Eisbrocken aus heiterem Himmel: Warum tonnenschwere Eisbomben wie aus dem Nichts auf die Erde stürzen können

Megakryometeore sind gigantischer Hagel, der Dächer durchschlagen kann und bis heute schwer vorherzusagen ist. Seine Entstehung gibt Forschern Rätsel auf – und manche Fälle lassen sich überraschend eindeutig erklären: Manche stammen aus Flugzeugen, andere offenbar aus der Atmosphäre.

Ein riesiger Eisklotz landete im April 2026 auf einem Sofa in Kalifornien. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich um gefrorenes Eis, das von einem Flugzeug fiel. Bild: Los Angeles County Supervisor Janice Hahn/Facebook
Ein riesiger Eisklotz landete im April 2026 auf einem Sofa in Kalifornien. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich um gefrorenes Eis, das von einem Flugzeug fiel. Bild: Los Angeles County Supervisor Janice Hahn/Facebook

Am 10. April 2026 schlug in Whittier, Kalifornien, ein gewaltiger Eisbrocken durch das Dach eines Hauses. Der gegen 11:15 Uhr herabgestürzte Block landete auf einem Sofa und schmolz dort. „Wir können von Glück sagen, dass (der Bewohner) Yuder nicht in seinem Wohnzimmer war, als dieser Eisblock durch seine Decke krachte“, sagt die Aufsichtsrätin des Bezirks Los Angeles, Janice Hahn.

Das Gebäude liegt unter der Anflugroute des Flughafens Los Angeles. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA wurde eingeschaltet, veröffentlichte jedoch keinen Untersuchungsbericht. Die Herkunft schien nahezuliegen: Gefrorenes Wasser kann sich an Flugzeugen bilden und später beim Sinkflug abbrechen.

Atmosphäre als Eisfabrik

Doch nicht jede Eisbombe stammt von Flugzeugen. Am 3. Februar 2025 durchschlug in Palm Coast, Florida, ein etwa 1,8 x 0,9 Meter großer Eisblock ein Metalldach. Ein Flugzeug als Quelle konnte ausgeschlossen worden.

Das Eis schlug durch Decke und Dach des Wohnhauses – und landete schließlich auf dem Sofa. Bild: Los Angeles County Supervisor Janice Hahn/Facebook
Das Eis schlug durch Decke und Dach des Wohnhauses – und landete schließlich auf dem Sofa. Bild: Los Angeles County Supervisor Janice Hahn/Facebook

„Die FAA kontaktierte die Fluggesellschaften, deren Flugzeuge zum Zeitpunkt des Vorfalls in diesem Gebiet unterwegs waren“, so die Stellungnahme der FAA gegenüber First Coast News. „Bei den Inspektionen dieser Flugzeuge wurden keine Hinweise auf Wasserlecks gefunden, die zur Eisbildung an der Außenseite des Flugzeugs hätten führen können.“

Solche Brocken werden als Megakryometeore bezeichnet. Sie können Strukturen wie Hagelkörner aufweisen und sind in verschiedenen Regionen der Erde dokumentiert. Seit etwa der Jahrtausendwende konnten mehr als 50 Megakryometeoriten erfasst werden, die 0,5 Kilogramm bis zu mehreren Dutzend Kilogramm wogen. Zwei in Brasilien gefundene Eisbrocken brachten es sogar auf 50 bzw. 200 Kilogramm.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 kam zu dem Schluss, dass zumindest ein Teil dieser Eisblöcke weder von Flugzeugen noch aus dem Weltraum stammt. Demnach können atmosphärische Bedingungen ihre Entstehung begünstigen: Die kälteste Luftschicht sinkt um rund 3700 Meter ab, gleichzeitig steigt die Luftfeuchtigkeit. Auch stärkere Windscherung spielt offenbar eine Rolle.

Eines der Fragmente des Megakryometeors, der im spanischen San Felice de Lena, Asturien, am 26. Januar 2000 niederging. Bild: J. Martinez-Frias & A. Delgado Huertas (2006): Megacryometeors: Distribution on Earth and Current Research. Ambio, 35, 6, S. 315
Eines der Fragmente des Megakryometeors, der im spanischen San Felice de Lena, Asturien, am 26. Januar 2000 niederging. Bild: J. Martinez-Frias & A. Delgado Huertas (2006): Megacryometeors: Distribution on Earth and Current Research. Ambio, 35, 6, S. 315

Von Flugzeugen hingegen weiß man, dass Wasser aus Bordtoiletten oder anderen Lecks in großer Höhe sofort gefrieren kann. Solches Eis, wegen des blauen Desinfektionsmittels darin oft Blue Ice genannt, kann sich während des Sinkflugs lösen und zu Boden fallen.

Rätsel mit langer Geschichte

Die Flugzeugthese erklärt jedoch nicht die gesamte Geschichte. Berichte über riesige Eisbrocken reichen mehr als 200 Jahre zurück – einige stammen sogar aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, Jahrzehnte vor den ersten Motorflügen. Historischer Rekordhalter ist ein im Jahr 1849 in Schottland gefallener Brocken, mit einer Größe von etwa 2 Metern.

Damit bleiben zwei mögliche Quellen übrig: Meteoriten und natürliche Eisbildung in der Atmosphäre. Wissenschaftler versuchen zunehmend, beide Phänomene klar voneinander abzugrenzen.

Die Brocken sind in jedem Fall gefährlich. Wegen ihrer seltenen und offenbar schwer vorhersehbaren Entstehung lassen sich Eisstürze kaum zuverlässig ankündigen. Für Menschen unter Flugrouten bleibt deshalb vor allem eines: hoffen, dass die nächste Eisbombe nicht das eigene Dach trifft.