Klimawandel im Fernsehen: Für Klimadebatten weiterhin das Hauptmedium – allerdings eher für Überzeugte

Eine großangelegte Studie belegt den weiterhin großen Einfluss des Fernsehens auf die Klimakommunikation. Trotz hoher Reichweite werden neue Zielgruppen jedoch nur schlecht erreicht. Gesellschaftliche Debatten lassen sich immer schwerer breit verankern.

Das Fernsehen hat immer noch einen hohen Stellenrang in der Klimadebatte, erreicht jedoch immer weniger neue Zielgruppen. Bild: George Coletrain/Unsplash
Das Fernsehen hat immer noch einen hohen Stellenrang in der Klimadebatte, erreicht jedoch immer weniger neue Zielgruppen. Bild: George Coletrain/Unsplash

Klimadebatten werden immer öfter in den sozialen Medien ausgetragen. Forschende konnten nun jedoch zeigen, dass auch klassische TV-Angebote für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Klimawandel immer noch relevant sind. Dennoch lassen sich längst nicht mehr alle Teile der Bevölkerung erreichen. Auch die Forschung hat sich beim Klimawandel bisher stark auf die sozialen Medien konzentriert.

„Weniger untersucht ist dagegen, welche Rolle klassische Rundfunkmedien für eine verständigungsorientierte und demokratiestärkende Kommunikation beispielsweise beim Thema Klimawandel spielen.“

– Prof. Dr. Imke Hoppe, Wissenschaftskommunikation und Klimabildung, Ludwig-Maximilians-Universität München

Um zu zeigen, dass das Fernsehen neben dem reinen Informieren auch zur Konsensbildung beiträgt, haben Forschende mehrerer deutscher Universitäten nun einen außergewöhnlich breiten Datensatz ausgewertet. Im Zeitraum von Anfang September bis Anfang November 2022 analysierten die Wissenschaftler das Programm von 20 deutschen Fernsehsendern, wobei insgesamt 23.478 Stunden Sendematerial in die Untersuchung einflossen. Die Untersuchung wurde durch eine repräsentative Befragung von 1445 Zuschauenden ergänzt.

Klassische sozialwissenschaftliche Methoden wurden um KI-gestützte Verfahren erweitert, unter anderem automatisierte Bild- und Audioanalysen, intelligente Transkription, Gesichtserkennung und Textanalyse, mit denen sich letztlich etwa 1,8 Millionen Sendeminuten systematisch auswerten ließen. Vergleichbare Studien existieren bisher kaum.

Klimathemen präsent, aber nicht dominierend

Die in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlichte Studie zeigt, dass der Klimawandel im Fernsehen zwar sichtbar, jedoch nicht führend ist: Rund 80 Prozent der entsprechenden Inhalte finden sich in Nachrichten- und Informationsformaten wieder. Unterhaltungsformate spielen mit etwa 20 Prozent eine eher geringe Rolle.

Im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Fragen rangiert das Thema nur im Mittelfeld. Im untersuchten Zeitraum lag der Klimawandel hinter Themen wie sozialen Fragen, Krieg und Wirtschaft, was verdeutlicht, wie stark aktuelle Krisen die mediale Agenda regieren.

Differenz zwischen wahrgenommener und gewünschter Darstellung sozialer Gruppen in der Klimaberichterstattung im Fernsehen. Bild: Hoppe et al., 2026
Differenz zwischen wahrgenommener und gewünschter Darstellung sozialer Gruppen in der Klimaberichterstattung im Fernsehen. Bild: Hoppe et al., 2026

Verschiedene gesellschaftliche Gruppen werden im Fernsehen nur ungleich repräsentiert. Beispielsweise waren von knapp 72.000 analysierten Gesichtern nur etwa 34 Prozent weiblich. Die ungleiche Sichtbarkeit wirkt sich laut Studie negativ auf die Wahrnehmung des Fernsehens als inklusiver Diskussionsraum aus. Eine vielfältigere Darstellung könnte mehr Menschen ansprechen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen.

Reichweitenproblem bei Skeptikern

Was die Wirkung der Klimaberichterstattung auf das Publikum betrifft, ergab die Befragung, dass vor allem bereits interessierte Menschen entsprechende Inhalte nutzen. Personen mit skeptischer oder distanzierter Haltung werden deutlich seltener erreicht. Die Studie bezeichnet das Phänomen als Reichweiten-Asymmetrie.

Reichweiten-Asymmetrie bedeutet, dass Fernsehen zwar seine Informationsfunktion erfüllt, jedoch eher bestehende Einstellungen verstärkt. Neue Zielgruppen bleiben häufig außen vor.

Im Untersuchungszeitraum traten gleich mehrere Krisen auf, wie der Krieg in Europa, steigende Energiepreise und wirtschaftliche Unsicherheiten. Die dominierten die Berichterstattung und verdrängten langfristige Herausforderungen wie den Klimawandel. Das zeigt, dass mediale Aufmerksamkeit stark von aktuellen Ereignissen abhängt, was wiederum Fragen zu den Prioritäten der Medien aufwirft.

Forderung nach neuen Formaten

Um breitere Bevölkerungsschichten zu erreichen, seien neue Erzählformen notwendig, so die Forschenden. Gefordert werden unter anderem vielfältigere Darstellungen, inklusivere Perspektiven und Formate jenseits klassischer Nachrichten. Ziel müsse es sein, Klimathemen stärker im Alltag der Menschen zu verankern.

Klimathemen machten lediglich 2,2 Prozent der gesamten Sendezeit aus – deutlich weniger als soziale Fragen, Krieg oder Wirtschaft. Bild: Hoppe et al., 2026
Klimathemen machten lediglich 2,2 Prozent der gesamten Sendezeit aus – deutlich weniger als soziale Fragen, Krieg oder Wirtschaft. Bild: Hoppe et al., 2026

Zugleich stellt sich die Frage, welche Verantwortung insbesondere öffentlich-rechtliche Sender in der fragmentierten Medienlandschaft tragen. Die Studie liefert damit wichtige Ansätze für die zukünftige Ausrichtung der Klimakommunikation im Fernsehen.

Quellenhinweis:

Hoppe, I., Dörpmund, F., Weigel, C. et al. (2026): Climate change on television reaches the engaged but misses distant audiences. Nature Climate Change, 16, 288–296.