Wetter und Physik der Extreme: Nach der Rekordhitze drohen nun Gewitter, Starkregen und gefährliche Downbursts

Die Rekordhitze ist vorbei, doch die Atmosphäre bleibt hochgradig energiegeladen. Jetzt drohen Gewitter, Starkregen und gefährliche Downbursts – ein Wetterphänomen, das oft unterschätzt wird und erhebliche Schäden verursachen kann.

Wetter und Physik: Nach der Rekordhitze drohen jetzt Fallwinde mit zerstörerischer Kraft
Wetter und Physik: Nach der Rekordhitze drohen jetzt Fallwinde mit zerstörerischer Kraft

Die historische Juni-Hitzewelle-2026 hat Deutschland hart gegeängelt. Über Tage hinweg wurden Temperaturen von mehr als 35 Grad gemessen, regional sogar über 40 Grad. Die Belastung für Menschen, Natur und Infrastruktur war enorm.

In zahlreichen Kommunen stieg die Zahl hitzebedingter Notfälle deutlich an. In Frankfurt am Main, wo die Notfallrettung zeitweise von einem „Ausnahmezustand“ sprach (lt. Presseberichten), spüren jetzt noch Rettungsdienste und die Krankenhäuser die Folgen der extremen Temperaturen.

Auf Heatwave folgt Downburst

Nach der Hitze richtet sich der Blick der Meteorologen bereits auf die nächste Gefahr: kräftige Gewitter, Starkregen und sogenannte Downbursts.

Denn mit dem Ende der Rekordhitze ist die Wettergefahr keineswegs gebannt. Im Gegenteil: Die Atmosphäre beginnt nun, die während der Hitzewelle gespeicherte Energie auf andere Weise freizusetzen.

Eine aufgeladene Atmosphäre

Meteorologisch betrachtet befindet sich Deutschland derzeit in einer klassischen Übergangslage. Von Westen nähert sich ein markanter Höhentrog. Gleichzeitig hält sich über dem Süden und Osten weiterhin eine sehr feuchte und warme Luftmasse.

In rund 1500 Metern Höhe liegen die Temperaturen noch immer deutlich über dem klimatologischen Mittel, während von Nordwesten kühlere Atlantikluft nachströmt.

An dieser Luftmassengrenze entstehen folgenschwere starke Temperatur- und Feuchteunterschiede:

  • Das Ergebnis ist eine hochgradig labile Atmosphäre.
  • Warme Luft steigt auf, kühlt in der Höhe ab und bildet mächtige Gewitterwolken.
  • Unterstützt wird dieser Prozess zusätzlich durch Hebungsimpulse des herannahenden Troges.

Damit sind die Zutaten für kräftige Gewitter vorhanden.

Starkregen wird zur größten Gefahr

Im Verlauf heutigen Dienstages entwickeln sich zunächst im Westen, Südwesten und entlang der Mittelgebirge kräftige Schauer und Gewitter. Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch breitet sich die Aktivität zunehmend nach Osten und Nordosten aus.

Besonders problematisch sind die enormen Wasserdampfmengen in der Atmosphäre. Die sogenannte niederschlagbare Wassermenge liegt regional bei rund 40 Millimetern.

Dadurch können innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen fallen. Lokal sind mehr als 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde möglich.

Wo Gewittercluster entstehen oder sich nur langsam verlagern, sind sogar deutlich höhere Mengen denkbar. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und örtliche Sturzfluten können die Folge sein.

Schon einmal von Downbursts gehört?

Neben Starkregen rückt ein Wetterphänomen in den Fokus, das deutlich weniger bekannt ist als Tornados oder Hagel: der Downburst. Dabei handelt es sich um einen Fallwind aus einer Gewitterwolke.

Die Physik dahinter ist vergleichsweise einfach. Während warme Luft im Gewitter aufsteigt, sinkt an anderer Stelle kalte und schwere Luft wieder ab.

Wird dieser Abwind durch starke Niederschläge, Hagel und Verdunstungskühlung zusätzlich beschleunigt, kann die Luft mit enormer Geschwindigkeit Richtung Boden stürzen. Dort breitet sie sich explosionsartig nach allen Seiten aus.

Fallwinde mit zerstörerischer Kraft

Solche Downbursts können Windgeschwindigkeiten von weit über 100 Kilometern pro Stunde erreichen.

Anders als bei Tornados rotiert die Luft dabei nicht. Dennoch können die Schäden erheblich sein. Umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer und blockierte Straßen sind typische Folgen.

Die aktuelle Wetterlage bietet für diese Fallwinde günstige Voraussetzungen. Hohe Luftfeuchtigkeit, energiereiche Gewitter und starke Niederschläge können die Entstehung solcher Abwinde begünstigen.

Die größte Gefahr geht dabei oft nicht von der Gewitterzelle selbst aus, sondern von den plötzlich auftretenden Windböen unter der Wolke.

Zum Wochenverlauf beruhigt sich die allmählich Wetterlage Schritt für Schritt

Nach den teils kräftigen Gewittern am Dienstag und besonders in der Nacht zum Mittwoch mit lokalem Starkregen, Hagel und stürmischen Böen zieht die feuchtwarme Luftmasse zunehmend nach Osten ab.

Am Mittwoch werden im Dauerregen des Ostens und Südostens teils nur noch um 20 Grad erreicht, während am Oberrhein nochmals 24 bis 29 Grad möglich sind. In den Nächten kühlt es deutlich stärker ab als zuletzt: Bis Donnerstagmorgen sinken die Temperaturen auf 16 bis 8 Grad.

Ab Donnerstag setzt sich von Westen her zunehmend Hochdruckeinfluss durch. Die Höchstwerte liegen dann meist zwischen 20 und 29 Grad, bevor zum Wochenende vielerorts wieder freundliches Sommerwetter mit 25 bis 30 Grad Einzug hält.

Auch für die kommende Woche deuten einige Wettermodelle einen erneuten Temperaturanstieg an. Ob daraus wieder eine ausgeprägte Hitzewelle entsteht, bleibt derzeit allerdings noch unsicher.