Die NASA kämpft um die Sonde Voyager

Seit Jahrzehnten rast Voyager 1durch das Alls. Doch jetzt steht die Sonde vor einem historischen Meilenstein, während die NASA gleichzeitig um jeden weiteren Betriebstag kämpft.

Voyager ist die wohl legendärste Sonde der NASA (Foto: Adobe Stock)


Es gibt Objekte, die längst mehr geworden sind als Maschinen. Voyager 1 gehört dazu. Seit fast 49 Jahren bewegt sich die Raumsonde durch die unvorstellbare Weite des Weltraums – immer weiter weg von der Erde, immer tiefer hinein in die Dunkelheit des Universums.

Ihre Reise begann am 5. September 1977. Damals war Jimmy Carter Präsident der Vereinigten Staaten, der Kult-Film "Star Wars" sorgte weltweit für Begeisterung in den Kinos, und das Internet spielte praktisch noch keine Rolle. Niemand konnte damals ahnen, dass dieses Raumfahrzeug Jahrzehnte später noch immer unterwegs sein würde – und kurz davorsteht, erneut Geschichte zu schreiben.

Ein ganz besonderer Moment

Im November könnte Voyager 1 einen historischen Meilenstein erreichen. Die Sonde soll eine Entfernung von einem Lichttag zur Erde erreichen. Etwas, das bislang noch keinem von Menschen gebauten Objekt gelungen ist.

Die Dimensionen dahinter sind kaum zu begreifen: Rund 25,9 Milliarden Kilometer trennen Voyager 1 inzwischen von unserem Planeten. Ein Signal, das von der Erde zur Sonde geschickt wird, benötigt dann volle 24 Stunden für seinen Weg durch das All.

Allein diese Vorstellung wirkt beinahe surreal. Ein Befehl verlässt die Erde und erst einen ganzen Tag später erreicht er sein Ziel. Die Antwort braucht weitere 24 Stunden zurück. Kommunikation wird unter solchen Bedingungen zu einer Geduldsprobe.

Warum die NASA um ihre fliegende Legende kämpfen muss

Doch gerade jetzt, ausgerechnet kurz vor diesem historischen Ereignis, steht Voyager vor einer großen Herausforderung: Die Sonde ist alt. In den vergangenen Monaten hatten Spekulationen die Runde gemacht, Voyager könnte kurz vor dem endgültigen Ende stehen. Die Nasa widersprach diesen Vermutungen jedoch deutlich.

Die NASA meldet sich gegenüber der BILD-Zeitung zu Wort (Foto: Adobe Stock)

Gegenüber BILD erklärte ein Sprecher der amerikanischen Raumfahrtbehörde: "Sowohl Voyager 1 als auch Voyager 2 funktionieren weit über alle Erwartungen hinaus und senden weiterhin wissenschaftliche Daten aus dem interstellaren Raum." Ganz ohne Einschränkungen geht es allerdings nicht mehr. Aufgrund der enormen Entfernung zur Erde musste die Datenrate reduziert werden.

Gleichzeitig arbeiten Ingenieure offenbar bereits daran, möglichst viel zusätzliche Zeit aus dem alternden Raumfahrzeug herauszuholen. Hinter den Kulissen laufen Sparmaßnahmen unter einem internen Spitznamen: "Big Bang". Das Ziel: Voyager noch möglichst viele Monate (vielleicht sogar Jahre) weiter auf ihrer Reise zu halten. Denn jeder zusätzliche Tag zählt.

Eine Flaschenpost für das Universum

Voyager ist inzwischen längst mehr als eine wissenschaftliche Mission. Die Sonde ist zu einem Symbol menschlicher Neugier geworden und zu einer stillen Botschafterin unserer Existenz.

2012 wurde Voyager 1 zum ersten menschengemachten Objekt, das den interstellaren Raum erreichte. An Bord trägt sie bis heute die berühmte Goldene Schallplatte – gefüllt mit Musik, Bildern und Botschaften der Menschheit. Eine Art Flaschenpost für das Universum.

Niemand weiß, ob jemals jemand diese Botschaft entdecken wird. Niemand weiß, ob sie überhaupt eines Tages gelesen oder verstanden wird. Sicher scheint nur eines: Während Generationen auf der Erde kommen und gehen werden, wird Voyager weiterfliegen. Millionen Jahre lang – durch die Milchstraße, weit entfernt von ihrem Ursprung.

Artikelreferenz

Bild. Schafft Voyager noch den historischen Meilenstein?.