Algenplagen im Meer! Ist der Klimawandel schuld?

Es gibt weltweit immer mehr Algen und auch in Europa erleben viele Strandurlauber die Plage hautnah. Teilweise breiten sie sich in kurzer Zeit explosionsartig aus. Dies hat weitreichende Folgen. Was sind die Ursachen für die Plage aus dem Meer?

Algen
Weltweit gibt es immer mehr Algen und vielerorts werden sie zu einer regelrechten Plage auf dem Meer

Egal ob am Atlantik, am Mittelmeer oder an der Ostsee: An den Strand gespülte Algen oder ganze Algenteppiche im Meer trüben immer häufiger das Badevergnügen im Meer. Die Beseitigung ist für betroffene Urlaubsregionen oft aufwendig und teuer.

Algenblüte

Algen blühen nicht, das Wort "Algenblüte" ist somit nur ein Sprachbild. Als Algenblüte bezeichnet man eine plötzliche und massenhafte Vermehrung von Algen. Durch eine Algenblüte färbt sich die Wasseroberfläche in der Regel bläulich.

Die Färbung ist mittlerweile auch auf Satellitenaufnahmen zu erkennen. Die Erde erscheint vom Weltraum eigentlich als "blauer Planet". Der Grund liegt im hohen Anteil von Ozeanen an der Erdoberfläche. Ihr Anteil an der globalen Oberfläche liegt bei etwa 70 Prozent.

Nach einer kürzlich erschienenen Nature-Studie zufolge verschiebt sich der Farbton der Weltmeere allmählich von Blau in Richtung Grün. Eine zweite Nature-Studie aus diesem Frühjahr zeigt, dass Algenblüten weltweit um 60 Prozent häufiger auftreten als noch vor 20 Jahren. Und die Tendenz ist eine immer weitere Ausdehnung weltweit.

Dabei scheinen Algen die Gewinner der globalen Umweltveränderungen zu sein. Am einstigen Strandparadies Cancún in Mexiko türmen sich mittlerweile faulende Algenberge. Nicht ohne Folgen - der Badeort leidet unter einem dramatischen Rückgang der Urlauberzahlen. Ein gigantischer Algenteppich über 8000 Kilometer erstreckt sich sogar von der Karibik bis nach Afrika.

Algenblüte
Rasante Ausbreitung von Algen vor der Küste von Mallorca (Foto Kai Beinert vom 25.08.23)

Die Wassertemperaturen am Mittelmeer haben in diesem Sommer Rekordwerte erreicht. Ende Juli wurde mit 28,7 Grad Celsius die bislang höchste mittlere Oberflächentemperatur im Mittelmeer gemessen und an vielen Stellen ist das Meer um die 30 Grad "heiß", mit weitreichende Folgen für das marine Ökosystem. Noch in der letzten Woche konnte der Fotograf Kai Beinert dokumentieren, wie sich die Algen während der letzten Hitzewelle innerhalb weniger Tage vor der Küste von Mallorca rasant vermehrten und weiter ausbreiteten.

Vor allem Algen kommen generell mit den veränderten Bedingungen im Mittelmeer gut klar und das viel besser als die meisten Tiere und Seegräser. Einige invasive Arten wie die Grünalge, die ursprünglich aus den Tropen und Subtropen kommen, breiten sich im Mittelmeer aus und verdrängen dabei auch endemische Arten, die nur im Mittelmeer vorkommen, wie das Neptunsgras oder die Mittelmeer-Schleimfische.“

Ursache: Nährstoffeintrag und Klimawandel

Eine Hauptursache für die rasante Vermehrung der Algen sehen Forscher in dem zunehmenden Nährstoffeintrag in die Weltmeere. Besonders die Nährstoffe Phosphat und Nitrat fördern die Algenbildung und gelangen zum Beispiel über Abfälle oder die intensive Landwirtschaft in Flüsse und schließlich ins Meer. Zudem werden die Ozeane durch den Klimawandel immer wärmer, was die Algenblüte zusätzlich fördert.

Algenblüten können auch Giftstoffe freisetzen und nach der explosionsartigen Vermehrung sterben sie irgendwann ab und zersetzen sich. Dabei werden dem Wasser große Mengen an Sauerstoff entzogen. In der Ostsee führt dies regelmäßig zu einem großen Fischsterben.

Grundsätzlich sind Algen wichtig für die Meere. Sie sind Grundlage der Nahrungskette und binden auch mehr vom Treibhausgas CO2 als alle Wälder auf der Erde zusammen, womit sie einen wichtigen Beitrag gegen die Klimakrise leisten. Die Probleme entstehen erst bei der explositionsartigen Vermehrung der Algen. Die Algenblüte ist demnach zwar ursprünglich ein natürliches Phänomen, wird jedoch durch menschenverursachte Prozesse deutlich verstärkt.

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