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Hurrikans unter der Lupe: Faszinierend und zerstörerisch zugleich!

Letzte Woche sorgte der Hurrikan IAN für eine Spur der Verwüstung mit mindestens 50 Toten besonders im US-Bundesstaat Florida. Doch wie entsteht eigentlich ein Hurrikan und was macht ihn so gefährlich? Was hat es mit dem "Auge" auf sich?

Hurrikan
Charakteristisch ist das Auge im Zentrum eines Hurrikans

Der Begriff Hurrikan stellt einen Begriff für einen tropischen Wirbelsturm dar. Diese Bezeichnung wird in den Anrainerstaaten des Nordatlantik, einschließlich des Golfes von Mexiko und des Karibischen Meeres, sowie des Nordost-Pazifik angewendet. Damit ein tropischer Sturm als Hurrikan eingestuft wird, muss er eine Windstärke von mindestens 119 km/h aufweisen.

Dabei ist ein tropischer Wirbelsturm ein sehr komplexes Gebilde. Im Anfangsstadium besteht er aus einer Ansammlung von Schauern und Gewittern, die sich zu einem tropischen Tief formieren. Der klassische Hurrikan weist dabei im Zentrum ein Auge auf, um das herum sich der Ring mit dem extremsten Wetter windet. Trifft er auf Land, kann er hier schlimmste Zerstörungen anrichten. Dabei sind nicht nur die Windgeschwindigkeiten das Problem, sondern oft auch die extremen Regenfälle und Sturmfluten.

Die Entstehung von Hurrikans

Die Hurrikan-Saison im Nordatlantik erstreckt sich in der Regel von Juni bis November über den Meeresgebieten, die dafür günstige Bedingungen aufweisen. Hierzu zählen neben einer Wassertemperatur größer 26 Grad auch eine geringe Windscherung sowie die Annäherung einer sogenannten tropischen Wellenstörung.

Die tropischen Wellenstörungen bilden sich zumeist über dem nordafrikanischen Festland aus Zusammenballungen von Gewitterwolken und wandern dann mit der tropischen östlichen Höhenströmung (Urpassat) in die östlichen oder zentralen Regionen des tropischen Nordatlantiks. Dort können sie sich, insbesondere nach Energiezufuhr durch Verdunstung von der mehr als 27 Grad warmen Meeresoberfläche, bis hin zur tropischen Zyklone in Hurrikanstärke weiterentwickeln.

Da Hurrikans ihre Energie aus dem Wasser beziehen und bis zu 500 Kilometer Durchmesser besitzen, ist eine genügend große, zusammenhängende Meeresoberfläche eine weitere Voraussetzung. Zusätzliche Bedingung ist die Wirkung der Corioliskraft, durch deren Ablenkung es zu der typischen Wirbelbildung kommt. Da die Corioliskraft erst in einem Abstand von mindestens 5-8° vom Äquator wirksam wird, gibt es in unmittelbarer Nähe des Äquators keine tropischen Wirbelstürme.

Eine wichtige Rolle spielt auch die durch die Temperaturschichtung bedingte Stabilität der Atmosphäre. Je stärker das Temperaturgefälle mit der Höhe ist, desto stärker ist der Antrieb für den Aufstieg warmer Luft, was die Entwicklung von tropischen Zyklonen begünstigt.

Das "Auge" ist ein nahezu kreisrundes Gebilde mit vergleichsweise schwachen Winden im Zentrum des Hurrikan. Oft ist es hier sogar windstill und wolkenlos. Zudem ist das Auge das Gebiet mit dem niedrigsten Luftdruck und den höchsten Temperaturen. Der Durchmesser des Auges beträgt meist 30-60 Kilometer, kann in Extremfällen aber auch zwischen 8 und über 200 km variieren!

Umgeben ist das Auge von der "eyewall", einem kreisförmigen Ring mit hochreichenden Schauern und Gewittern. Hier herrschen die höchsten Windgeschwindigkeiten innerhalb des tropischen Wirbelsturms vor. Die Entstehung des Auges ist noch etwas umstritten. Das Absinken der Luft und damit das wolkenfreie Auge wird durch zwei Prozesse bestimmt: Einmal durch die Zentrifugalkraft, die Luft aus dem Auge in die eyewall transportiert und damit das Absinken in der Luft auslöst. Zum anderen bewirkt die Konvektion (Schauer und Gewitter) in der eyewall ebenfalls ein Absinken im Zentrum.

Hurrikans rasen nicht

Auch wenn in einigen Medien gerne von einem Hurrikan gesprochen wird, der "auf die Küste zurast", so ist die Zuggeschwindigkeit der Stürme selbst mit 15 bis 30 Kilometern pro Stunde eher gemächlich. Aber genau das macht ihn so gefährlich, denn heftiger Regen und Sturm verbleiben sehr lange Zeit über einem Ort.

Nach verheerenden Hurrikans Ende der 1960er Jahre entwickelten Experten eine Skala, die Hurrikans in verschiedene Stärkeklassen einstuft. Im Jahre 1971 entwarfen der Ingenieur Herbert Saffir und der damalige Direktor des National Hurricane Centers in Miami/Florida, Bob Simpson, die nach ihnen benannte und noch heute gültige Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala.

Hurrikan-Kategorien nach der Saffir-Simpson-Skala

Beim Hurrikan IAN in der vergangenen Woche traten Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde auf, somit wurde er als Hurrikan der Stufe 4 von 5 eingestuft. Das ist schon im absoluten Spitzenfeld. Nur vier Hurrikans waren bislang stärker, als sie in Florida an Land trafen. Die Kategorien beziehen sich jedoch allein auf die maximalen Windgeschwindigkeiten, nicht auf die Gefahr von Sturmfluten und Starkregen.