Europas Wälder unter Druck: Künftig deutlich mehr Schäden durch Feuer, Stürme und Borkenkäfer
Brände, Stürme und Borkenkäfer könnten die Schäden für die europäischen Wälder massiv erhöhen. Selbst bei moderater Erwärmung dürfte künftig noch mehr Waldfläche im Jahr zerstört werden als heute.

Europas Wälder müssen sich auf deutlich mehr Schäden in den kommenden Jahrzehnten einstellen. Störungen der Waldlandschaft wie Waldbrände, heftige Stürme und Insektenbefall werden laut einer neuen internationalen Studie häufiger auftreten und größere Flächen betreffen.
Forschende der Technischen Universität München (TUM) sowie weiterer Institute haben erstmals umfassend berechnet, wie sich diese Störfaktoren bis zum Jahr 2100 entwickeln könnten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten verschiedene Szenarien der globalen Erwärmung. Dabei zeigte sich, dass selbst unter günstigen Klimabedingungen die jährlich geschädigte Waldfläche in Europa in jedem Fall steigen dürfte.
Auch moderate Erwärmung mit mehr Schäden
Selbst wenn es gelingen würde, die globale Erwärmung auf etwa zwei Grad Celsius zu begrenzen, könnte sich die jährlich geschädigte Waldfläche deutlich erhöhen. Nach den Berechnungen steigt diese von derzeit rund 180.000 Hektar auf etwa 216.000 Hektar pro Jahr.
Deutlich dramatischer fallen die Prognosen in einem Szenario aus, in dem der Verbrauch fossiler Energien weiter wächst. Dann könnte sich die von Bränden, Stürmen und Borkenkäfern geschädigte Fläche bis zum Ende des Jahrhunderts mehr als verdoppeln und rund 370.000 Hektar jährlich erreichen.
Klimawandel verändert Wälder
Wälder spielen eine zentrale Rolle für das Klima, weil sie große Mengen Kohlendioxid speichern. „In Zukunft werden Europas Wälder voraussichtlich weniger Kohlenstoff aufnehmen“, sagt Christopher Reyer, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Mitautor der Studie. Er warnt vor zusätzlichen Problemen für den Klimaschutz.
Um die Entwicklung der Waldschäden zu simulieren, nutzte das Forschungsteam ein KI-gestütztes Modell, das mit rund 135 Millionen Datenpunkten aus Waldsimulationen an etwa 13.000 Standorten in Europa trainiert wurde.

Zusätzlich flossen Satellitendaten über tatsächliche Waldstörungen in die Berechnungen ein. So konnten die Forschenden Veränderungen mit einer Auflösung bis auf einzelne Hektar abschätzen. – Das Modell berücksichtigt zudem Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Störungen, etwa wenn geschwächte Wälder nach Stürmen anfälliger für Borkenkäferbefall werden oder trockene Bedingungen Brände begünstigen.
Südeuropa besonders gefährdet
Die Analyse zeigt deutliche regionale Unterschiede. Besonders stark dürften Süd- und Westeuropa betroffen sein, wo Hitze und Trockenheit Waldbrände begünstigen. In Nordeuropa wird der Wandel insgesamt weniger stark ausfallen. Allerdings rechnen die Forschenden auch dort mit regionalen Schwerpunkten künftiger Schäden.
„Störungen werden zunehmend überregional zum Problem, bringen die Holzmärkte in ganz Europa durcheinander und gefährden die Gemeinwohlleistungen des Waldes“, sagt Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM.
Risiken und Chancen
Die zunehmenden Störungen verändern langfristig auch die Struktur der Wälder. Alte Bestände könnten seltener werden (–3 %), während jüngere Wälder häufiger nachwachsen (+14 %). Für die Forstwirtschaft bedeutet das neue Herausforderungen – und gleichzeitig auch eine Möglichkeit, Wälder besser an den Klimawandel anzupassen.
Einerseits werden wir größere Schwankungen in den Leistungen des Waldes abpuffern müssen, sagt Seidl. „Andererseits bieten Störungen auch die Chance, einen neuen, Klima-angepassten Wald zu begründen.“ Diesen Risiken und Chancen durch steigende Störungen müsse sich die Forstpraxis stellen, unterstützt durch neue wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse, so Seidl.
Quellenhinweis:
Grünig, M., Rammer, W., Senf, C. et al. (2026): Climate change will increase forest disturbances in Europe throughout the 21st century. Science.