institut für Internationale und Sicherheitspolitische Angelegenheiten (SWP) und stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe III für den siebten Bewertungszyklus des IPCC, sagte gegenüber Carbon Brief, dass der Bericht Experten für CDR-Methoden sowie Spezialisten für die Zusammenstellung von Treibhausgaskontigenten zusammenbringen wird.

Der Methodikbericht unterscheide sich von früheren Klimainventarberichten dadurch, dass er viele der Lösungen, für die er Richtlinien erarbeiten würde, noch nicht in großem Maßstab existieren:

Seiner Ansicht nach sei der geplante Methodikbericht ein "Start". Er signalisiere, dass die politischen Entscheidungsträger begonnen hätten, CDR über die Forstwirtschaft hinaus ernst zu nehmen.

Im Allgemeinen steht die konventionelle CDR derzeit im Mittelpunkt der Politik. Dabei konzentrieren sich verschiedene Regierungen auf die Baumpflanzung konzentrieren, um CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen.

Ein Fazit der Konferenz war sehr eindeutig:

Nachdem die Treibhausgasemissionen auch weiterhin nicht zurückgehen würden, sei konventionelle- und technologische CDR ein wichtiger Weg, überschüssiges emittiertes CO2 aus fossiler Energieerzeugung zumindest teilweise wieder aus der Atmosphäre zu entfernen, beziehungsweise nicht in die Atmosphäre gelangen zu lassen.

Eine Gedankenansatz von mir dazu: wenn sich die Welt darauf verständigen könnte, die großen Ölkonzerne als Verursacher und Profiteure der Klimakrise an den Aufbaukosten für eine CDR-Struktur zu beteiligen, wäre alles viel einfacher.

Diese haben alleine im Zeitraum von 2020 bis 2025 deutlich über eine Billion US-Dollar an Nettogewinnen erzielt. Schätzungen gehen von1,4 Billionen US$ aus. Fast die Hälfte davon, und zwar ca. 0,8 Billionen US$ flossen über Dividenden und Aktienrückkäufe an die jeweiligen Eigentümer zurück.

Ein finanzieller Spielraum für eine Kostenbeteiligung ist also vorhanden.

Artikelreferenz

CDterra.com. Zusmmenfassung zur marinen CDR.
Ajay Gambhir, Massimo Tavoni. (2019). Direct Air Carbon Capture and Sequestration: How It Works and How It Could Contribute to Climate-Change Mitigation.
Drax.com. (2026). Beschreibung zu BACCS.