Wetterforscher: "Das sieht nicht gut aus" Dieser "Heatdome" bringt Deutschland über 40 Grad

Über Teilen Europas liegen aktuell extrem warme Höhenluftmassen aus der Sahara. Würden sie uns im Juli oder August treffen, gäbe es Rekordhitze – jetzt kommen wir glimpflich davon.

Über weiten Teilen Europas haben sich in diesen Tagen außergewöhnlich warme Höhenluftmassen breitgemacht – herangeführt direkt aus der Sahara, mitsamt einer ordentlichen Portion Saharastaub, der den Himmel milchig-trüb erscheinen lässt. In den höheren Luftschichten messen die Modelle Werte, die selbst gestandene Meteorologen aufhorchen lassen.

Saharastaub erreicht Deutschland zusammen mit großer Höhenwärme aus Nordafrika, aus der Sahara.
Saharastaub erreicht Deutschland zusammen mit großer Höhenwärme aus Nordafrika, aus der Sahara.

"Glück gehabt", sagt ein Wetterforscher – und meint damit den Zeitpunkt. Denn das, was sich da gerade über dem Kontinent zusammenbraut, hat ein ganz anderes Zerstörungspotenzial, als es die aktuellen Temperaturen vermuten lassen.

Der entscheidende Unterschied: der Sonnenstand

Warum das so ist? Ganz einfach: Im Mai steht die Sonne zwar schon hoch, aber längst nicht so steil wie im Hochsommer. Der Boden ist noch nicht über Wochen aufgeheizt, die Nächte sind länger und kühlen die Luft spürbar herunter.

Genau diese beiden Faktoren bremsen die Höhenhitze aus, bevor sie sich am Boden voll entfalten kann. Wir spüren also nur einen Bruchteil dessen, was rein rechnerisch in dieser Luftmasse steckt.

Im Juli wären es über 40 Grad gewesen

Würde dieselbe Wetterlage uns mitten im Juli oder August erwischen, sähe die Sache dramatisch anders aus. Bei voll aufgeheiztem Untergrund und maximalem Sonnenstand wären in Deutschland verbreitet knapp über 40 Grad drin gewesen – im Oberrheingraben womöglich noch ein, zwei Grad mehr. Die deutschen Hitzerekorde wären in akuter Gefahr.

Frankreich hätte die 45-Grad-Marke geknackt

Noch krasser fällt die Rechnung weiter südlich aus. In Frankreich, das ohnehin näher am Hitze-Äquator liegt, hätte dieselbe Luftmasse im Hochsommer locker über 45 Grad produziert. Werte, die selbst für unsere südlichen Nachbarn jenseits aller bisherigen Erfahrungen liegen und das öffentliche Leben komplett lahmlegen würden.

Saharastaub als heimlicher Bremser

Und es kommt noch ein Faktor hinzu: Der Saharastaub in der Luft wirkt wie ein dünner Schleier. Er streut und schluckt einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung, sodass weniger Energie am Boden ankommt.

Aktuell dämpft das die Spitzenwerte zusätzlich – im Hochsommer würde dieser Effekt das dramatische Hitzepotenzial aber nur unwesentlich abmildern.

Warum uns dieser Zeitpunkt in die Karten spielt

Unterm Strich dürfen wir uns also tatsächlich glücklich schätzen, dass diese extreme Höhenhitze ausgerechnet jetzt über uns hinwegzieht und nicht im Hochsommer.

So bleibt es bei spürbar warmen, aber noch erträglichen Tagen. Das eigentlich Beunruhigende ist die Erkenntnis dahinter: Solche Luftmassen sind längst keine Seltenheit mehr – und wenn sie das nächste Mal im Juli anklopfen, wird aus dem "Glück gehabt" womöglich ganz schnell bitterer Ernst.

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