Schmetterlinge weichen dem Klimawandel aus: Lebensräume verschieben sich weltweit

Schmetterlinge reagieren weltweit auf den Klimawandel. Eine internationale Studie mit Daten zu 1758 Arten zeigt, dass sich die Verbreitungsgebiete der farbenfrohen Insekten vielfach verschieben. Besonders in tropischen Regionen könnte sich die fortschreitende Erwärmung negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

Schmetterlinge sind äußerst temperaturempfindlich und spiegeln deshalb besonders gut die Auswirkungen des Klimawandels wider. Bild: jggrz/Pixabay
Schmetterlinge sind äußerst temperaturempfindlich und spiegeln deshalb besonders gut die Auswirkungen des Klimawandels wider. Bild: jggrz/Pixabay

Schmetterlinge können Umweltveränderungen besonders gut anzeigen. Sie reagieren rasch auf Temperaturänderungen und Wetterextreme, weshalb an ihnen auch zu erkennen ist, wie Ökosysteme vom Klimawandel beeinflusst werden. Wissenschaftler haben nun erstmals das Ausmaß dieser Entwicklungen weltweit untersucht.

Für die im Fachjournal Nature Ecology and Evolution veröffentlichte Studie wurden Daten zu 1758 Schmetterlingsarten ausgewertet. Grundlage waren rund 7000 wissenschaftliche Arbeiten aus 105 Ländern sowie Experteneinschätzungen aus 49 Staaten. Die Daten reichen bis ins Jahr 1991 zurück und ermöglichen einen einzigartigen Überblick, wie sich die Verbreitungsgebiete verschieben.

Arten breiten sich durch den Klimawandel aus

Die Forschenden dokumentierten mehr als 6000 Nachweise von Arealverschiebungen, von denen es drei dokumentierte Formen gibt: horizontale Ausweitungen, horizontale Verkleinerungen und Höhenverschiebungen. Rund 80 Prozent der untersuchten Arten weiteten ihr Verbreitungsgebiet aus und besiedelten neue, klimatisch geeignete Regionen. Bei etwa 27 Prozent der Arten wurde das bisherige Verbreitungsgebiet kleiner. Rund 22 Prozent verlagerten ihren Lebensraum in höhere oder niedrigere Lagen.

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die für Schmetterlinge geeignete Fläche um etwa zwei Drittel zurückgehen. Bild: Willfried Wende/Pixabay
Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die für Schmetterlinge geeignete Fläche um etwa zwei Drittel zurückgehen. Bild: Willfried Wende/Pixabay

Diese Veränderungen stehen überwiegend mit der Erderwärmung und extremen Wetterereignissen in Verbindung, sagen die Forschenden. Insgesamt wurden 79 Prozent der beobachteten Arealverschiebungen darauf zurückgeführt. Weitere häufige Ursachen sind Landwirtschaft und Aquakultur sowie menschliche Eingriffe und Störungen.

Analysen zeigen, dass bis zum Jahr 2100 die für Schmetterlingsarten geeignete geografische Fläche aufgrund der besonderen thermischen Ansprüche um bis zu 64 % zurückgehen könnte. Die Studie zeigt zudem, dass Ausbreitungen und Rückzüge in gemäßigten Breiten und in tropischen Regionen gleichermaßen stattfinden.

„Durch die Kombination von internationalen wissenschaftlichen Publikationen, lokaler Expertenmeinungen und nicht-englischsprachigen Quellen konnten wir ein viel umfassenderes Bild der weltweiten Artenverschiebungen erstellen als es herkömmliche Datenerhebungen ermöglichen“, sagt Dr. Kerstin Jantke Dr. Kerstin Jantke vom Exzellenzcluster Climate, Climatic Change, and Society (CLICCS) an der Universität Hamburg.

Tropische Arten besonders gefährdet

Gerade für Schmetterlinge in den Tropen ist die Lage riskant. Viele Arten leben bereits nahe ihrer physiologischen Temperaturgrenzen und verfügen deshalb über geringe Spielräume, um sich an weitere Erwärmung anzupassen. Gleichzeitig werden in zahlreichen tropischen Regionen natürliche Lebensräume weiter zerstört.

In 32 Ländern auf allen sechs Kontinenten wiesen mindestens 25 % der Schmetterlingsarten eine Verschiebung auf, in zehn Ländern mehr als 50 %, in Schweden sogar 85 %. Bild: minka2507/Pixabay
In 32 Ländern auf allen sechs Kontinenten wiesen mindestens 25 % der Schmetterlingsarten eine Verschiebung auf, in zehn Ländern mehr als 50 %, in Schweden sogar 85 %. Bild: minka2507/Pixabay

„Schon eine geringe weitere Erwärmung des Klimas könnte hier rasch zum Aussterben von Arten führen, zumal die Zerstörung von Lebensräumen in den Tropen weiter schnell voranschreitet“, warnt Jantke. Steigende Temperaturen bei anhaltendem Lebensraumverlust könne den Anpassungsdruck erheblich verstärken.

Die Untersuchung erfasste ausschließlich, wie sich Verbreitungsgebiete verändern, nicht jedoch die Bestandsgrößen einzelner Arten. Dennoch existieren zahlreiche Hinweise, dass Schmetterlingspopulationen weltweit und auch in Deutschland zurückgehen. Die Wissenschaftler plädieren deshalb für international abgestimmte Monitoringprogramme sowie die Ansprüche von Insekten bei der Gestaltung von Schutzgebieten stärker zu berücksichtigen.

Artikelreferenz

Chowdhury, S., Aich, U., Antão, L. H., et al. (2026). Extensive climate-induced range shifts in butterflies across the globe. Nature Ecology & Evolution.