Nordsee im Wandel: Weniger, aber dafür heftigere Stürme – sieht so die Zukunft aus?
Künftig könnten über dem Nordostatlantik und der Deutschen Bucht weniger Stürme auftreten – doch wenn besonders starke entstehen, werden diese womöglich noch heftiger ausfallen als bisher. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse.

Stürme über dem Nordostatlantik und der Deutschen Bucht verursachen regelmäßig schwere Schäden. Sie bedrohen Küsten, Infrastrukturen und die Sicherheit der Menschen. Wie sich die Wetterextreme jedoch durch den Klimawandel verändern werden, ist bisher nicht klar.
Genau hier setzt eine aktuelle Untersuchung des Helmholtz-Zentrums Hereon und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie an. Die Forschenden wollten wissen, ob Häufigkeit, Stärke und Zugbahnen der Stürme sich künftig verändern werden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Earth System Dynamics veröffentlicht.
In der Studie wurden 32 CMIP6-Klimamodelle sowie Simulationen des Max-Planck-Instituts verwendet. Dabei wurden historische Daten seit 1850, Beobachtungen aus Nordatlantik und Deutscher Bucht sowie drei Emissionsszenarien ausgewertet. Anhand von Winddaten und Windrichtungsänderungen konnten natürliche Klimaschwankungen erfasst werden.
Weniger Ereignisse, stärkere Spitzen
Über alle betrachteten Emissionsszenarien hinweg deutet sich ein Rückgang der Sturmaktivität an. Sowohl für den Nordostatlantik als auch für die Deutsche Bucht sagen die Modelle im Mittel weniger Stürme voraus.
Doch Entwarnung kann nur mit äußerster Vorsicht gegeben werden. Denn während die Gesamtzahl sinkt, könnten besonders kräftige Stürme in der Deutschen Bucht noch heftiger ausfallen als heute.

Außerdem werden häufiger West- und Nordwestwinde erwartet. Die Windrichtungen sind besonders relevant für die Entstehung von Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste.
Andere Zugbahnen als Ursache?
Auffällig ist der regionale Unterschied, denn während extrem starke Stürme in der Deutschen Bucht zunehmen könnten, zeigen die Modelle für den Nordatlantik insgesamt eher einen Rückgang solcher Extremereignisse. Das spricht dafür, dass sich die typischen Zugbahnen der Sturmsysteme verschieben, sodass andere Regionen häufiger oder intensiver getroffen werden könnten.
Die Studie würde zeigen, dass es nicht ausreicht, sich allein auf die Analyse von Mittelwerten zu beschränken, sagt Erstautor Dr. Daniel Krieger. „Erst durch eine differenzierte Betrachtung von Stürmen verschiedener Stärken entdecken wir, dass die Modelle die stärksten Stürme in der Zukunft noch intensiver vorhersagen.“ Sein Kollege Dr. Ralf Weisse vom Hereon-Institut für Küstensysteme bestätigt: „Die stärksten Stürme zeigen tatsächlich eine mögliche Zunahme.“
Die neuen Erkenntnisse sollen nun mit Analysen zu Sturmfluten und Wellenhöhen kombiniert werden. Dabei sollen Risiken für Küstenschutzanlagen, Häfen und maritime Infrastruktur genauer bewertet werden.
Die Ergebnisse fließen unter anderem in die Forschungsprojekte WAKOS im Rahmen der Fördermaßnahme RegiKlim sowie in METAscales innerhalb der Mission mareXtreme ein. Beide Initiativen befassen sich mit Extremereignissen und Naturgefahren an den Küsten.
Quellenhinweis:
Krieger, D., & Weisse, R. (2026): CMIP6 multi-model assessment of Northeast Atlantic and German Bight storm activity. Earth System Dynamics, 17, 1–21.