Wohin, wenn die Welt untergeht? Diese Länder sind für globale Katastrophen am besten gerüstet
Pandemie, Blackout oder nuklearer Winter – kein Land der Welt ist vor globalen Katastrophen gefeit. Doch Staaten unterscheiden sich erheblich darin, wie gut sie solche Krisen bewältigen könnten. Eine neue Studie zeigt nun, welche Staaten die besten Voraussetzungen haben – und warum Australien besonders widerstandsfähig ist.

Globale Katastrophen können die Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen bedrohen. Denkbar wären vor allem Atomvorfälle oder ansteckende Krankheiten. Wissenschaftler haben darum nun untersucht, welche Regionen besonders widerstandsfähig wären.
Untersucht wurden nur Ereignisse, die innerhalb kurzer Zeit mindestens zehn Prozent der Menschheit töten könnten. Der deutsche Forscher Dr. Florian Ulrich Jehn von der FernUniversität in Hagen erklärt, dass er gemeinsam mit einem internationalen, interdisziplinären Team gearbeitet hat: „Wir haben sozusagen ein ‚Allstar-Team‘ gebildet, um dem Thema gerecht zu werden.“
Drei Szenarien, die die Welt verändern
Die Studie unterscheidet drei große Risikogruppen: erstens biologische Gefahren wie Pandemien, zweitens den Zusammenbruch kritischer Infrastruktur und drittens Katastrophen, die das Sonnenlicht drastisch reduzieren. Zur letzten Kategorie zählen etwa Vulkanausbrüche, große Asteroideneinschläge oder nukleare Winter – „so etwas würde dazu führen, dass es global kälter wird“, erklärt Jehn.
Besonders gefährlich wäre auch ein weltweiter Stromausfall (Blackout). „Ohne Elektrizität haben wir auch schnell keinen Brennstoff mehr, ja nicht einmal Dünger für die Felder.“ Versorgungsketten, Landwirtschaft und Industrie würden gleichzeitig kollabieren.

Die Studie untersucht nun, wie alle Länder der Welt in diesen drei großen Gefahrengruppen – biologische Gefahren, Infrastruktur und Sonnenlicht – abschneiden. Die besten Bewertungen erhalten Australien (3 Gefahren), Neuseeland (3), Japan (3), Argentinien (2), die Schweiz (2), Norwegen (1), Spitzbergen (1) und Island (1).
Inseln mit entscheidendem Vorteil
Im internationalen Vergleich schneidet Australien – neben Neuseeland und Japan – besonders gut ab. Zwar leidet der Kontinent selbst unter den Folgen des Klimawandels, doch seine geografische Lage und wirtschaftliche Struktur sind grundlegende Schutzfaktoren.
„Es ist eine Insel, sodass es sich einfacher abschotten und isolieren kann“, sagt Jehn. Australien produziere unheimlich viel Nahrung, habe viel eigene Industrie und Bergbau. „Außerdem ist es reich und eine recht stabile Demokratie – all das sind Sachen, die ein Land resilienter machen.“ Nachbarland Neuseeland verfügt ebenfalls über günstige Voraussetzungen, ist aber kleiner und weniger industrialisiert.

Australien könnte sogar von seinen hohen Temperaturen profitieren, wenn ein nuklearer Winter die globale Durchschnittstemperatur senkt. Eine Garantie ist Australien dennoch nicht. Das Land benötigt internationale Lieferketten, unter anderem für Medikamente, Treibstoffe und Düngemittel. „Wir wollen nicht sagen, dass Australien der einzige Ort ist, der durchkommt – nur, dass es die besten Chancen hat.“
Vorbereitung statt Fatalismus
Länder wie Deutschland gehören dagegen nicht zu den widerstandsfähigsten Staaten. „Ohne Strom ist es völlig geliefert“, sagt Jehn. Stärken gebe es bei der demokratischen Stabilität und der Nahrungsmittelproduktion – die allerdings bei einer längerfristigen Verdunkelung der Sonne schnell an Grenzen stoße.
Jehn versteht die Studie deshalb auch als Weckruf. Das Ziel sei es, für das Thema zu sensibilisieren. Die Gesellschaft solle dringend darüber nachdenken.
Mögliche Maßnahmen reichen von internationalen Handelsvereinbarungen bis zu widerstandsfähigen Nahrungsmitteln (Resilient Foods). Dazu gehören Proteine, die mithilfe von Mikroorganismen in Bioreaktoren hergestellt werden können. Deutschland verfügt zudem über technisches Wissen und finanzielle Ressourcen.
„Gesellschaften können so einiges überstehen, wenn sie sich nur vorbereiten und solidarisch bleiben“, sagt Jehn. Am besten wäre allerdings, eine Katastrophe gar nicht erst eintreten zu lassen: „Prävention ist natürlich immer besser als Resilienz.“
Artikelreferenz
Jehn, F. U., Rössler, M., Kemp, L., Cassidy, M., et al. (2026). No place to hide? Regional resilience and vulnerability to global catastrophic risk. Global Challenges.