Gute Wirkung von Ackerterrassen auf Natur und Umwelt

Ackerterrassen sind in allen Weltgegenden weit verbreitet. In Deutschland bestehen bis heute terrassierte Anbauflächen vor allem im Weinbau. Sehr unklar war bisher der Einfluss dieser Anbauform auf das Klima. Forschende der Universität Salzburg haben nun versucht, das Rätsel zu entschlüsseln.

Terrassenfelder in Vietnam

Das Anlegen von Terrassen ist in der Landwirtschaft eine alte und auf der ganzen Welt verbreitete Technik. Mit mühsamer Handarbeit haben es Generationen von Menschen vor unserer Zeit geschafft, auch steilere und steile Hänge zu bewirtschaften.

Auch heute werten in vielen Gegenden der Welt wieder verstärkt Ackerflächen in terrassierter Form angelegt. Im Europa der teuren Arbeitskräfte ist diese durch maschinelle Unterstützung nur schwer zu bewirtschaftende Anbauform dagegen eher rückläufig ist.

Ein internationales Studienprojekt beleuchtete nun, wie diese Landschaftsform im Hinblick auf den Klimawandel abschneidet und kam zu überraschenden, positiven Ergebnissen.

Gute Idee – wenig genutzt

In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD erklärte Andreas Lang, Leiter der Arbeitsgruppe Geomorphologie an der Universität Salzburg, dass Ackerbau auf Terrassen in vielerlei Hinsicht eine hervorragende Idee sei.

Terrassierte Ackerflächen tragen bei entsprechender Ausrichtung der Landschaft zu einer erhöhten landwirtschaftlichen Produktion bei. Ferner verringern die angelegten Flächen auch die Bodenerosion und verbessern den Wasserhaushalt der Böden.

Nach den Untersuchungen der Arbeitsgruppe im Rahmen der Studie spielen sie eine nicht zu unterschätzende Rolle für den Artenschutz. Besonders beachtenswert sind vor allem die Bereiche zwischen den einzelnen Ebenen, die vielen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum bieten, der auf nicht terrassierten Flächen kaum oder nur noch schwer zu finden ist.

Besonders attraktiv sind Ackerterrassen, wenn sie von Trockensteinmauern gestützt werden. Dann bieten sie Zuflucht, Überwinterungs- oder Jagdrevier für bis zu 100 Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, wie die Zaun- und die Smaragdeidechse oder diverse Laufkäfer.

Speicher oder Emittent?

Beim Anlegen von Terrassen muss allerdings der Untergrund aufgerissen werden, um ebene Zeilen zu erzeugen, auf denen dann der landwirtschaftliche Anbau erfolgen kann.

Dabei gelangt unweigerlich im Boden gespeichertes klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre. Dieser Effekt ist allerdings nur kurzfristig, denn das folgende Pflanzenwachstum und diverse bodenbildende Prozesse sorgen im Laufe der Zeit dafür, dass Kohlendioxid in den Terrassenböden wieder gebunden wird.

Europaweite Studie

Eine mit Mitteln des European Research Councils finanzierte und europaweite Studie befasste sich unter anderem mit der Kohlenstoff-Bilanz, die bei der „Gegenrechnung“ zwischen Emission bei der Anlage und Speicherung beim Anbau entsteht.

Untersucht wurden dafür insgesamt 14 Stellen in Spanien, Italien, Griechenland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Norwegen. Damit hat man ein geographisch, sehr umfassendes, weites Feld analysiert, was auch in Hinblick auf das jeweilige Klima von Bedeutung ist.

Forschende der Universität Salzburg, der Universitäten Barcelona, Padua, Louvain, Southampton und Guangdong, der ETH Zürich und des UK Centre for Ecology and Hydrology unter der Leitung der Arktischen Universität von Norwegen haben im Rahmen der Studie terrassierte und nicht terrassierte landwirtschaftlich genutzte Hänge in Bezug auf ihr Kohlenstoff-Verhalten untersucht.

Das Ergebnis wurde kürzlich im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht. Wenig überraschend stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass die Ergebnisse je nach klimatischer Lage der Terrasse deutliche Unterschiede aufweisen.

In Gebieten mit ausreichend Niederschlag wird der Kohlenstoff, der beim Bau der Strukturen in die Atmosphäre entweicht, relativ rasch kompensiert. Dafür sorgen zum einen die angebauten Pflanzen, die für ihr Wachstum Kohlendioxid benötigen. Dieses binden sie und speichern es nach ihrem Absterben als Pflanzenrest im Boden.

Auch biochemische Vorgänge im Boden selbst spielen eine Rolle. Feuchte Böden enthalten viele reaktionsfähige Metall-Oxide, die mit organischen Stoffen stabile Verbindungen eingehen und so über lange Zeit den Kohlenstoff in der Erde halten.

In trockenen Gebieten hingegen ist der Untergrund reich an chemischen Substanzen, die keine stabilen Verbindungen eingehen. Dies führt dazu, dass Kohlendioxid leichter ausdünsten kann. In Anbetracht diese Besonderheit kann die Kohlenstoff-Bilanz einer Terrasse im schlimmsten Fall auch negativ ausfallen.

Allerdings wurde dieser Effekt nur bei einer der 14 untersuchten Flächen bestätigt, während auf den restlichen 13 die terrassierten Hänge eine bessere Bilanz als die nicht terrassierten Flächen aufwiesen.

Positive Effekte weichen Profit

In bestimmten Gegenden ist also Vorsicht geboten, wenn man neue Terrassen anlegen will. Das ändert im Grundsatz jedoch nichts daran, dass bestehende Terrassen unbedingt erhalten werden sollten, wie Andreas Lang dem STANDARD erklärte. Eine Aufgabe beziehungsweise eine Zerstörung dieser Flächen für zwangsläufig dazu, dass der in den Böden gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt wird.

Wie es mit den Steil- oder Stufenhängen in Europa weitergeht, lässt sich schwer vorhersagen. Gerade in Deutschland verschwinden in vielen Gegenden alte Kulturlandschaften unter ertrags- und damit profitgetriebenen Projekten, die sich kaum bis für die positiven Effekte auf Umwelt- und Naturschutz bzw. auf die Klimabilanz der früheren Wirtschaftsformen interessieren.

Beachtenswerte ist laut der Studie allerdings, dass weltweit gesehen Terrassierungen auf dem Vormarsch sind, wie beispielsweise in vielen Teilen Asiens, wo eine kleinteilige bäuerliche Landwirtschaft dominiert.

Link zur Studie

Coupled geomorphic and climate-driven biogeochemical processes regulate soil organic carbon stocks in agricultural terraces

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