Schmetterlinge weichen dem Klimawandel aus: Lebensräume verschieben sich weltweit
Schmetterlinge reagieren weltweit auf den Klimawandel. Eine internationale Studie mit Daten zu 1758 Arten zeigt, dass sich die Verbreitungsgebiete der farbenfrohen Insekten vielfach verschieben. Besonders in tropischen Regionen könnte sich die fortschreitende Erwärmung negativ auf die Artenvielfalt auswirken.

Schmetterlinge können Umweltveränderungen besonders gut anzeigen. Sie reagieren rasch auf Temperaturänderungen und Wetterextreme, weshalb an ihnen auch zu erkennen ist, wie Ökosysteme vom Klimawandel beeinflusst werden. Wissenschaftler haben nun erstmals das Ausmaß dieser Entwicklungen weltweit untersucht.
Für die im Fachjournal Nature Ecology and Evolution veröffentlichte Studie wurden Daten zu 1758 Schmetterlingsarten ausgewertet. Grundlage waren rund 7000 wissenschaftliche Arbeiten aus 105 Ländern sowie Experteneinschätzungen aus 49 Staaten. Die Daten reichen bis ins Jahr 1991 zurück und ermöglichen einen einzigartigen Überblick, wie sich die Verbreitungsgebiete verschieben.
Arten breiten sich durch den Klimawandel aus
Die Forschenden dokumentierten mehr als 6000 Nachweise von Arealverschiebungen, von denen es drei dokumentierte Formen gibt: horizontale Ausweitungen, horizontale Verkleinerungen und Höhenverschiebungen. Rund 80 Prozent der untersuchten Arten weiteten ihr Verbreitungsgebiet aus und besiedelten neue, klimatisch geeignete Regionen. Bei etwa 27 Prozent der Arten wurde das bisherige Verbreitungsgebiet kleiner. Rund 22 Prozent verlagerten ihren Lebensraum in höhere oder niedrigere Lagen.

Diese Veränderungen stehen überwiegend mit der Erderwärmung und extremen Wetterereignissen in Verbindung, sagen die Forschenden. Insgesamt wurden 79 Prozent der beobachteten Arealverschiebungen darauf zurückgeführt. Weitere häufige Ursachen sind Landwirtschaft und Aquakultur sowie menschliche Eingriffe und Störungen.
Analysen zeigen, dass bis zum Jahr 2100 die für Schmetterlingsarten geeignete geografische Fläche aufgrund der besonderen thermischen Ansprüche um bis zu 64 % zurückgehen könnte. Die Studie zeigt zudem, dass Ausbreitungen und Rückzüge in gemäßigten Breiten und in tropischen Regionen gleichermaßen stattfinden.
„Durch die Kombination von internationalen wissenschaftlichen Publikationen, lokaler Expertenmeinungen und nicht-englischsprachigen Quellen konnten wir ein viel umfassenderes Bild der weltweiten Artenverschiebungen erstellen als es herkömmliche Datenerhebungen ermöglichen“, sagt Dr. Kerstin Jantke Dr. Kerstin Jantke vom Exzellenzcluster Climate, Climatic Change, and Society (CLICCS) an der Universität Hamburg.
Tropische Arten besonders gefährdet
Gerade für Schmetterlinge in den Tropen ist die Lage riskant. Viele Arten leben bereits nahe ihrer physiologischen Temperaturgrenzen und verfügen deshalb über geringe Spielräume, um sich an weitere Erwärmung anzupassen. Gleichzeitig werden in zahlreichen tropischen Regionen natürliche Lebensräume weiter zerstört.

„Schon eine geringe weitere Erwärmung des Klimas könnte hier rasch zum Aussterben von Arten führen, zumal die Zerstörung von Lebensräumen in den Tropen weiter schnell voranschreitet“, warnt Jantke. Steigende Temperaturen bei anhaltendem Lebensraumverlust könne den Anpassungsdruck erheblich verstärken.
Die Untersuchung erfasste ausschließlich, wie sich Verbreitungsgebiete verändern, nicht jedoch die Bestandsgrößen einzelner Arten. Dennoch existieren zahlreiche Hinweise, dass Schmetterlingspopulationen weltweit und auch in Deutschland zurückgehen. Die Wissenschaftler plädieren deshalb für international abgestimmte Monitoringprogramme sowie die Ansprüche von Insekten bei der Gestaltung von Schutzgebieten stärker zu berücksichtigen.
Artikelreferenz
Chowdhury, S., Aich, U., Antão, L. H., et al. (2026). Extensive climate-induced range shifts in butterflies across the globe. Nature Ecology & Evolution.