Geschichte der Sahara: Neue Studie enthüllt abrupte Klimaschwankungen über 10.800 Jahre hinweg
Ein besonderer Bohrkern aus der Sahara liefert neue Erkenntnisse zur Klimageschichte Nordafrikas. Offenbar wurden selbst lange Feuchtphasen immer wieder von abrupten Trockenzeiten unterbrochen, und das mindestens drei Mal, wie die Analyse zeigt.

Die Sahara ist heute durch extreme Trockenheit geprägt. Doch das war nicht immer so. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sich das Klima in der Region über Jahrtausende hinweg immer wieder geändert hat und sich Trocken- und Nasszeiten periodisch abwechselten.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität zu Köln hat nun anhand eines 16 Meter langen Bohrkerns aus dem Tschad die Niederschlagsgeschichte der vergangenen 10.800 Jahre rekonstruiert. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Der Bohrkern stammt aus dem Yoa-See, einem seltenen Oasensee im Herzen der Sahara. Dessen Sedimente liefern ein nahezu lückenloses Archiv der Umwelt- und Klimaveränderungen in der Region.
Unerwartete Unterbrechungen
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Afrikanische Feuchteperiode, die vor etwa 14.800 Jahren begann und bis vor rund 5500 Jahren andauerte. In der Zeit war die Sahara keineswegs eine Wüste, sondern eine grüne Landschaft mit Seen, Flüssen und reicher Tierwelt (Grüne Sahara). Doch diese Phase war offenbar weniger stabil als lange angenommen.
„Die geowissenschaftliche Analyse des Sedimentkerns hat erstmals gezeigt, dass die letzte afrikanische Feuchtperiode mindestens drei Mal von Trockenereignissen unterbrochen wurde, vor etwa 9300, 8200 und 6300 Jahren“, erklärt die leitende Autorin Dr. Florence Sylvestre vom Institute de Recherche pour le Développement in Frankreich.
Spuren früher Klimakrisen
Die wiederkehrenden Dürrephasen hatten offenbar auch direkte Auswirkungen auf die damaligen Lebensbedingungen. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass sich in solchen Zeiten Siedlungsmuster und Lebensweisen der Menschen veränderten.
– Professor Dr. Martin Melles, Universität zu Köln
Der Yoa-See ist für die Forschung außerordentlich wertvoll: Trotz der extremen Trockenheit der Umgebung existiert er bis heute, gespeist von unterirdischem Grundwasser. Durch die besondere hydrologische Situation konnten sich Sedimente kontinuierlich am Seegrund anlagern. So kamen Jahr für Jahr feine Schichten hinzu, die heute wie ein Klimakalender gelesen werden können.
Mithilfe moderner Analysemethoden konnten die Forschenden die Schichten genau datieren und daraus Rückschlüsse auf Niederschläge, Vegetation und Umweltbedingungen ziehen.
Dürre vor 8200 Jahren
Besonders genau untersuchten die Wissenschaftler eine Dürrephase vor rund 8200 Jahren. Durch das Auszählen jährlicher Sedimentschichten ließ sich die Dauer exakt auf 77 Jahre bestimmen.
Die Trockenperiode fiel mit einer bereits bekannten Abkühlung im Nordatlantik zusammen. Ursache war vermutlich ein massiver Zufluss von Süßwasser aus einem schmelzenden Eisstausee in Nordamerika, der die ozeanische Zirkulation störte. Das wirkte sich offenbar bis nach Nordafrika aus, wo deutlich geringere Niederschläge fielen.
Sahara der Gegenwart und der Zukunft
Auch heute beobachten Wissenschaftler Veränderungen im Atlantiksystem. Insbesondere das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes könnte die Meeresströmungen beeinflussen. Ob sich ähnliche Dürreereignisse wie vor 8200 Jahren wiederholen könnten, bleibt jedoch ungewiss. Das heutige Klima unterscheidet sich stark von dem der Vergangenheit.
Dennoch belegt die Arbeit eindrücklich, wie sensibel das Klimasystem auf einen sich verändernden Atlantik reagieren kann. Selbst vergleichbare kurze Störungen können desaströse Folgen haben. „Unsere Ergebnisse zeigen, welche Auswirkungen Veränderungen im Atlantik auf die Niederschläge im nördlichen Afrika haben können, mit der Geschwindigkeit, der Größenordnung und der räumlichen Ausdehnung von Trockenereignissen“, sagt Professor Melles von der Universität zu Köln.
Die Forschenden sehen darin einen klaren Auftrag: Klimamodelle müssen weiter verbessert werden, um künftige Entwicklungen in der Sahara zuverlässiger vorhersagen zu können.
Quellenhinweis:
Sylvestre, F., Melles, M., Wennrich, V., et al. (2026): Decadal-scale droughts disrupted the African Humid Period in the Sahara. Nature.